Unterhemd – ja oder nein?

Die Antwort auf eine Stilfrage zum gepflegten Mann bei der Arbeit.

Auf Englisch heisst es grässlicherweise «wife beater»: Darum folgt hier die Rehabilitierung des Unterhemds. Foto: bark (Flickr)

Auf Englisch heisst es grässlicherweise «wife beater»: Darum folgt hier die Rehabilitierung des Unterhemds. Foto: bark (Flickr)

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Mit einem Freund hatte ich eine Diskussion, ob der Mann bei der Arbeit unter einem Hemd ein Unterhemd tragen sollte oder ob es auch ohne ginge. Im Internet habe ich mich innert nützlicher Zeit nicht schlaumachen können. Ein Unterhemd sei im Sommer ratsam, um Schweissflecken aufzufangen, das war der einzige konkrete Hinweis, auf den ich gestossen bin. Mich würden aber auch die anderen Jahreszeiten interessieren. Der Freund ist Anwalt. Falls Sie für ein Unterhemd bei Männern plädieren, darf es sich unterm Hemd abzeichnen?
S. M.

Liebe Frau M.,

es erwärmt mein Herz, wenn sich Männer über ihre Garderobe Gedanken machen. Das weist einfach auf eine gewisse Feinheit hin, wobei wir natürlich nicht vom Gockel sprechen, dessen Selbstverliebtheit ihn ja eben gerade unfein macht, sondern vom Mann, der etwas auf sich hält.

Und diese Haltung ist ja auch klug, denn das mit dem Erscheinungsbild sollte nicht unterschätzt werden. Wer jetzt Luft holt, um «oberflächlich» zu schreien, kann just das nachlesen in der letzten Ausgabe des «Spiegels», wo ein Wissenschaftler in Gestalt eines renommierten Entenforschers erklärt, welch zentrale Rolle das Aussehen in der Natur spielt. Anders gesagt: Der Erpel wäre froh, könnte er mit Textilem nachhelfen, um seine Chancen bei den Entendamen zu erhöhen.

Aber zurück zu diesem Unterhemd. Wir müssen umgehend zu dessen Rehabilitierung schreiten, denn es geriet ja in Verruf. Auf Englisch heisst es grässlicherweise «wife beater», was suggeriert, der klassische Unterhemdträger sei ein Mann, der schon frühmorgens alkoholische Getränke konsumiere und alsbald Aggressionen an den Tag lege. Dabei war das Unterhemd genau für das gedacht, was Sie erwähnen: um zu verhindern, dass bei starkem Schwitzen das Hemd in Mitleidenschaft gezogen wird.

Alles, was mit Unterwäsche zu tun hat, sollte unsichtbar sein.

Beim Unterhemd handelt es sich um einen Teil der Unterwäsche, es ist das Äquivalent zum BH. Es sollte daher nicht sichtbar sein, weil alles, was mit Unterwäsche zu tun hat, unsichtbar sein sollte, denn es ist sozusagen intim. Um das zu verhindern, wählt man ein Hemd aus festem, blickdichtem Stoff, und schon ist man «putzt und gstrählt», jetzt nicht nur so aus Unterhemd-Sichtbarkeits-Hinsicht, sondern grundsätzlich, denn dann kann man bei Bedarf auf ein Drunter verzichten.

Gegen das Unterhemd gibt es rein gar nichts einzuwenden. Gegen T-Shirts, die so oft gut sichtbar unter Hemden getragen werden, aber sehr wohl.

Bettina Weber


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2017, 08:14 Uhr

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