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Che Guevara lebte für die Revolution und den Nachruhm
Von Christoph Schneider. Aktualisiert am 25.03.2009 8 Kommentare
Der Film
Che – The Argentine (USA/Frankreich/Spanien 2008). 126 Minuten. Regie: Steven Soderbergh. Mit Benicio Del Toro, Demián Bichir u.a.
In Zürich ab Donnerstag im Arthouse Piccadilly und im Kino Riffraff.
Er war Arzt, Marxist und Revolutionär, und irgendwann wurde aus dem wirklichen Menschen Ernesto Guevara de la Serna (1928–1967) die Ikone des Che. Womöglich wurde der Che selbst eins mit seinem eigenen Bild; manche sagen, das sei am 5. März 1960 gewesen, als Alberto Korda jenes Foto schoss, das man heute noch auf T-Shirts druckt. Und es blieb von ihm, «was gut war und klar war», wie Wolf Biermann später sang. Es strahlte um ihn eigentlich nur noch das Charisma der reinen revolutionären Idee und kaum das Arbeitslicht der kubanischen Realität, in der Guevara sich als Industrieminister und Chef der Zentralbank einen, gelinde gesagt, zwiespältigen Ruf erwarb. Kuba, das seine Revolution gehabt hatte, ist ihm auch bald abhanden gekommen.
Ruf nach «reinigendem Atomkrieg»
Vermutlich ertrug er die Verschmutzung von Denken und Tat durch Administration und Diplomatie ohnehin schlecht. Kann sein, er wäre dem Land sogar gefährlich geworden; sein öffentlich geäusserter Wunsch nach einem reinigenden sozialistischen Atomkrieg (1962) war äusserst beunruhigend. Und vielleicht war ihm Kuba zu klein im Vergleich zu der Welt, die auf seine Revolution wartete und auf seine Schöpfung des «Neuen Menschen». Daran muss er ja geglaubt haben. Denn am Ende sass er mit seinem Asthma und seiner Idee im bolivianischen Bergwald, verwechselte seine 44 Mann mit einer Nationalen Befreiungsarmee und starb daran.
Kein schöner Tod, man schnitt der Leiche die Hände ab. Allerdings, wie das bei Helden ist, begann danach erst recht das Leben des Comandante Che Guevara, der in die Romantik überführt wurde: dorthin, wo man von ihm dann sagte, er sei der «vollkommenste Mensch unserer Zeit» (Jean-Paul Sartre) gewesen und habe «die Härte von Stahl mit der Zartheit einer Rose» (Alberto Korda) verbunden. Von Heiligen spricht man nicht anders.
Aber da wären wir eigentlich schon im zweiten Teil von Steven Soderberghs gewaltigem Spielfilm-Projekt «Che», das Guevaras revolutionäres Leben bis zum Tod und den Weg, auf dem ein Mensch zum Kultbild wurde, sehr eindrücklich beschreibt. Der erste Teil, der jetzt in die Kinos kommt, endet, als die Ikonisierung gerade beginnt und das Ideal einer Revolution ihrer Wirklichkeit noch ähnelt.
Es ist die Geschichte eines Sieges und einer Bildwerdung. «Che – The Argentine» umfasst die Jahre des Kampfes in Kuba bis zum Sturz des Diktators Fulgencio Batista; und das ist nun nicht so sehr ein grosses Historiengemälde, sondern die unpathetische Nacherzählung, wie es kam, dass einer, der sich als Revolutionär einfach nützlich machen wollte, im historischen Spiel eine Hauptrolle übernahm.
In Soderberghs diskreter Inszenierung hat der Argentinier Ernesto Guevara (Benicio Del Toro) lange gar nichts vom Che der zukünftigen Geschichtslegende. Nichts deutet gleich auf eine Tauglichkeit zum Denkmal des «guerrillero heroico» hin. Wir sind noch nicht in der heroischen Einsamkeit einer hoffnungsvoll hoffnungslosen Rebellion. Sondern zum Beispiel in Mexiko, wo Guevara 1955 Fidel Castro kennen lernt; fast leise wirkt da sein kämpferisches Engagement vor der pompösen Rhetorik Castros (Demián Bichir, ein grossartiger Schauspieler, bei dem der Pomp nie zur Parodie wird).
Human und von brutaler Strenge
Auch in den Bergen der kubanischen Sierra Maestra ist er zunächst einer von vielen; keine singuläre Genialität umweht ihn, Soderbergh verhindert das aktiv durch distanzierte, gewissermassen «anti-ikonische» Einstellungen. Nur langsam tritt so «der Che» zutage: in Szenen von der schmerzhaften Selbstdisziplin, mit der einer für die revolutionäre Sache seine kranke Lunge ignoriert; in einer erworbenen Autorität, die ihn zum Comandante macht, nicht weil er zum Führen geboren ist, sondern weil er es besser als andere kann. Ein Mensch, kein Heiliger, hat ja 1959 mit seiner II. Kolonne die Stadt Santa Clara eingenommen, damals, als seine Ideologiefestigkeit offenbar noch im Gleichgewicht war mit der militärischen Vernunft. Davon erzählt dieser Film und weist nebenbei Che-Verehrer, die noch nie in einem Dschungel waren, fein darauf hin, dass der idealisierte Heroismus auch einmal als realer Mut klein anfangen muss.
Auf dieser menschlichen dramatischen Basis wird Soderberghs Che dann in den zweiten Teil («Guerilla», ab 23. April) und sozusagen in die bolivianische Legende eintreten. Jetzt schon hat der Hauptdarsteller (und Koproduzent) Benicio Del Toro wunderbar differenziert vorgearbeitet. Nämlich als ein ganz unprätentiöser Che in seiner freundlichen Humanität und seiner brutalen Strenge (denn die Brutalität war Teil seiner Reinheit). Und – in nachgestellten, klug eingearbeiteten Szenen von Che Guevaras historischem Besuch in New York und seinem Auftritt vor den Vereinten Nationen 1964 – als einer, der bereits weiss, dass alles, was er in Wirklichkeit tut, auch fürs Bild und den Nachruhm geschieht.
Leicht gebrochen, gleichzeitig vernünftig und weltentrückt, scheint da der Che aus «The Argentine» schon den Rest seines Lebens vorzubereiten, wo er in einer tödlichen Dynamik ganz zum Abbild eines «Christus mit der Knarre» (Wolf Biermann) werden muss – oder will. Nach dem ersten Teil des Films ist Del Toro und Soderbergh auch im zweiten viel menschliche Sorgfalt zuzutrauen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.03.2009, 08:49 Uhr
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8 Kommentare
Welch glorifizierende Schreibe! Ideologisierter Heroismus, brutale Reinheit? Mit flotten Begriffen wird hier die Tatsache übertüncht, dass Che ein Frauenschänder und Kindermörder war. Mit brutaler Waffengewalt, mit Mord und Folter, mit Denunziation und Lügen verhalf er - ideologiefest! - einer Diktatur zum Sieg, die weiter und systematisch auf Mord und Folter und nicht auf Menschenrechten baut. Antworten



