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Erotisierende Bettwäsche

Nach Jeans, die Cellulite bekämpfen, oder Korsagen, die schlank machen: Im Herbst kommt Bettwäsche auf den Markt, welche die Libido ankurbeln soll. Was ist dran an den Kosmetotextilien?

1/6 Noch diesen Herbst soll der französische Detailhändler Carrefour eine stimulierende Bettwäsche im Sortiment haben. Sie soll für mehr Lust im Bett sorgen.

   

Sie sieht nicht anders aus, als andere Bettwäsche. Aber sobald sie warm wird, kann es auf der Matratze heiss zugehen. Denn die Bettwäsche, die der französische Detailhändler Carrefour im Herbst auf den Markt bringen will, enthält ätherische Öle und anregende Gewürzstoffe. Und die sollen für intensiveren Sex sorgen, behauptet zumindest Welt.de.

Was nach Humbug klingt, hat einen offiziellen Namen: Kosmetotextilien. Es handelt sich dabei um Textilien mit kosmetischen Eigenschaften, um schlaue Kleidungsstücke sozusagen. Kein anderer Markt in der Textilbranche soll momentan schneller wachsen als die «Smart Textiles».

Allergische Reaktionen möglich

In der Schweiz sind Kosmetotextilien nahezu ein Fremdwort und kaum verbreitet. Die Franzosen dagegen sind führend. Hermès hat schon 1995 einen duftenden Schal herausgebracht und die französische Textilienmarke Lytess kümmert sich ausschliesslich um Kosmetotextilien. Zum Renner gehören momentan Strumpfhosen gegen die Orangenhaut. Das lästige Eincremen am Morgen entfällt; einfach anziehen und schon wirken die Inhaltsstoffe gegen die Cellulite. Das behauptet der Hersteller, unabhängige Studien fehlen jedoch bislang. Ein Täuschungsverbot für Gebrauchsgegenstände existiert in der Schweiz noch nicht. Dieses ist zwar vorgesehen, bis das entsprechende Gesetz jedoch in Kraft tritt, dürfte es jedoch noch Jahre dauern.

Ob Strumpfhose gegen Cellulite, duftende Unterhose oder Bettwäsche mit Viagra-Effekt – unbedenklich sind die schlauen Gewebe nicht. «Kosmotextilien können allergische Reaktionen auslösen», sagt Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Auch der Basler Kantonschemiker Urs Hauri beurteilt derartige Produkte eher kritisch. Während Kosmetika in der Schweiz der Kosmetikverordnung unterliegen und Inhaltsstoffe klar deklariert werden müssen, sind Textilien nur schwach geregelt. Normen dazu sind in der Verordnung über Gebrauchsgegenstände mit Humankontakt zu finden. Rechtsverbindliche Regelungen zu Kosmetotextilien gibt es jedoch keine.

«Es wäre stossend, wenn die Hersteller von Kosmetotextilien die Kosmetikverordnung so umgehen könnten», so Urs Hauri. Die Konsumenten erfahren so unter Umständen nicht, was genau in den Textilien enthalten ist. Dies bestätigt auch Kurt Lüthi, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Direktion für Verbraucherschutz im Bundesamt für Gesundheit: «Zur Etikettierung von Kosmetotextilien gibt es keine Regelungen.» Auch auf europäischer Ebene tut man sich schwer mit den Kosmetotextilien. Die Europäische Kommission schreibt in ihrem «Borderline Manual» zumindest, dass die Textilien unter Umständen unter die Bestimmungen für Kosmetik fallen, wenn sie mit der Haut in Kontakt kommen und chemische Stoffe freisetzen. Dies gilt gemäss Kurt Lüthi auch für die Schweiz.

Wirkstoffe durch Reibung freigesetzt

Die erotisierende Bettwäsche dürfte ähnlich funktionieren wie die Cellulite-Strumpfhosen, auf denen Mirkrokapseln haften. Darin sind Stoffe wie Coffein, Retinol und Algenextrakte enthalten, genau wie bei den Cremen. Während sich die Strumpfhose an der Haut reibt, platzen die Mikrokapseln auf dem Stoff und geben die Wirkstoffe frei, erklärt ein Textilchemiker im Artikel auf Welt.de.

Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz bleibt kritisch: «Es ist fraglich, ob derartige Kleidungsstücke oder andere Textilien wirksam sind.» Und auch wenn sie anfangs noch eine leichte Wirkung zeigen würden: Mit dem Waschen verlieren die Textilien ihre Pflegeprodukte und irgendwann ist auch die letzte Mikrokapsel geplatzt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2010, 15:53 Uhr

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