Wenn die ganze Modewelt sich nach Anna Wintour richtet

Von Claudia Müller. Aktualisiert am 16.03.2010

Aufruhr in der italienischen Modeszene: Der Teufel, der gern Prada trägt, soll nur kurz an den Fashionshows in Mailand weilen.

Ihr Urteil entscheidet Designer-Karrieren: US-«Vogue»-Chefin Anna Wintour wartete an der New-York Fashion Week im letzten September auf die Kollektion von Calvin Klein.

Ihr Urteil entscheidet Designer-Karrieren: US-«Vogue»-Chefin Anna Wintour wartete an der New-York Fashion Week im letzten September auf die Kollektion von Calvin Klein.
Bild: Reuters

Diego della Valle, der Patron von Tod's, lässt sich von Anna Wintour nicht auf der Nase herumtanzen.

Diego della Valle, der Patron von Tod's, lässt sich von Anna Wintour nicht auf der Nase herumtanzen.

Die Vorbereitungen für die Prèt-à-porter-Shows laufen auf Hochtouren. In Mailand herrscht derweil doppelte Aufruhr; denn die wohl einflussreichste Frau des Modezirkus, die amerikanische «Vogue»-Chefin Anna Wintour, kündigte an, nur drei Tage in der italienischen Modestadt zu sein. Dass die Mailänder Modewochen eine ganze Woche dauern, scheint Wintour nichts auszumachen. Schliesslich muss sie nach Paris fliegen, wo dann die wirklich wichtigen Designer ihre Mode präsentieren.

Diese Nachricht sorgte für grosse Entrüstung unter den Designern unseres südlichen Nachbars. Sofort richtete man sich an die italienische Modekammer, die sich um die Organisation der Shows kümmert. Eine Verschiebung der Modewochen wurde verlangt, da viele der Kreateure davon überzeugt sind, dass die Anwesenheit der Modechefin in der ersten Reihe, ihren Wert steigert.

Extra-Wünsche sind normal

Der Patron des italienischen Label Tod’s, Diego della Valle, wehrt sich gegen das amerikanische Modediktat und findet die Einstellung der Wintour unhaltbar: «Den gleichen Versuch hat sie in Frankreich gestartet, nur haben sich die Franzosen von der englischen Lady nicht beeindrucken lassen.» Dass die grossen Namen wie Dolce & Gabbana, Fendi und Prada ihre Kreationen erst gegen Ende der Modewochen zeigen wollten, scheint die Grande Dame des Modezirkus nicht zu stören. Dabei ist doch Prada eines ihrer Lieblingslabels.

So bleibt nur zu hoffen, dass die Italiener mehr Mut beweisen und sich von den Launen der US-«Vogue»-Chefin in Zukunft nicht mehr einschüchtern lassen. Dass die wohl mächtigste Frau im Modebusiness Extra-Wünsche äussert, sollte niemand verwundern. Vor allem nicht, wenn Designer glauben, sie müssten ihnen immer wieder nachkommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2010, 11:03 Uhr

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