Ein Riss im Image
Von Jürg Rohrer . Aktualisiert am 27.09.2010 4 Kommentare
Jürg Rohrer
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Zürich präsentiert sich gern als aufgeschlossene Stadt der Hochschulen und Künste; man wählt Rot-Grün und hat progressiv den Atomausstieg beschlossen. Und jetzt das: Zum ersten Mal kommt ein zeitgenössisches Kunstwerk unter internationaler Beachtung vors Volk – und wird abgelehnt. Das verschmähte Nagelhaus zeigt der Welt, dass die Zürcher weit weniger aufgeschlossen und neugierig sind, als es das Image behauptet.
Wenns ums Praktische geht, ist den Einheimischen nichts zu teuer: 200 Millionen Franken für Windräder, 110 Millionen für ein Leichtathletikstadion – alles klar angenommen. Sogar drei EM-Spiele im Letzigrund haben sich die Stimmenden für 11 Millionen gegönnt. Doch 5,9 Millionen Franken für ein Kunstwerk sind ihnen zu viel, obwohl dieses Kunstwerk auch aus einem Restaurant und einem WC besteht – also höchst praktisch ist.
Offenbar hat das nicht gereicht,um die chinesische Holzhütte – die Fragen aufwirft über Anpassung und Widerstand – für die Mehrheit interessant zu machen. Das Werk blieb vielen unverständlich oder zu gesucht. Das führt zur grundsätzlichen Frage, was Kunst im öffentlichen Raum soll. Die Jury aus Fachleuten will gescheite und widertaktige Werke; jene, die dies mit ihren Steuern bezahlen, hättens lieber verständlich und schön. Aber Kunst, die auf die Mehrheit schielt, ist keine oder eine museale.
Kunst im öffentlichen Raum ist letztlich ein Widerspruch. Daraus gibt es zwei Konsequenzen: Entweder lässt die Stadt die Hände davon, oder sie versteht öffentliche Kunst als Lernprozess, der mit dem Nagelhaus erst begonnen hat. Dann brauchen künftige Kunstwerke wie der Hafenkran aber mehr Engagement seitens der Kunstfreunde, als es beim Nagelhaus der Fall war. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.09.2010, 23:28 Uhr
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"Kunstwerke wie der Hafenkran". Sie wann sind Hafenkräne Kunstwerke? Wenn ich solche sehen will, fahre ich nach Basel, Rotterdam oder Antwerpen, dort gibt es jede Menge von diesen "Kunstwerken" zu bestaunen, und im Gegensatz demjenigen in der Limmat werden sie gebraucht und benützt und belasten den Steuerzahler nicht. Antworten




