Wohnungssuche: Internet läuft Zeitung den Rang ab

Über die Hälfte der Wohnungssuchenden werden mit einem Inserat fündig – mittlerweile mehr im Internet als in den Zeitungen.

Auf der Karte zur gewünschten Wohnung: Suchbeispiel auf der Seite www.immo.ch.

Auf der Karte zur gewünschten Wohnung: Suchbeispiel auf der Seite www.immo.ch.

Rund ein Viertel der Mieter und gegen zehn Prozent der Wohneigentümer befassen sich regelmässig mit Umzugsabsichten. Die Gründe liegen bei Veränderungen der beruflichen und der familiären Situation sowie bei der demografischen Entwicklung – ältere Menschen suchen vermehrt nach Möglichkeiten, das zu gross gewordene Wohnumfeld zu verkleinern. Die Verbreitung des Internets hat dazu geführt, dass sich die Suche nach der neuen Wohnung oder dem Haus innert weniger Jahre grundlegend verändert hat: 2002 hatten bei Befragungen nur gerade 6 Prozent der Umgezogenen angegeben, ihre neue Wohnung in den vorangegangenen zwei Jahren über Inserate im Internet gefunden zu haben – im letzten Jahr waren es fast 30 Prozent.

Internet und Zeitungen parallel

Die zunehmende Nutzung des Internets bei der Wohnungssuche hat bewirkt, dass das Inserat generell an Bedeutung gewonnen hat. In den 1990er-Jahren wurde erst gut ein Drittel aller Wohnungen über Inserate gefunden – damals noch ausschliesslich über Anzeigen in den Zeitungen. Der erfolgreichste Kanal zu dieser Zeit war die Nachfrage bei Freunden, Bekannten, Vermietern und Arbeitgebern. 2008 dagegen wurden 54 Prozent der Wohnungssuchenden über ein Inserat fündig – 30 Prozent im Internet, 24 Prozent in den Zeitungen. Dies zeigen die Immo-Barometer-Umfragen der NZZ und der Immobilienmarkt-Beobachter von Wüest & Partner. Ein interessantes Fazit: «Die Internetinserate ersetzen die Zeitungsinserate für die Wohnungssuchenden nicht, vielmehr werden beide Medien parallel konsultiert und beide erreichen hohe Aufmerksamkeitswerte.» So orientierten sich 2008 rund 80 Prozent der Wohnungssuchenden sowohl im Internet wie in den Printmedien.

Bei einem vertieften Blick zeigen sich allerdings Unterschiede: In der Pionierphase des Internets waren es vor allem die Anbieter von Mietwohnungen, die das neue Medium nutzten. Schon 2004 kam die Wende: Seither nahm der Anteil an Eigenheimangeboten im Internet stark zu. Die Gründe liegen bei den im Internet deutlich geringeren Kosten, der Möglichkeit zur Vermittlung detaillierter Informationen wie Bildmaterial, Hinweise auf lokale Gegebenheiten (Distanzen zu ÖV, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten usw.) sowie Steuerrechner. Ausserdem bleiben die Inserate im Internet über längere Zeit publiziert, was sich beim grundsätzlich schwierigeren Vermarkten von Einfamilienhäusern als Vorteil erweist.

Internetanteil in Bern geringer

Die Umfrage zeigt aber auch, dass bei der Suche nach Einfamilienhäusern der informelle Weg über Freunde und Bekannte weiterhin eine zentrale Rolle spielt und dass bei Eigentumwohnungen das Printinserat nach wie vor von überdurchschnittlicher Bedeutung ist. In den Grosszentren liegt der Anteil an Internet-Inseraten beim Wohneigentum lediglich zwischen 53,7 Prozent (Bern) und 71,4 Prozent (Lausanne). Umgekehrt wird der Mietwohnungsmarkt in den grossen Städten und in deren Agglomerationen von den Internet-Inseraten dominiert. «Schon fast verlorenes Terrain für die Zeitungen bildet die Stadt Zürich, wo gegenwärtig 90,1 Prozent der Wohnungsangebote übers Internet erfolgen», kommentieren die Autoren der Studie. Gleiches gilt für die Agglomeration Zürich sowie für mehrere Gemeinden am Genfersee. In der Stadt Bern dagegen liegt der Internetanteil am Markt der Wohnungsinserate «nur» bei 64,7 Prozent.

Printinserate hätten Vorteile, die oft vergessen gingen, halten die Autoren fest: Je kleiner das Einzugsgebiet einer Zeitung, desto gezielter sei die Aufmerksamkeit der Wohnungssuchenden. Ein Anbieter habe bei einem lokalen Printmedium mehr Gewähr, dass sich seine eher kleine Zielgruppe auch tatsächlich in der Zeitung informiere statt auf einer überregionalen Internetplattform. Das Internet werde das Zeitungsinserat wohl nie vollständig verdrängen, weil ernsthafte Wohnungssuchende nicht das Risiko eingehen wollten, ein interessantes Angebot in den Printmedien zu verpassen. Deshalb sei damit zu rechnen, dass das Internet und die Printmedien bei der Wohnungssuche auch künftig parallel genutzt würden. (Der Bund)

Erstellt: 13.05.2009, 10:12 Uhr

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