Meinung

Die Party der anderen

Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 16.08.2010 24 Kommentare

Patrick Kühnis

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Die Stadt in der Hand von Ravern

Die Stadt in der Hand von Ravern
Am Mittag ziehen die ersten Raver über Limmatquai und Bahnhofstrasse in Richtung Seebecken.

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Totgesagte leben länger. Über Jahre wurde sie von Nörglern belächelt, beschimpft, zum Teufel gewünscht – und die Street-Parade bewegt sich doch. Die offizielle Zahl von 650'000 Teilnehmern ist zwar mit Vorsicht zu geniessen. Doch es sind wieder Hunderttausende nach Zürich geströmt, um der lauten Musik aus Strom zu huldigen. Wenn die Stimmung etwas gedämpfter war als in früheren Jahren, lag das vor allem am garstigen Wetter.

Was noch viel wichtiger ist: Nur drei Wochen nach der Katastrophe von Duisburg hat die Stadt bewiesen, dass sie ihre grösste Party im Griff hat. Ein Unglück sei in Zürich «höchst unwahrscheinlich», betonten die Veranstalter, als verschiedene Sicherheitsexperten plötzlich zu enge Platzverhältnisse und andere Risiken ausmachten. Am Samstag war von Panik keine Spur. Wer tanzen wollte, genoss sogar auf der Quaibrücke genug Beinfreiheit. Und wer bloss gaffen wollte, konnte das mit dem gebührenden Sicherheitsabstand oder via TeleZüri tun.

Auffällig war dafür, wie stark sich die Zürcherinnen und Zürcher inzwischen von ihrer grossen Techno-Sause entfremdet haben. Wer nicht ohnehin einen grossen Bogen um den bunten, schwitzenden Tatzelwurm machte, traf Thurgauer, Italiener, Walliser, Basler und viele Deutsche – aber kaum noch andere Zürcher. In Bussen und Extrazügen wurden die Gäste an die Limmat gekarrt, um sich auf der Plattform auszutoben, die ihnen «Downtown Switzerland» bietet.

«Unsere Stadt ist und bleibt ein Partytempel», liess sich Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) nach der Parade vernehmen. Wie viel der Stadt ihre Gastgeberrolle wirklich wert ist, wird sich bald zeigen. Zum zweiten Mal hintereinander hat die Parade rote Zahlen geschrieben, die finanziellen Reserven sind aufgezehrt. Weil auch die Namen der Sponsoren nicht eben klingender werden, ertönt bereits der Ruf nach mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Solange nicht Verletzte und Alkoholleichen die Bilanz beherrschen, sollte die Stadt zu Zugeständnissen bereit sein.Der Ruf einer offenen, lebenslustigen Stadt ist Gold wert. Die Street-Parade muss weiterleben – mindestens so lange, bis Zürich etwas Besseres erfunden hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2010, 22:40 Uhr

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24 Kommentare

Stefan Werner

16.08.2010, 08:15 Uhr
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Ich glaube ich lese nicht recht. Sie wollen Subventionen für ein privates Fest, das sich für die Veranstalter nicht mehr genügend lohnt? Goht's no??? Sollen sie sich halt was einfallen lassen. Fasnachtsplagetten oder Mitgliederbeiträge oder freiwillige Eintrittsgebühren oder sonstwas. Dann zeigt sich ja, ob den Ravern ihr Fest etwas wert ist. Wenn nicht, janusode. Antworten


Kurt Aegeri

16.08.2010, 11:35 Uhr
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Noch einmal: eine Clique, welche sich gem. Veranstalter Liebe und Toleranz aufs Banner schreibt, dabei aber noch nicht einmal fähig ist, soviel Respekt aufzubringen, die Stätte des Vergnügens nicht einfach als Saustall zu verlassen, braucht erst recht nicht mit Steuergeldern finanziert werden. Da kommen erst mal notleidende und alte, arme Menschen. Basta. Antworten