Der Widerspenstige
Von Jan Graber. Aktualisiert am 18.03.2010 2 Kommentare
Icario, 2006 Der Vino Nobile di Montepulciano hat eine tiefdunkle Farbe, besteht zu 80 Prozent aus Sangiovese-Trauben mit einem Zusatz Merlot, Canaiolo Nero und Colorino. Ein Wein für Liebhaber charaktervoller, etwas sperriger Weine, die sich einem nicht auf den ersten Schluck erschliessen.
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«Der Pangasius ist doch ein Scheissfisch.» Leicht vornübergebeugt sitzt Mike Müller am Tisch, fast wie ein Bulle, der bereit ist, loszustürmen. Er lässt sich über industrielle Esswaren ohne Charakter aus und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Für ihn steht die Qualität des Essens ganz weit oben auf der Rangliste und er wolle wissen, woher ein Produkt komme. Waren ohne Eigenschaften würden ihn langweilen. Dasselbe gilt für Weine.
Wenn Mike Müller, Schauspieler und Fernsehmann, im Restaurant LaSalle in seiner gedrungenen Haltung am Tisch sitzt, bleibt er natürlich nicht unbemerkt. Rundherum stecken die Restaurant-Gäste die Köpfe zusammen und tuscheln. Nicht erst die Satiresendung «Giacobbo/Müller» hat ihn bekannt gemacht: Er war in Filmen wie «Mein Name ist Eugen», «Undercover» und «Strähl» zu sehen, ist in unzähligen Stücken auf Theaterbühnen gestanden und hat als Hanspeter Burri brillant komische Fachvorträge mit Sprachfehler vorgetragen. Den schweizweiten Durchbruch hat ihm indessen die sonntagabendliche Sendung mit Viktor Giacobbo gebracht.
Mit Charakter
Ebenso wie die Sendung sein Ansehen gesteigert hat, scheint sie ihn aber auch vorsichtig zu machen - an die Privatperson Mike Müller ist kaum heranzukommen. Nicht, dass er schweigt, wenn ihm Fragen gestellt werden – im Gegenteil: Er spricht gerne und viel. Persönlichen Fragen jedoch weicht er zielsicher aus, an die mit Ködern versehenen Angelhaken hängt er geschickt Antworten, die wenig von seinen privaten Ansichten verraten. In einer Zeit, in der Prominente und Millionen weiterer Mitteilungsbedürftiger im Minutentakt ihren Senf zum Leben geben, mag dies ungewohnt wirken. Aber gerade deshalb erfrischt es auch.
Müllers Vorsicht beginnt bei der Wahl des Weins. «Ich kann keinen Wein nennen. Gehen wir doch einfach ins Josef und nehmen einen halben Irgendwas», schreibt Müller per E-Mail auf die Interviewanfrage. Beim halben Irgendwas bleibt es dann glücklicherweise nicht: Müller wählt einen Icario 2006, ein Vino Nobile di Montepulciano. Ein Wein so widerspenstig wie der Schauspieler selbst: ein kräftiger, gerbstoffreicher Tropfen, der sich dem Geniesser nicht sofort erschliesst. «Ich mag Weine, die man nicht schon beim ersten Schluck begriffen hat», sagt Müller. Weine aus der neuen Welt kaufe er deshalb nicht. «Ich mag charaktervolle Weine von guten Winzern, möglichst aus autochthonen Trauben.»
Charaktervolles mag Müller auch in seinem Beruf. «Am Theater reizt mich die Zusammenarbeit mit interessanten Leuten, die Spielideen entwickeln und aktuelle Themen auch in Frage stellen», verdeutlicht Müller. Besonders möge er den Druck vor den Premieren, verrät er, da müsse man seinen Mann stehen. Ob er denn lieber ernste Stücke spiele oder als Komiker auf der Bühne stehe? «Der Unterschied ist nicht so gross, auch bei ernsten Stücken spielt das richtige Timing eine Rolle», sagt Müller.
Essen statt Politik
Der Schauspieler, der früher auch in Deutschland als Mitglied des freien Theaters als Co-Autor und Co-Produzent tätig war, trennt seinen Job jedoch strikt vom Persönlichen. Das gelte besonders fürs Fernsehen. «Die Leute würden es nicht goutieren, wenn ich mich selbst zu wichtig nähme», sagt Müller. Und eine Sendung sei nicht dazu da, die eigene Befindlichkeit öffentlich zu machen. Dennoch ist laut Müller eine politische Haltung unabdingbar, um der Sendung den nötigen Drall zu versetzen. Auf diese eingehen will er indessen nicht. Er sei auch Privatperson, die niemanden interessiere. Was nicht heisst, dass er keine Meinung hätte. Beim Thema Schweizer Filmszene zum Beispiel wird er deutlich: «Da gibt es zu viele falsche Leute, die mitreden.»
Lieber aber spricht er über seine Leidenschaft für gutes Essen und Trinken. «Von einem Risotto, der mit Liebe zubereitet ist, kann ich einen ganzen Teller essen, ohne dass mir langweilig wird.» Auch schon früher, als er wenig Geld hatte, seien für ihn qualitativ hochwertige Produkte wichtig gewesen. Obwohl er es sich heute leisten könnte und trotz seiner Liebe zum Wein, besitzt er indessen keinen grossen Weinkeller. «Maximal sechzig Flaschen», so Müller. Er habe weder den Willen zur Systematik noch die Musse, sich ins Thema zu vertiefen. Müller: «Ein grosser Weinkeller würde mich überfordern.» Er verlasse sich lieber auf Profis, die etwas davon verstehen. Sagts, setzt seine Mütze auf und ist ebenso zielstrebig verschwunden, wie er zu Beginn aufgetaucht ist.
Mike Müller steht derzeit zusammen mit Viktor Giacobbo und Patrick Frey im Stück «Erfolg als Chance» auf der Bühne. Spielorte und –zeiten: www.mike-mueller.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 15:11 Uhr
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2 Kommentare
Ja, wenn man aus Uebersee offenbar nur Mondavi-Weine kennt, dann ja. Es zeugt aber von etwas beengter Sicht, wenn man sich nur dem Mainstream, d.h. italienische weine (möglichst südlich von Bologna geerntet). verschreibt. Nichts dagegen, aber lieber Hr. Müller - die Vietnamesen können nichts dafür, dass wir ihren Fisch in mikrowellenkompatible Tiefgefrieschalen pressen, oder? Antworten



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