Abknallen – welch armselige Reaktion
Von Fabian Renz. Aktualisiert am 01.10.2010 4 Kommentare
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Braucht der Wolf in der Schweiz mehr Schutz?
Ja
Nein
689 Stimmen
Fabian Renz.
Ein gutes Dutzend im Land umherstreifender Säugetiere hat es geschafft, im Berner Bundeshaus gestern eine zweistündige Krisendebatte auszulösen. Mit eindeutiger Quintessenz: Das Dutzend ist ein Dutzend zu viel. Für Wölfe hat es in der Schweiz nach Ansicht der meisten Politiker keinen Platz, ergo seien Abschussbewilligungen möglichst auf Knopfdruck abzusondern. Ein Wust von parlamentarischen Vorstössen mit dieser Zielrichtung stand zur Diskussion, einige fanden eine Mehrheit – welch armselige Reaktion auf ein Problem, das doch eigentlich in einer erfreulichen Entwicklung gründet.
120 Jahre lang war der Wolf in der Schweiz ausgerottet. Nun kehrt er zurück. Man könnte, etwas Zuneigung zu Leben und Natur vorausgesetzt, diese Rückkehr positiv begleiten statt sabotieren. Versuchen, die Neuankömmlinge in das Wechselspiel von Ökonomie und Ökologie einzugliedern. Lösungen für den Schutz von Nutztierherden suchen. Sich allenfalls sogar Gedanken über Fehlanreize machen – etwa über die Subventionen für unbewachte Schafherden.
Von einer solchen Grundhaltung ist bei der Mehrheit des Nationalrats wenig zu spüren. Abknallen, das Raubvieh! – so lautet die dumpfe Losung für die Lösung. Hierzu soll die Schweiz gar die internationale Berner Konvention aufweichen – oder, falls das nicht klappt, sie gänzlich aufkündigen. Der gleiche Nationalrat, der das fordert, hat am Mittwoch schon die Alpenschutzkonvention versenkt, deren Plenarversammlung die Schweiz nächstes Jahr präsidieren wird. Das sind Blamagen – aber Peinlichkeit ist nicht der Hauptgrund, weshalb die Nationalräte vor vergleichbaren Entscheiden künftig etwas gründlicher in sich gehen sollten.
Vielmehr müssen sie sich bewusst werden, dass sie in Natur- und Umweltfragen oft allzu bürgerfern politisieren. Zur Erinnerung: Die Initiative gegen das Beschwerderecht der Umweltverbände wäre im Nationalrat um ein Haar durchgegangen – vom Volk wurde sie mit Zweidrittelmehrheit abgeschmettert. Dem Wolf wiederum sprechen Umfragen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zu. Manchmal wäre es tatsächlich sinnvoll, die Politiker würden etwas mehr mit den Wölfen heulen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.09.2010, 23:01 Uhr
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4 Kommentare
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Wegen zu billiger oder gar ganz fehlender Huetung gehen nebst ein paar Raubtierrissen jaehrlich tausende Stueck Vieh wegen untauglicher Auswilderung oder gar Absturz usw. pp ein. Die Wolfsrisse beruhen somit primaer auf menschlichem statt tierischem Versagen und sind zudem promillemaessig laecherlichst gering.... Antworten





