Was taugt Ivankas Mode?

Es gab Applaus, als mehrere US-Kaufhäuser die Kollektion der Präsidententochter aus dem Sortiment nahmen. War er aus rein modischer Sicht berechtigt?

Ivanka Trump (mit Tochter Arabella) in einem 325-Dollar-Mantel aus ihrer eigenen Kollektion.<br />Foto: Molly Riley (AP, Keystone)

Ivanka Trump (mit Tochter Arabella) in einem 325-Dollar-Mantel aus ihrer eigenen Kollektion.
Foto: Molly Riley (AP, Keystone)

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«The Guardian» formulierte es besonders bösartig. Ivanka Trumps Kollektion, fasste er sein Verdikt zusammen, setze sich aus Trends der letzten Jahre zusammen. Was damit gesagt wurde, war: Es handelt sich um ein Sammelsurium von Stücken, die alle einst hip waren, es aber längst nicht mehr sind.

Das Label Ivanka Trump ist gefällig. Nett. Es gibt daran nichts auszusetzen, es ist nicht einmal besonders schlecht. Jedenfalls nicht schlechter als viele andere. Weniger freundlich formuliert: Es ist austauschbar. Aber auch darin unterscheidet es sich nicht von vielen anderen Marken. Dennoch sprechen drei Dinge klar gegen Ivanka Trump als Designerin:

  • 1. Sie kopiert. Es haben deswegen bereits zwei Labels gegen sie geklagt, Derek Lam und Aquazurra. Designer bedienen sich zwar gerne bei Ideen der Konkurrenz; Michael Kors’ Entwürfe etwa sehen oft verdächtig bekannt aus, und H&M, Zara und Co machten daraus gleich ein ganzes Geschäftsmodell. Bloss: Sie verstanden auch, dass schnell sein muss, wer so etwas Kurzlebiges wie Modetrends aufgreifen will, unfassbar schnell. Ist mans nicht, geht der Schuss nach hinten los. Siehe Ivanka Trump.
  • 2. Dafür, dass die Kollektion vor allem von anderen «inspiriert» wird und erst noch hinterherhinkt, ist sie zu teuer. Die Preise sind doppelt oder gar dreimal so hoch wie bei den Fast-Fashion-An­bietern, die zudem nicht vorgeben, hochwertige, exklusive Mode anzubieten.
  • 3. Das Entwerfen von Kleidern ist ein Beruf. Es ist sogar ein knallharter Beruf, wer es an die Spitze schaffen oder ein eigenes Label gründen will, schuftet jahrelang schwer und für wenig Geld. Es wertet einen ganzen Berufsstand ab, wenn jemand aufgrund eines be­rühmten Namens und eines dicken Porte­monnaies glaubt, auch noch ein wenig in Mode machen zu können.

Kreislauf des Geldes

Wobei sich da der Kreis wieder schliesst: Ohne das Geld ihres Vaters hätte Ivanka Trump kein eigenes Label gründen können. Und vor allem: Ohne dessen bekannten Namen wäre die Kollektion nie von den grossen Kauf­häusern aufgenommen worden.

Jetzt fliegt sie halt aus demselben Grund wieder raus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2017, 23:15 Uhr

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