Heiss begehrte Wärmebilder vom eigenen Haus

Von Jürg Zulliger. Aktualisiert am 12.01.2009 2 Kommentare

Für Wärmebilder von Häusern ist jetzt Hochsaison. Richtig gemacht decken sie auf, wo die wertvolle Energie aus dem Gebäude entweicht.

Aufschlussreich: Thermobilder zeigen Wärmelecks.

Aufschlussreich: Thermobilder zeigen Wärmelecks.

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Eisige Kälte, Hochnebel oder Bewölkung wie letzte Woche stellen ideale Bedingungen dar, um die Wärmeabstrahlung von Gebäuden zu messen. Wer Spass daran hat, kann ein schön buntes Thermografiebild seines Eigenheims wie einen Andy Warhol im Wohnzimmer aufhängen. Geschulte Fachleute gewinnen daraus aber wertvolle Informationen über ein Haus, wie Christoph Tanner von der Firma QC-Expert, einem Spin-off der Empa, sagt: «Solche Aufnahmen dienen als Grundlage für eine mögliche Sanierung des Gebäudes.» Als weiteren Verwendungszweck nennt er die Überprüfung von Neubauten - der Käufer und der Eigentümer wünschen einen Nachweis über die wärmetechnische Qualität des Hauses. Neuerdings machen auch Energiefachstellen und Energiefirmen Werbung für solche Aufnahmen, und Grossverteiler wie Coop Bau + Hobby bieten die Dienstleistung zum Aktionspreis an. Wegen reissenden Absatzes nimmt Coop erst im September 2009 wieder neue Aufträge an.

Tücken der Technik

Und so funktionierts: Eine Wärmebildkamera misst zunächst die Wärmeabstrahlung eines Objektes; mit Hilfe einer Software werden die gemessenen Temperaturen in ein farbiges Bild umgerechnet. Die Einstellungen der Kamera, die Spannweite der gemessenen Temperaturen sowie die Umrechnung in Bildpunkte können aber ganz unterschiedlich sein. «Es ist ohne Weiteres möglich, mit veränderten Einstellungen ganz andere Thermobilder zu erzeugen», erläutert Experte Tanner. Je nach Umrechnung der Daten in Farbpunkte kann selbst ein neues Fenster von bester Qualität rote Ränder aufweisen, was dann fälschlicherweise als schlecht empfunden und bewertet wird. Hinzu kommt, dass die Witterungsverhältnisse zum Zeitpunkt der Aufnahme entscheidend sind. «Wenn zum Beispiel am Tag vor den Aufnahmen die Sonne eine Betonfassade aufgewärmt hat, vermittelt die Infrarot-Aufnahme einen völlig falschen Eindruck», so Tanner. Bei manchen Billigangeboten ohne seriöse Beratung kann Thermografie also zu teuren Fehlschlüssen verleiten.

Auch ein sternenklarer Himmel kann wegen der stärkeren Abstrahlung das Bild stark verfälschen. Christoph Tanner warnt deshalb: «Mit den Bildern allein kann ein Laie oft wenig anfangen.» Es kommt also auf die richtige Anwendung und die fachlich fundierte Interpretation der Bilder an:

  • Die Aufnahmen müssen nachts gemacht werden, bei Kälte und bedecktem Himmel. Zum Zeitpunkt der Aufnahme sollte das Gebäude auf Normaltemperatur von 21 Grad geheizt sein (ohne Nachtabsenkung); Fenster schliessen, Roll- und Fensterläden aber offen lassen.
  • Um eine nachvollziehbare Interpretation zu ermöglichen, müssen die Umstände und der Zeitpunkt der Aufnahme dokumentiert sein. Ein technisch richtiges Bild zeigt auch den Farbkeil mit der Temperaturzuordnung (im Bild ganz rechts).

Gute Basis für die Sanierung

Und selbst wenn der Thermografieexperte die Aufnahmen korrekt durchführt und das Wohnhaus von allen Seiten aufnimmt, trägt er damit doch nur 60 bis 70 Prozent der relevanten Informationen zusammen. Viele Details der Dachkonstruktion und Wärmeverluste über die Kellerdecke bleiben der Infrarotkamera verborgen. Um eine seriöse Grundlage für eine Sanierung zu haben, sollte daher auch noch ein Bauexperte einen Augenschein vor Ort nehmen und den Zustand der verschiedenen Teile des Gebäudes erfassen. Die Thermografie-Aufnahmen sind dafür eine ausgezeichnete Grundlage für weitere Abklärungen. Aus beidem zusammen sollte schliesslich ein zusammenfassender Bericht erstellt werden, mit dem der Hauseigentümer eine gute Entscheidungsgrundlage zur Sanierung hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2009, 09:11 Uhr

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2 Kommentare

max schneider

12.01.2009, 11:26 Uhr
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für unsere altbausanierungen waren die wärmebilder ein absolutes muss! gute infos diesbezüglich fand ich auf www.minergie.ch www.thech.ch und www.hausbau-forum.ch Antworten


Bernhard Oester

12.01.2009, 11:13 Uhr
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Sehr geehrter Herr Zullinger Ich habe grosse Freude an Ihrem Beitrag gehabt, nicht nur weil unsere Firma AFC Air Flow Consulting selber Wärmebilder macht, sondern weil der Artikel prägnant die Möglichkeiten der Thermografie-Aufnahmen aufzeigt, aber auch warnt vor Fehlinterpretationen, die zu Fehlinvestitionen führen können. Ich bitte Sie unter Links auch www.afc.ch aufzuführen. Besten Dank Antworten



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