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Was ist eigentlich so schlimm daran?

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 27.01.2011 3 Kommentare

Arthur Rutishauser.

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Über das WEF wird viel und gerne gelästert. Ein Schaulaufen der Eitelkeit sei das, wird kritisiert. Viel heisse Luft werde hier produziert unter der Schirmherrschaft von einem etwas blasierten Klaus Schwab, der sich gerne selber reden höre und auch nach 40 Jahren noch mit der englischen Aussprache kämpfe. Davos sei ein geheimnisumwitterter Ort, an dem bei verschwörerischen Sitzungen in den Hinterzimmern der Luxushotels grosse Geschäfte abgeschlossen würden, kritisierten vor ein paar Jahren die Demonstranten der Anti-Globalisierungs-Bewegung.

Im Grunde genommen, haben die spöttischen Kritiker recht. Bloss: Was ist eigentlich so schlimm daran? Wenn vor aller Welt während vier Tagen über die wirtschaftliche Entwicklung der Welt gesprochen und daneben auch mal ein Geschäft abgeschlossen wird, ist das nicht verwerflich. Wenn unsere Wirtschaftsführer und Bundesräte sich in Davos mit Entscheidungsträgern treffen und so in ein paar Tagen mehr relevante Gesichter sehen als sonst im ganzen Jahr, dann ist das sinnvoll und zudem effizient.

Am meisten profitiert die Landschaft Davos vom jährlichen Spitzen-Event. Und allmählich, nach vier Jahrzehnten, realisieren die Bündner das auch. Nach jahrelangem Zögern rückten sie doch etwas Geld heraus und bauten ein neues Kongresszentrum, das sich sehen lässt. Auch wegen Schwabs Drohung, mit seinem WEF sonst nach New York zu ziehen, werden neue Luxushotels gebaut – und eben nicht nur Zweitwohnungen für Steuerflüchtlinge, die nach dem Zusammenbruch des Bankgeheimnisses ihr Schwarzgeld in Sicherheit bringen wollen.

So gesehen, hat sich das WEF in Davos wirtschaftlich zu einem nachhaltigen Ereignis entwickelt, das viel mehr bringt als Olympische Winterspiele. Deren wirtschaftliche Effekte sind jeweils nach wenigen Wochen verpufft, und dennoch werden die jüngst wieder aufkommenden Träume viel weniger kritisch hinterfragt. Wenn das WEF dann der Schweiz – und Schwab – auch noch das Gefühl gibt, wenigstens einmal im Jahr der Nabel der Welt zu sein, dann umso besser. Auch wenn man mit dieser Einschätzung dem WEF zu viel Bedeutung beimisst.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2011, 23:44 Uhr

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3 Kommentare

Anna Wenig

27.01.2011, 08:30 Uhr
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"...vor aller Welt..." Genau da liegt doch das Problem. Entscheidungen, die das Leben sehr vieler Menschen betreffen, werden von einer Elite völlig undemokratisch hinter geschlossenen Türen gefällt. Vor den Kameras wird die Maske des Gutmenschen aufgesetzt, der sich ja so um die Armen sorgt. Mauscheleien auf höchstem Niveau. Antworten


Roger Baumer

27.01.2011, 08:34 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ein sehr schöner Vergleich - WEF und Olympische Winterspiele! Spass, Unterhaltung und Profit für wenige - Militärische Sperrzonen, Hohe (Steuer-) Kosten und Stress für die grosse Masse. Selbstverständlich ist das WEF aber vor allem eine Prestigeveranstaltung für Davos! Brauchts das wirklich? Antworten