Leben

Bio-Rezepte gegen Schimmel und Algen

Von Reto Westermann. Aktualisiert am 06.04.2009

Dichtere Fenster und isolierte Wände verändern den Feuchtehaushalt eines Gebäudes. Wer richtig damit umgeht, verhindert Schimmel- und Algenbefall.

Unschön: Algen an einer aussen isolierten Fassade.

Unschön: Algen an einer aussen isolierten Fassade.

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In den Liegenschaften wird derzeit energetisch aufgerüstet. Die Massnahmen machen Sinn, doch sie können auch zu neuen Problemen führen: «Durch die dichtere Hülle verändert sich der Feuchtehaushalt des Gebäudes», sagt Guido Huwiler aus Maschwanden, diplomierter Baubiologe und Bauökologe. In der Regel seien sich die Hausbesitzer dessen nicht bewusst und würden von Planern und Lieferanten auch nicht darauf aufmerksam gemacht. «Das wäre aber unbedingt nötig.»

In seiner täglichen Arbeit begegnet Huwiler zwei Phänomenen, die sich direkt auf die thermische Verbesserung der Gebäudehülle zurückführen lassen: Algen an aussen isolierten Fassaden und Schimmel in Wohnungen mit erneuerten Fenstern. Die Erklärung für den Schimmel ist einfach: Pro Bewohner entstehen täglich zwischen 6 und 20 Liter Wasserdampf - etwa beim Duschen, Abwaschen oder Kochen. Vor dem Austausch waren die Fenster so undicht, dass diese Feuchtigkeit durch den dauernden Luftwechsel abgeführt wurde. Durch die neuen, sehr dichten Fenster bleibt die Feuchte im Raum, kondensiert an sehr kalten Stellen - die es in nicht isolierten Gebäuden oft gibt - und schafft so einen Nährboden für Schimmel.

Schimmel ist Gift für die Gesundheit

Die neuen Fenster sind aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: «Wände mit Plättli, glatte Verputze und Anstriche auf Kunststoffbasis können Wasserdampf nicht aufnehmen und mit den neuen Fenstern entfällt dann die letzte Möglichkeit, Feuchtigkeit abzutransportieren», sagt Huwiler. Nach seinen Erfahrungen bewirkt in solchen Fällen selbst das empfohlene Querlüften mehrmals pro Tag wenig. «Meist werfen Vermieter dem Mieter vor, zu wenig zu lüften, wenn Schimmel auftaucht - meiner Meinung nach zu Unrecht», sagt der Fachmann. Ist der Schimmel da, sollte er rasch fachmännisch entfernt werden, denn die Sporen können zu ernsten gesundheitlichen Schäden führen. Langfristig helfen zwei Mittel: entweder der aufwändige Einbau einer Belüftungsanlage oder das Anbringen von Decken- oder Wandelementen, die Wasserdampf aufnehmen und später wieder abgeben können. Solche Calciumsilikatplatten können extrem viel Feuchtigkeit speichern (siehe Grafik), setzen aber, da sie alkalisch sind, selbst keinen Schimmel an.

Auch Algen auf aussen isolierten Fassaden haben ihre Ursache in übermässiger Feuchtigkeit. Der Grund: Die fast ausschliesslich verwendete Aussenisolation aus extrudiertem Polystyrol (EPS) wird in der Regel mit einem Kunststoffverputz überzogen. In klaren Nächten setzt sich darauf Feuchte ab, die an schattigen Stellen nicht trocknen kann und so die Bildung von Algen ermöglicht. In der Regel werden die Wände deshalb mit Farben gestrichen, die chemische Algenkiller enthalten. Die Garantie dafür wird aber nur für zwei Jahre gegeben, dann muss die Fassade neu eingesprüht werden. «Die Algizide werden mit dem Regen ausgewaschen und gelangen in den Boden, das ist aus Umweltschutzgründen eigentlich nicht zu verantworten», sagt Guido Huwiler.

Bei bestehenden Aussenisolationen schlägt er deshalb vor, zusätzlich eine dicke Schicht Putz auf Kalkbasis aufzubringen. Dieser kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und setzt selbst keinen Schimmel an. Noch besser ist es, von Beginn weg eine Isolation und einen Verputz zu wählen, die diffusionsoffen sind, also Wasserdampf passieren lassen. Bewährt haben sich beispielsweise mineralische Dämmplatten. Sie benötigen aber zwanzig Prozent mehr Materialdicke, um denselben Isolationswert zu erreichen wie bei EPS. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2009, 09:33 Uhr

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