Leben

Baukosten optimieren ist die halbe Miete

Von Jürg Zulliger. Aktualisiert am 04.05.2009 6 Kommentare

Solange die Wirtschaft boomte, spielte die Kostenfrage beim Bau keine Rolle. Überlegungen zeigen aber, dass ein günstiges Haus kein Luftschloss sein muss.

Günstig bauen dank Element-Bauweise: Fertighaus «Astra».

Günstig bauen dank Element-Bauweise: Fertighaus «Astra».

Böse Geschichten zum Thema Mehrkosten beim Bau gibt es viele. Etwa die vom unerfahrenen Architekten, der ein Eigenheim aus hundert Prozent rezyklierbarem Material bauen wollte. Was bautechnisch als «Europapremiere» gefeiert wurde, entpuppte sich als Fass ohne Boden: Das Projekt wurde mehr als doppelt so teuer wie geplant. Viele Leute reagieren heute auch deshalb sensibler auf das Thema, weil die Baukosten in den letzten Jahren in Zürich schneller gestiegen sind als die allgemeine Teuerung (siehe Grafik). Der starke Anstieg hat mit der guten Baukonjunktur, aber auch mit einem Nachholbedarf bei den Löhnen, Material- und Rohstoffkosten zu tun.

Wer wirklich sparen will, muss von Anfang an die Schlussrechnung im Auge haben. Der Architekt und Immobilienberater Samuel Gerber hält dazu fest: «Es kommt darauf an, klare Ziele zu vereinbaren und fähige Fachleute auszuwählen.» Etwa indem man eine Obergrenze an Baukosten bereits im ersten Pflichtenheft zuhanden des Architekten festhält. Professionelle Bauherren geben oft eine Richtschnur vor, indem sie den Quadratmeterpreis pro Wohnfläche im Voraus festlegen: Im Mehrfamilienhausbau gelten zum Beispiel rund 3000 Franken pro Quadratmeter Hauptnutzfläche (HNF) als Benchmark für preisgünstiges Bauen; bei Einfamilienhäusern liegen diese Werte etwas höher und schwanken je nach Ausbaustandard stark. Auch Kubikmeterpreise bieten Orientierung: Ein für Kostenfragen sensibilisierter Architekt sollte ein Einfamilienhaus eigentlich zu einem Preis von etwa 550 bis 600 Franken pro Kubikmeter realisieren können.

Industrielle Methoden

Wenn aber stattdessen zu teuer und aufwändig gebaut wird, hat das oft mit Prestigedenken zu tun. «Viele Leute begehen den Fehler», so Samuel Gerber, «dass sie um jeden Preis ein Haus wollen, das sonst keiner hat.» Schon allein die Ansprüche an eine normale Haustür seien «unglaublich» - teilweise mit diagonalen Gläsern und Öffnungen, dann mal mit rundem, eckigem oder ovalem Glas. Ohne eine gute Portion Selbstdisziplin geht es nach Gerbers Erfahrung nicht. Als Todsünde gilt vor allem, die Idealvorstellung des Eigenheims mitten im Planungs- und Bauprozess immer wieder zu ändern. «Selbst so etwas Triviales wie eine Bestellungsänderung bei den Griffen der Küchenmöbel kann unverhältnismässig teuer werden», weiss Gerber. Die Devise muss also lauten: Beim einmal Geplanten bleiben.

Wer in diese Richtung weiter denkt, kommt unweigerlich zur Idee des Fertighauses. Anstatt immer wieder Prototypen mit all ihren Kinderkrankheiten zu realisieren, entwickelt man bestimmte Haustypen. Der Kostenvorteil liegt vor allem im hohen Grad der Vorfertigung und in grösseren Stückzahlen; viele Details und Prozesse werden unzählige Male durchgeführt und optimiert. Dank Vorfertigung kann ein Fertighaus im Rohbau an einem einzigen Tag aufgestellt werden. Im Idealfall ist ein Fertighaus einen Monat nach der Baubewilligung bezugsbereit.

Seriösität prüfen

In der Schweiz haben solche Bauten durchaus einen guten Ruf, vor allem im Bereich des Holzsystembaus von Firmen wie Renggli oder Marty. Wohnhäuser aus vorgefertigten Holzelementen eignen sich hervorragend für das Anbringen einer guten Wärmedämmung. Viele davon sind Pioniere im Bereich der Niedrigenergie- und Minergiehäuser. Aus Deutschland importierte Fertighäuser sind teilweise schon ab 250'000 Franken erhältlich - allerdings sind in der Regel Land- und Erschliessungskosten oder auch eine Unterkellerung nicht inbegriffen.

Schliesslich muss der Bauherr oder die Wohnungskäuferin vorgängig die Seriösität seines Baupartners sorgfältig prüfen und auf einen klaren und ausführlichen Leistungskatalog achten. Wer sich an diese Maximen hält und der vernünftig gestellten Aufgabe mehr Gewicht beimisst als dem skurrilen Erscheinungsbild, wird zu einem erschwinglichen Preis zu den eigenen vier Wänden kommen. Um es mit Le Corbusier zu sagen: Grosse Kunst gebraucht einfache Mittel. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.05.2009, 08:41 Uhr

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6 Kommentare

Thomas Metzler

24.03.2009, 07:31 Uhr
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Das Zitat Le Corbusiers; "grosse Kunst gebraucht einfache Mittel", steht in scharfem Kontrast zum publizierten Bild des "Astra" Hauses - dieses mag wohl billig sein hat aber nicht das geringste mit Baukunst oder qualitätsvoller Architektur zu tun. Ein Fertighaus ist ausserdem nicht günstiger als ein intelligent geplantes und vorfabriziertes Architektenhaus. Antworten


Stefan Mischler

24.03.2009, 07:54 Uhr
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Greift da die "Lidlomani" beim Hausbau um sich! Eine Wohnhaus sollte mindestens 50 Jahre halten und dürfte nur noch "2000 Watt" kompatibel ausgeführt werden, dass heisst Minergie-P. Wenn Sie zu Billighäusern ohne Minergie-P aufrufen, machen Sie sich im Häuserbau für die Klimaänderungen mitverantwortlich! Swisshaus und Marty gehören sicher nicht zu den umweltgerechten Hausbauern! Antworten




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