Wein

Portweine – die geistreiche Versüssung der Festtage

Portwein ist der perfekte Abschluss eines Weihnachtsmahls. Das britische Nationalgetränk verdankt seine Existenz jedoch dem Krieg.

1/7 Süsser Biss
Süsse kombiniert mit Kraft: Portweine sind der krönende Abschluss eines Mahls. Die guten Portweine der besten Hersteller können mehrere hundert Franken kosten.

   
Portweine stammen aus dem Douro-Tal im Norden Portugals. Damit die Reben Halt finden, mussten die steilen Hänge terrassiert werden, was der Landschaft ihr typisches Aussehen verleiht. Das Anbaugebiet, aus dem Portweine stammen dürfen, ist streng reglementiert.

Portweine stammen aus dem Douro-Tal im Norden Portugals. Damit die Reben Halt finden, mussten die steilen Hänge terrassiert werden, was der Landschaft ihr typisches Aussehen verleiht. Das Anbaugebiet, aus dem Portweine stammen dürfen, ist streng reglementiert.

Es könnte eine Weihnachtsgeschichte sein und wie fast jede gute Geschichte beginnt sie mit «Es war einmal»: Es waren einmal die Briten, die sich mit ihren Halbbrüdern auf der anderen Seite des Kanals, den Franzosen, nicht mehr verstanden. Weil sie im dauernden Zwist lagen, fand auch das schönste Gut der Franzosen, ihr Wein, seinen Weg nicht mehr auf die Insel. Die Briten drohten auf dem Trockenen sitzen zu bleiben – für die Inselbewohner ein unvorstellbarer Gedanke. Also schickten sie ihre mutigsten Händler auf die Reise; sie sollten einen Ersatz finden. Zum Glück hatten die Briten gute Verbündete: die Portugiesen.

Zwar waren die Portugiesen damals nicht gerade für ihre Weine berühmt; ob den sauren Säften aus dem Land im Süden rümpfte so mancher Engländer seine Nase. Die Händler, die ihr Geschäft verstanden, liessen jedoch nicht locker. Ihre Reise brachte sie in ein Tal im Norden des Landes, wo sie selbst mit dem Weinanbau begannen. Der Fluss, der das Tal geschaffen hatte, hiess Douro und je weiter sie ihm folgten, umso intensiver wurden die produzierten Weine. Aber je höher sie stiegen, umso steiler wurden auch die Ufer und sie mussten Terrassen in die Hänge schlagen, damit die Weinreben Halt darauf fanden. Die Qualität der Weine war die mühselige Arbeit jedoch Wert.

Geistreich

Doch die Händler hatten ein Problem: Wie konnten sie das kostbare Gut nach Hause bringen, ohne dass es während der Schiffreise ungeniessbar wurde? Geistreich, wie sie waren, kamen sie auf eine bestechende Idee: Sie versetzten den Wein mit Branntwein – einem Destillat mit hohem Alkoholgehalt. So sollte der Wein für die Reise stabilisiert werden, ein paar Jahrhunderte später würde man diese Methode «aufspriten» nennen. So präpariert konnte das Gut endlich auf die Reise gehen. Weil die Ladung jeweils in der Hafenstadt Porto zwischengelagert und von da verschifft wurde, erhielt das neuartige Produkt auch gleich seinen Namen – Portwein.

Doch welche Enttäuschung erwartet die Händler in der Heimat! Die zuhause Gebliebenen waren von den Weinen ent- statt begeistert – zu ungeschliffen und scharf im Geschmack waren ihnen die alkoholstärken Säfte. Statt sich auf ihren Lorbeeren ausruhen zu können, wurden die Händler wieder in die Ferne geschickt: Sie sollten gefälligst mit einem geniessbareren Getränk zurückkehren.

Dummheit oder göttliche Eingebung

Zum Glück befand sich in ihren Reihen auch der Sohn eines Händlers aus Liverpool. Auf seiner Reise kam der junge Mann ins Dörfchen Lamego und lernte den Abt des nahegelegenen Klosters kennen. Der Abt gab den Branntwein statt am Ende des Gärungsprozesses jeweils schon während der Vergärung hinzu – ob aus Dummheit oder göttlicher Eingebung sei dahingestellt. Der Sprit tötete die Hefe im Gebräu ab, was im Nu die Vergärung stoppte. Weil somit nur etwa die Hälfte des Traubenzuckers in Alkohol umgewandelt wurde, behielt das Getränk eine starke Restsüsse.

Der Rest ist Geschichte: Der neue, süsse Portwein wurden von den Briten begeistert aufgenommen und (neben Bier und zahlreichen weiteren geistigen Säften) umgehend zum Nationalgetränk erklärt. Und endlich konnten waren die Händler zuhause wieder willkommen und konnten mit ihren geliebten Familien Weihnachten feiern.

Gut zu Fuss

Natürlich fand die Geschichte damit nur ihren Anfang. Heute werden Portweine aus bis zu 80 verschiedene Traubensorten hergestellt. Obwohl das Grundprinzip der Herstellung das gleiche ist, wurden die Methoden verfeinert. Mittlerweile sind mechanische Verarbeitungsmethoden etabliert, besonders in kleineren Quintas (Weingütern) kommen die Trauben aber nach der Lesung noch immer in grosse Steinbottiche, so genannte Lagares, wo sie von den Arbeitern mit blossen Füssen vermanscht werden. So werden nur die Traubenschalen, nicht aber die bitteren Traubenkerne geknackt. Unterdessen sind auch einige grössere Produzenten zur Fussarbeit zurückgekehrt.

Anders als bei den normalen Rot- und Weissweinen, entscheiden Geschmack und Herstellungskriterien über die Klassierung von Portweinen. Einfache, fruchtige und leichte Ports werden als «Ruby» bezeichnet. Sie sind günstig und am wenigsten lange haltbar. Auf die «Rubys» folgen die «Tawnys». Obwohl es auch bei «Tawny»-Ports viel Durchschnitt gibt, sind vor allem bei «Aged Tawnys» gute Tropfen zu finden. Sie sind während sechs oder mehr Jahren im Fass gelegen und haben eine bräunliche Farbe angenommen (tawny bedeutet im Englischen gelbbraun).

Die Könige der Portweine

«Colheita» heissen Portweine, die im Grunde «Tawny»-Ports sind, deren Trauben aber nur aus einem Jahr stammen. «Colheitas» müssen mindestens sieben Jahre im Fass gereift haben – die meisten liegen aber während Jahrzehnten darin. Diese Portweine sind edel und heikel in der Herstellung; nur wenige Quintas verstehen sich auf ihre Produktion. Die Könige der Portweine sind sogenannte «Vintage» Ports. «Vintage»-Portweine bestehen aus dem Traubengut eines bestimmten, gelungenen Jahrgangs – nur die Trauben aus den besten Lagen finden den Weg in eine «Vintage»-Flasche. Wie bei den «Colheitas» können bestimmte alte «Vintage»-Jahrgänge mehrere hundert Franken aus dem Portemonnaie zupfen.

Nicht zuletzt wegen ihrer Exklusivität sind Portweine passende Getränke, um auf Feste wie Weihnachten anzustossen. Besonders märchenhaft wird der Genuss, wenn das Getränk wie bei den Briten zusammen mit Stiltonkäse und Waterbiscuits genossen wird. Der süsse Geschmack, die intensiven Aromen, das wohlig warme Gefühl beim Trinken und natürlich der Alkoholgehalt von 19 bis 22 Volumenprozent sind Zutaten, die bei Geniessern die Glöcklein süsser nie klingelingelingen lassen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2009, 12:41 Uhr

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