Das Beste ist die Selbstkritik
Von Thomas Hasler. Aktualisiert am 13.10.2010 3 Kommentare
Thomas Hasler
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Winston Churchill soll gesagt haben: «Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.» An dieses Bonmot fühlt man sich erinnert, wenn man die Studie eines Ex-Polizisten zur Gewalt gegenüber seinen Ex-Kollegen bei der Stadtpolizei Zürich genauer anschaut.
Laut dem Verfasser ist zwischen 1990 und 2008 ein «alarmierender Anstieg» des Delikts «Gewalt und Drohung gegen Beamte» festzustellen – und zwar um 392 Prozent. Die «rein zufällig gewählte Zeitspanne» könnte rein zufällig aber auch anders gewählt sein: Zwischen 1992 und 2008 nämlich hat das erwähnte Delikt nur um 197 Prozent zugenommen.
Ähnliches zeigt sich auch im Zusammenhang mit der Onlinebefragung der Polizisten. Weit über 90 Prozent der Antwortenden meinen, die Gewalt gegenüber ihnen habe zugenommen und sei auch brutaler geworden. Was ist dieser Befund wert, wenn nur ein gutes Drittel der besonders exponierten Polizistendie Fragen beantwortet hat? Antworteten die Ängstlichen? Die Forschen? Die besonders Betroffenen?
Immerhin verschweigt die Studie nicht, dass die Zunahme auch mit einem veränderten Anzeigeverhalten und einer stärkeren Kontrolltätigkeit zu tun hat. Letzteres ist darum relevant, weil sich zwei Drittel der Gewalt im Zusammenhang mit einer Verhaftung oder einer Personenkontrolle ereignen. Ersteres hat mit einer gesteigerten Rapportierung zu tun. Denn mit dem Hinweis auf die zunehmende Gewalt lässt sich auf politischer Ebene eher eine Aufstockung des Korps begründen. Und es gab eine Zeit, in welcher die Strafanzeige wegen Gewalt und Drohung ein klassisches Gegenmittel war, um der Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs zu begegnen.
Die Studie ist in ihrer Selbstkritik dennoch bemerkenswert: 85 Prozent der Antwortenden meinen, ihr eigenes Auftreten und Verhalten habe einen Einfluss, ob es zu Gewalt und Drohung kommt. 97 Prozent vertrauen ihrer Fähigkeit, konfliktreiche Situationen verbal und ohne Gewalteskalation zu lösen. Und es wird auch nicht verschwiegen, dass gewissen Polizisten schlicht Konfliktfähigkeit und Einsatztauglichkeit abgehen. Die ketzerische Frage sei erlaubt: Ist das Problem zunehmender Gewalt auch hausgemacht?
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.10.2010, 21:21 Uhr
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3 Kommentare
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Diesen Kommentar finde ich nicht grad hilfreich. Sicher geschehen überall Fehler. Auch bei der Stapo. Herr Hasler macht es sich aber sehr einfach, wenn er nur die Einsicht der Stapo hervorheben will. Z.B. hat "die andere Seite" (Delinquenten und Gaffer) kaum Einsicht, in ihre Beiträge zur Eskalation von Situationen. Ich finde es auch schade, dass der Tagi einen solchen Kommentar überhaupt druckt. Antworten
sie haben völlig recht herr hasler, das problem ist sicher selbstgemacht---wie wär's wenn sie bei linken statistiken, zb armut, integrations(un)fähigkeit, schlechteren schulleistungen (also eher linken themen) dann auch so ketzerisch hinterfragen würden? Antworten




