Glückssache: Wein entkorken ohne Korkenzieher
Von Jan Graber. Aktualisiert am 25.03.2010 23 Kommentare
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Um einer Weinflasche den Kopf abzuschlagen gibt es viele Methoden, – besonders im Internet lassen sich ein paar eindrückliche Beschreibungen dazu finden. Der Gewaltakt ist ja auch zu verführerisch: Man befindet sich zum Beispiel auf einer Wanderung, hat als Belohnung eine Flasche Wein eingepackt, sie durch Berg und Tal geschleppt und will sie angesichts einer fantastischen Aussicht geniessen. Aber, oh je, vergessen gegangen sind der Korkenzieher sowie das Taschenmesser mit integriertem Flaschenöffner.
Zugegeben, die Situation ist weit hergeholt – kein Weingeniesser würde je einen Zapfenzieher vergessen, geschweige denn ein Wanderer sich ohne Sackmesser auf die Socken machen. Und nur die Irrsten würden aus einem zerbrochenen Flaschenhals Wein in den Rachen schütten – denn die Gläser sind aus praktischen Gründen ja ebenfalls zu Hause geblieben. Nehmen wir dennoch an, man müsste einen Weg finden, um an den wohlverdienten Saft zu kommen. Besonders im Internet lassen sich dazu abenteuerliche Methoden entdecken. Viele klingen sogar plausibel.
Doch die meisten bedienen sich einem Halbwissen über Physik: sei es, dass erwärmte Luft innerhalb der Flasche den Korken rausdrücken soll, physische Schläge auf den Flaschenboden selbigen aus dem Hals treiben oder mit Druck in die andere Richtung der Korken in den Hals hineingedrückt wird – gearbeitet wird mit Ausdehnung, Trägheit, Zug- und Druckkraft. Die meisten Teilnehmer, die sich in den Online-Foren austauschen, haben die von ihnen beschriebenen Methoden wohl nie selbst ausprobiert. Sonst wüssten sie, dass einige Operationen vergebene Liebesmüh bedeuten.
Rein statt raus: Methode Druck
Die einleuchtendste Lösung, einen Zapfen aus dem Hals zu bringen, ist ihn in die Flasche zu drücken. Nur Supermänner und -frauen, die im Stand sind, Telefonbücher zu zerreissen, dürften es allerdings schaffen, ihn mit reiner Muskelkraft reinzudrücken. Wir bedienen uns einer anderen Methode: Ein nicht zu grosser Schraubenzieher wird verkehrt auf den Korken gehalten, mit Hammerschlägen auf die Spitze treibt man den Zapfen in den Hals. Schon nach wenigen Schlägen spritzt der Wein aus der Flasche. Beim Einschenken kommt zunächst zwar nur ein Rinnsal, aber plötzlich schiesst der Zapfen, der leichter als Wein ist, nach oben und der Saft gurgelt als fetter Strahl ins Glas. Fazit: Die Druckmethode funktioniert einwandfrei, sofern dafür die nötigen Hilfsmittel vorhanden sind. Mit einer Sauerei ist jedoch zu rechnen.
Sicher: Methode Schrauben
Okay, die wenigsten Menschen haben eine dicke Schraube, einen Schraubenzieher und eine Flachzange dabei, wenn sie unterwegs eine Flasche Wein öffnen wollen. Doch die Methode funktioniert am besten: Eine genügend grosse Schraube soweit in den Korken drehen, das die Zange bequem zwischen Korken und Schraubenkopf angesetzt werden kann. Wer den Zapfen mit einer Kneifzange rausziehen möchte, braucht Kraft. Besser geht es mit einer Flachzange, die am Flaschenhals Halt findet: Mit Hebelkraft wird der Zapfen Stück um Stück rausgeschoben, am Ende zieht man ihn mit einem festen Griff um die ganze Zange raus. Fazit: Die tauglichste und sauberste Methode, an den begehrten Saft zu kommen.
Heisse Luft: Methode Hitze
Ins Land der Legenden gehört die Lösung aus Grossmutters Rezeptbuch: Sie besagt, den Flaschenhals solange mit der Hand zu erwärmen, bis sich der Korken wegen der erwärmten, sich ausdehnenden Luft magisch aus dem Hals schiebt. Wer dies versucht, wird Stunden später noch den Flaschenhals umklammern und entgeistert auf den unverrückten Zapfen starren. Dasselbe blüht auch demjenigen, der dem Entkorken Feuer unterm Hintern machen will und ein Feuerzeug oder andere offene Flammen unter den Hals hält. Der Hals wird warm, schwarz – und bleibt zu. Auch das Erwärmen der ganzen Flasche in einem heissen Wasserbad bringt nichts, selbst den Wein zu kochen – wie versucht – hat nur zur Folge, dass sich Luft und Wein zwischen dem Korken und Flaschenwand herausdrücken. Der Zapfen jedoch bewegt sich keinen Millimeter. Fazit: Das Feuer besser fürs Braten einer Cervelat benutzen.
Mit Zusatz: Methode Zerkrümeln
Mit einem spitzen Gegenstand lässt sich ein Korken – sofern es sich nicht um einen Plastikzapfen handelt – Stück um Stück zerkrümeln. Sobald ein Loch entstanden ist, kann der Wein eingeschenkt werden. Das letzte Stück des Korks lässt sich dann einfach reindrücken oder mit etwas Geschick heraus pulen. So oder so: Im Wein schwimmen unzählige Korkstücke, ums Filtern des Tropfens kommt der Weinliebhaber nicht, sofern er den ungetrübten Genuss sucht. Fazit: Eine gute Methode für alle, denen Korkkrümel im Wein egal sind.
Kopflos: Methode Guillotine
Sie gehört zur brutalsten Lösung – das Abschlagen des Kopfs. Im Internet lassen dazu ein paar Tipps finden: So soll der Hals zum Beispiel mit einem Stein vorher eingeritzt werden, so dass es eine saubere Bruchkante gibt. Gesagt, getan – und gescheitert: Das Einritzen nützt nichts, ein Schlag mit dem Hammer auf den Hals trennt diesen zwar von der Flasche, mit ihm aber auch ein paar Tausend Glasscherben, die im Wein landen könnten. Der Wein müsste mit einem feinsten Sieb gefiltert werden, um ihn sicher und geniessbar zu machen. Wir verzichten lieber darauf. Fazit: Die Flasche lässt sich mit dieser Methode theoretisch zwar ohne Hilfsmittel öffnen, empfiehlt sich aber nur für suizidal Veranlagte.
Glücksache: Methode Klopfen
Unvergesslich, wie in einem Online-Video ein Franzose mit Hilfe eines Schuhs den Zapfen aus dem Hals klopft, indem er den im Schuh steckenden Flaschenboden gegen eine Wand schlägt. Ein Versuch derselben Methode hat allerdings nicht zum Erfolg geführt: Auch mit unterschiedlichen Mitteln liess sich der Zapfen keinen Mikrometer bewegen – ebenso gut hätten wir den Korken anblasen können. Die Vermutung: Diese Methode klappt wohl nur mit Plastikzapfen oder Korken, die nicht fest im Hals sitzen. Fazit: Die Klopfmethode ist Glücksache und birgt die Gefahr des Flaschenbruchs. Und dann spritzt wohl was anderes. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.03.2010, 17:27 Uhr










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