Wein-Tipps für Laien
Von Jan Graber. Aktualisiert am 18.03.2010 14 Kommentare
Der Koch und sein Sommelier: Matt Skinner (links im Bild), der Weinguru des britischen Starkochs Jamie Oliver, hat mit «Wine - Just A Drink» ein Buch für Einsteiger veröffentlicht, denen das elitäre Besserwissertum der Weinwelt zuwider ist und die Wein lieber geniessen, als damit zu prahlen. In witziger Sprache erklärt Skinner die Grundlagen der Weinwelt, spricht über Düfte, Aromen, Rebsorten und Weinregionen und gibt grundlegende Tipps - zum Beispiel jenen, wie sich ein Weinglas schwenken lässt, ohne dass sich der Glasinhalt über die Umgebung verteilt.
Dossiers
Ein Regal voller Weine. Dutzende, nein, hunderte von Flaschen. Sortiert nach Regionen und Preisen – die teuersten zuoberst, die billigsten zuunterst. Davor: Der Neuling, bereit zum Eintritt in die Welt der Weine. Und überfordert wie ein Esel vor dem Berg, verloren in der Flut stylischer Etiketten und hochtrabenden Namen, so fremd wie die Krater des Mondes. Wie, in aller Welt, soll sich ein Anfänger in Sachen Wein zurecht finden? Die meisten tun es nicht, kehren dem Regal den Rücken und schlagen den Weg zum Biersortiment ein.
Das müsste nicht sein, denn mit ein paar einfachen Regeln können selbst blutige Anfänger Weine finden, die ihnen wahrscheinlich munden werden. Der wohl wichtigste Tipp heisst «Neue Welt». Weine aus Australien, Chile oder Argentinien stossen bei Einsteigern meisten auf mehr Gegenliebe, als die edlen Gewächse aus dem Burgund und dem Bordeaux. Weine aus Übersee sind nicht nur günstiger im Preis, sondern weisen oft auch einen leicht süsslichen Geschmack auf, der vor allem Neulingen gefällt.
Hände weg vom teuren Bordeaux
Wer selten oder noch nie Wein getrunken hat, dürfte mit den Tropfen aus den berühmtesten Weinregionen, dem Bordeaux und dem Burgund, hingegen Mühe bekunden. Bordeaux und Burgunder geniessen ihren guten Ruf nicht zuletzt wegen Weinexperten, denen die Alltagsweine verleidet sind und die auf der Suche nach Herausforderungen sind – nach Weinen, die nicht jedermann gefallen. Schon gar nicht den belächelten Einsteigern.
Hingegen sollte der Einsteiger aufs Land achten. Marc Landolt, Boss von Landolt Weine, empfiehlt: «Weine aus der Region passen in der Regel zum Essen aus derselben Region». Die säurebetonten italienischen Tropfen ergänzen sich mit Pasta-Gerichten, Pizzen und anderen italienischen Genüssen. Zu einer Presspoularde und Schnecken passe hingegen der vielfältige Burgunder besser. Auch der Weinberater Felix Christen empfiehlt zuvorderst chilenische und australische Säfte, sieht aber auch bei Süditalienern aus Apulien und Sizilien gute Chancen, dass sie Neulingen schmecken könnten. Auch Argentinier seien bei Einsteigern oft beliebt, weiss Christen.
Einen überraschenden Tipp hat zudem Landolt auf Lager: Er empfiehlt, Weine aus einem Land zu wählen, gegenüber dem ein Konsument eine positive Einstellung hat. Denn das subjektive Empfinden gegenüber dem Land spiele bei der Wahrnehmung der Aromen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Landolt: «Wenn ich Italien liebe, habe ich gegenüber italienischen Weinen eine positivere Einstellung als einem Land gegenüber, das mir unsympathisch ist». Umgekehrt bedeutet dies, dass Säfte aus einer mit Skepsis wahrgenommenen Region eher auf Ablehnung stossen.
Keine zu billigen Weine
Einsteiger sind oft dazu verführt, für einen Wein möglichst wenig Geld auszugeben, was sich als Fehler herausstellen kann: Es gibt zwar trinkbare Tropfen für unter zehn Franken, einen guten zu finden, ist jedoch Glücksache. «Ab zwanzig Franken steigt die Chance enorm, dass ein Wein gut ist», sagt Landolt. Und Christen ergänzt: «Heute gibt es fast keine fehlerhaften Weine mehr. Ab zehn Franken wird es spannend und für 15 bis 30 Franken findet man bereits Topweine.» Landolt warnt zudem zu Vorsicht bei allzu cool gestylten Etiketten: «Hier würde ich kritisch werden.» Diese Weine versuchen Qualitätsmängel oft mit fantasievollem Design zu kompensieren.
Landolt empfiehlt weiterhin, von einem zuvor noch nicht getrunkenen Wein jeweils nur eine Flasche zu kaufen. «Der Mensch ist ein neugieriges Wesen, das sollte er sich zunutze machen», sagt der Weinhändler. Er empfiehlt in einem Kreis von Freunden auch unterschiedliche Flaschen aufzutischen und auszuprobieren, was gefällt. Christen sieht dies anders und empfiehlt, mehrere Flaschen zu kaufen: «Weine, die einem nicht schmecken, können dem Grossverteiler oder Weinhändler zurückgebracht werden. Habe ich mehrere Flaschen von einem Wein, der mir gefällt, riskiere ich hingegen nicht, dass es ihn beim nächsten Mal nicht mehr gibt.»
Für viele kommt der Eintritt in ein Ladenlokal, in dem sich vermeintlich nur Weinprofis aufhalten, dem Schritt in den Olymp der Götter gleich – es erfüllt sie mit Ehrfurcht. Wo Grosshändler mehr Anonymität bieten und es dem Kunden leichter machen, so lange wie gewünscht die Etiketten zu studieren, kann der Fachhändler hingegen auf die Wünsche der Interessierten direkt eingehen. Zwei Fragen sollte der Einsteiger beantworten können: Wie viel Geld er maximal liegen lassen will und ob der Tropfen zu einem bestimmten Essen passen soll.
Kurzum: Einsteiger kommen nicht drum herum, mit dem ersten Schritt in die unbekannte Welt ein kleines Wagnis einzugehen. Tun sie es, werden sie aber schnell feststellen, dass sie in eine faszinierende Domäne eintauchen, die sie fesseln und mit wertvollen Erlebnissen belohnen wird. Und bald schon stehen sie vor dem Weinregal mit den hunderten Flaschen und lassen sich davon nicht abschrecken sondern sehen darin ein weites Feld für spannende Erkundungen und Entdeckungen. Und zum Trost für alle Neulingen: Auch Weinliebhaber, die eine Ahnung von Wein haben, stehen manchmal überfordert vor den Weinregalen und kratzen sich verwundert am Kopf. Nur lassen sie sich von der Überforderung nicht abschrecken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 15:15 Uhr














Gelangen Sie hier direkt zu einer älteren Publireportage der Weinrubrik:






