Tierischer Schmerz: Keine Hilfe gegen den Kater

Von Jan Graber. Aktualisiert am 31.12.2009 6 Kommentare

Mittel gegen den Kater gibt fast es so viele wie Kulturen. Aber welches hilft wirklich? Ein Selbstversuch.

Keine berauschende Aussicht: Gegen einen ausgewachsenen Kater ist (fast) kein Mittel gewachsen.

Adriana Bella/sfa-ispa.ch

Man wünscht sich ja nur noch Dunkelheit. Oder einen temporären Tod, bis es vorbei ist. Kein Erbarmen, der Kater schlägt gnadenlos seine Krallen in die Schädeldecke, gleich hinter der Schläfe über dem Auge. Und zusammen mit der Helligkeit des Tages, die sich durch die Jalousien zwingt, geht auch mir ein Licht auf: Das letzte Glas Rum war zu viel.

Das Protokoll des Verderbens: Zu Beginn ein Pinot Gris von Schwarzenbach, eine wunderbarer Weisser. Da dürfen es auch zwei Gläser sein. Zum Essen Rotwein, Châteauneuf-du-Pape, eine halbe Flasche - man will ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Daraufhin der Digestif, ein Planter's Gold Pyrat – mit jedem Schluck wird das Gespräch angeregter, die Gedanken feuriger. Dazu eine Zigarre, die den Raum ebenso vernebelt wie den Geist. Fröhlich feiernd werden nur die besten Säfte ihrer Bestimmung zugeführt – dem reinen, hedonistischen Genuss. Schluck für Schluck ein perfekter Abgang.

Was für den Geist ein Abgang, ist für den Körper indessen ein Auftakt zum Kampf gegen die Vergiftung. Wie wenig kümmert es den Magen, welch hochwertigen Flüssigkeiten in ihn geschüttet werden! Was bedeuten dem Verdauungssystem schon Genuss, Wohlempfinden und Freude? Nichts, ausser Schwerstarbeit und zermürbenden Kampf gegen das Übel – die Dehydrierung und den Überschuss an giftigem Acetaldehyd, was letztlich zur Verengung der Gefässe und dem berühmten Katerkopfweh führt. Der Alkohol entzündet zudem die Magenschleimwände, die schleichende Vergiftung führt zu Übelkeit (siehe auch Artikel «Wein nach Bier»).

Die Todsünden

Mit dem Beachten einiger weniger Grundregeln hätte der Kater mindestens gelindert werden können. Zum Beispiel mit dem Verzicht auf die Zigarre: Jeder Zug am dicken Riegel verlangt geradezu nach einem Schluck des Hochprozentigen. Man raucht, trinkt, bestellt das nächste Glas. Oder mit dem Trinken von viel Wasser: Wer zwischen dem Nippen am Alkohol immer wieder einen Schluck Wasser nimmt, entzieht nicht nur der Dehydrierung den Boden, sondern trinkt letztlich auch weniger Alkohol. Und ganz ausgeblieben wäre der Kater natürlich beim totalen Verzicht auf das Feuerwasser. Aber wer will das schon hören?

Nun sitzt der Kater fett auf der Matte und will nicht verschwinden. Ein Blick ins Internet, Gratis-Tipps gibt es dort ja im Dutzend. Wo ihn die Russen mit Olivenöl oder Gurkenwasser bekämpfen, verdrücken die Norddeutschen Heringe. Die Irländer würgen ein vollwertiges Frühstück mit Speck, Würsten und Eiern (Ulster Fry) herunter und in Südamerika rückt man dem Kater mit einer Chorizo zu Leibe. Die US-Amerikaner versuchen sich an einem verbrannten Toast und die Briten – wie könnte es anders sein? - fahren dort fort, wo sie aufgehört haben: mit Alkohol.

Selbst bei den Ägyptern und Römern finden sich Klagen über das persönliche Pandämonium nach dem übermässigen Alkoholkonsum. Und auch sie dürften unter diesen Symptomen gelitten haben: Durst, trockener Mund, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Konzentrationsstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Schweissneigung, Magen- und Muskelschmerzen, depressive Verstimmung, Reizbarkeit, schneller Pulsschlag, Händezittern (Tremor), Durchfall, gerötete und trockene Augen. Eine Liste des Grauens – zum Glück leiden die meisten Menschen nur unter einer Auswahl der Qualen. Frauen übrigens seltener als Männer: Zwar leidet das weibliche Geschlecht bei der gleichen Menge Alkohol mehr als der Mann – das starke Geschlecht wird bei Alkohol aber viel öfter schwach und trinkt deshalb weiter über das Mass hinaus, als die Frau.

Dies zu wissen lindert den Schmerz indessen nicht. Ebenso wenig folgende Selbstversuche: Kaffee mit Zitrone – die Kopfschmerzen bleiben, und nun ist es einem erst richtig schlecht; Fruchtsäfte – sie erfrischen, eine Linderung bleibt aus; die Hühnerbouillon gibt ein wohlig warmes Gefühl im Bauch, Effekt gegen den Kater aber gleich Null; ein Apfel gegen das Unwohlsein – eine Mär. Die Theorie hinter den Tipps: Da der Mineralsalzhaushalt des Körpers aus den Fugen ist, kann er mit Früchten und salzigen Speisen wieder ins Lot gebracht werden.

Genesis

Die Wissenschaft jedoch widerspricht: Bisher konnte bei keiner der oben erwähnten Methoden eine helfende Wirkung festgestellt werden. Dafür haben Wissenschaftler das sogenannte Hangover-Gen entdeckt. Bei Versuchen mit betrunkenen Fruchtfliegen konnte ein Gen eruiert werden, das eine Rolle bei der Alkoholtoleranz spielt. Besitzer dieses Gens vertragen mehr Alkohol und erleiden weniger schnell einen Kater. Laut den Wissenschaftlern besteht bei ihnen jedoch auch eine grössere Disposition zur Alkoholsucht.

Gen hin, Regenerierung her. Da die im Internet gefunden Gratisrezepte gegen den Kater nichts wert sind, greife ich auf bewährte Mittel zurück: Trinken von viel Wasser, eine Schmerztablette gegen das Hämmern im Kopf, ein Spaziergang an der frischen Luft, viel Geduld und den Vorsatz, das nächste Mal massvoller zu trinken. Aber es soll auch Menschen geben, die an den Weihnachtsmann glauben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.12.2009, 10:44 Uhr

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6 Kommentare

S. Haeller

31.12.2009, 14:42 Uhr
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Ein Schüsslersalzdrink aus den Mitten Kalium Chloratum Nr. 4, Natrium Chloratum Nr 8 und Natrium Sulfuricum Nr 10 wirkt Wunder! - Je 10 Pastillen in 1 Glas lauwarmen Wasser auflösen und trinken, nach Bedarf wiederholen. Prosit Neujahr! Antworten


Heidi Meier

31.12.2009, 14:29 Uhr
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Ich weiss ein Mittel, dass nichts kostet und 100% funktioniert. Interessiert? Gute fröhliche Stimmung gibt es noch kostenlos dazu. Einfach nur 1-2 Gläser Wein zum Anstossen, bei Einladungen nicht austrinken, viel Wasser und Säfte trinke, feine verschiedene Kaffees und Tees ausprobieren ohne % Zuschuss und schon läuft die Party rund. Ganz ohne % gibts auch keine Busse. Antworten



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