Der Weinzampano

Von Jan Graber. Aktualisiert am 02.09.2010 1 Kommentar

Hier kaum bekannt, in den USA bereits ein Star: Gary Vaynerchuck ist der erste Internet-Shootingstar der Weinwelt. Er untersucht, welche Tropfen zu Müesli passen und lässt berühmte Talkmoderatoren Erde fressen.

1/7 Eiskalt serviert
Gefrierkalt: Vaynerchuck testet, wie Wein bei eisiger Kälte schmeckt - im T-Shirt.

   

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Frisst auch Dreck: Gary Vaynerchuck ist ein Aromen-Fetischist und beisst auch mal ins Gras, um dessen Geschmack mit Wein zu vergleichen.

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Gary Vaynerchuck ist ein Star - zumindest für seine Fans in den USA, den Vayniacs. Wenn der Weinhändler aus New Jersey eine neue Episode seines Videoblogs «Wine Library TV» postet, kann er sich laut eigenen Angaben 80'000 täglichen Zuschauer sicher sein. 800'000 Nutzer folgen ihm auf Twitter und die Grenzen der Facebook-Freunde habe er als einer der ersten gesprengt. Die Vayniacs bilden eine Community, die nicht nur regelmässig seine Shows kommentiert, sondern mit Vaynerchuck zusammen auch einen eigenen Wein kreiert hat.

Bekannt geworden ist Vaynerchuck indes nicht durch seine Web-Präsenz alleine, sondern dank seines effektvollen Auftretens: «I’m your host, Gary VAY-NER-CHUCK, and this the thunder show a.k.a. the internet’s most passionate wine program!», knallt er zu Beginn jeder Sendung den Zuschauern an den Kopf und was dann folgt, ist Unterhaltung pur – besonders für önologische Anfänger. Denn Vaynerchuck geht mit dem Thema Wein in einer Respektlosigkeit um, die sich sonst vor allem etablierte TV-Figuren wie beispielsweise das «Top Gear»-Trio-Infernale Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May gegenüber Luxus-Wagen erlauben. Eine Respektlosigkeit, die aber gerade Neulingen den Zugang zur Welt der vergorenen Säfte erleichtert.

Und das ist Vaynerchucks Ziel: «Unsere Bewegung versucht, Barrieren, Stereotypien und Sinnestäuschungen niederzureissen, die die Menschen davon abhalten die aufregende und lohnende Welt des Weins zu entdecken und zu geniessen», erklärt der Weinzampano. Um dies möglichst effektvoll zu erreichen, schleicht er sich mit seiner Kamera auch mal ein Winetasting des grossen Gurus Robert Parker und kommentiert seinerseits Parkers Kommentare. Die Show schliesst er mit den Worten: «Sie und ein kleines bisschen von mir, wir werden die Weinwelt verändern. Egal ob die anderen es mögen oder nicht.»

Bis aufs Blut

Ähnlich wenig Berührungsängste kennt Vaynerchuck, wenn er grosse Weine mal schnell in die Pfanne haut und dafür einen Saft aus dem Tetrapack lobt. Er beschreibt Weine mit Sätzen wie «Dieser Tropfen riecht nach Schafshintern», disst einen Saft auch mal als «poop» (Kacke) und bevor er seine Nase ins Glas hält sagt er stets «snippy sniff». In seinem Videoblog sitzt er vor einer blanken Wand mit einer grünen Schiefertafel, auf die Sprüche wie «Drink New Stuff» oder Werbehinweise zu seiner neuen Radioshow geschrieben sind und auf dem Tisch stehen meistens drei Flaschen Wein und ein Football-Helm der New York Jets, der ihm als Spucknapf dient – nicht weil er den Klub hasst, sondern weil er laut eigenen Aussagen sein grösster Fan ist.

Mittlerweile hat Vaynerchuck 900 Episoden im Kasten. Während die ersten Sendungen ab Februar 2006 noch brav wirkten, hatte er ein Jahr später seinen typischen wirbligen Stil gefunden. Die Sendungen folgen keinem festen Schema: Fünfmal pro Woche unterhält Vaynerchuck seine Zuschauer mit allem, was sich zum Thema Wein und darüber hinaus anbietet – egal ob mit der simplen Präsentation von Tropfen aus einer bestimmten Region, dem Ausprobieren, wie sich ein Wein bei unterschiedlichen Temperaturen trinkt oder einem Test, welche Säfte am besten zu Lakritze oder zu Frühstücksflocken passen. Unvergesslich bleiben Episoden wie diejenigen, in denen er mit seinem Vater über Weine streitet, oder Nummer 534, in der er künstliches Blut testet. Die Shows sind zwischen zehn und vierzig Minuten lang und Vaynerchuck moderiert sie üblicherweise in einem Fluss.

Der Zugang zur Weinwelt wurde Vaynerchuck praktisch in die Wiege gelegt: Geboren wurde er 1975 als Sohn weissrussischer Immigranten, sein Vater betrieb in New Jersey ein Spirituosengeschäft. Aus reiner Langweile hinter der Kasse begann Vaynerchuck den Wine Spectator und den Wine Advocate zu lesen. Da es ihm in jungen Jahren verboten gewesen sei, Wein zu probieren, habe er das Pferd von hinten aufgezäumt, sagt er. Er habe einfach Aromen probiert, die mit Wein in Verbindung gebracht wurden: «Ich habe als Teenager vermutlich mehr Gras konsumiert als jeder Rasenmäher in New Jersey», witzelt er medienbewusst, gesteht aber auch in einer Sendung der bekannten amerikanischen Talkmoderatorin Ellen DeGeneres, dass er Wein nicht vom ersten Moment an gemocht habe.

Der respektierte Clown

Vaynerchuck ist ein gern gesehener Gast in Talkshows des US-Fernsehens, besonders auch, weil er die Talkmoderatoren an ihre Grenzen führt und ihnen damit eine Showbühne bietet. So hat er beispielsweise den Talkshow-Star Conan O’Brien dazu gebracht, vor laufender Kamera Erde, Gras und Zigarrentabak zu kauen oder an einem in Salzwasser eingelegten Stein zu lecken, um diese Aromen mit dem Bouquet eines Weins zu vergleichen. O’Brien machte, das Gesicht verziehend, bereitwillig mit, denn er war sich des abstossend-faszinierenden Effekts sehr wohl bewusst.

Das gilt auch, wenn Vaynerchuck selbst Gäste zu Wine Library TV einlädt – darunter Prominente wie zum Beispiel der Tool-Sänger Maynard James Keenan. Dass sich der Weinhändler bisweilen über die Weinwelt lustig macht, bedeutet jedoch nicht, dass er nicht respektiert würde – im Gegenteil: In seinen Shows waren auch schon die Master of Wine Jancis Robinson und Tim Hanni anzutreffen. Vom Wine Enthusiast Magazine wurde Vaynerchuck zum «Innovator of the Year» erkoren und das Decanter Magazine hat ihn in die «Power List» der einflussreichsten Figuren der Industrie aufgenommen.

Den Erfolg verdankt Vaynerchuck deshalb zuvorderst seinem feinen Gespür fürs Geschäft, die Show und vor allem die Bedürfnisse von Weinliebhabern, die die Nase voll haben von elitärem Weingeschwafel; die Social-Media-Plattformen dienen ihm dazu nur als Vehikel. Zudem hat Vaynerchuck einen Traum, den er mit Biss verfolgt: Der New Yorker möchte nichts weniger, als eines Tages die New York Jets besitzen. Gelingen könnte es ihm. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2010, 10:55 Uhr

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1 Kommentar

Peter Welti

02.09.2010, 11:35 Uhr
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Vay-ner-chuck ist ein super entertainer und bringt den wein perfekt unters volk.wer nicht sein ganzes geplapper anhören will,kann auch direkt auf die verkostung der weine switchen.echt eine bereicherung im kampf gegen weinsnobismus! Antworten



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