Meinung

Absenzenkontrolle für Lehrer

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 03.11.2009 2 Kommentare
Daniel Schneebeli.

Daniel Schneebeli.

Eltern sind verunsichert, weil an den Zürcher Gymnasien ständig Lektionen ausfallen und die Stundenpläne ihr Papier nicht wert sind. Die Sorgen der Väter und Mütter sind verständlich, wenn sich die Eliteschulen als Larifari-Betriebe entpuppen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer massenhaft Stunden ausfallen lassen, ist das auch ein Ärgernis für die Steuerzahler. Denn sie geben jährlich fast 400 Millionen Franken für die Mittelschulen aus.

Natürlich machen Lehrpersonen nicht blau, wenn ihre Stunden ausfallen. Sie arbeiten in Projekten mit, haben Konvente oder bilden sich weiter. Die Absenzenorgien an den Mittelschulen zeigen auf, wie umfangreich die Zusatzaufgaben der Lehrerschaft geworden sind. Doch wenn Gymnasien ihr Kerngeschäft, das Unterrichten, vernachlässigen, gibt es keine Ausreden. Die Gymis setzen zu wenig Prioritäten, die Auszubildenden stehen nicht genug im Zentrum. Dass es möglich ist, den Schulbetrieb besser zu organisieren, beweisen private Schulen.

Es gibt im Kanton Zürich die freie Schulwahl. Doch die Nachfrage übertrifft das Angebot so weit, dass kein Konkurrenzdruck entsteht. Alle öffentlichen Schulen füllen ihre Klassen problemlos. Es herrscht unter den Gymnasien ein Pseudowettbewerb. Am Ende dürfen noch alle ein Maturzeugnis erstellen. Vergleichsstudien zeigen zwar, die Mittelschulbildung in der Schweiz ist auf einem hohen Stand. Um der drohenden Selbstgefälligkeit in den Monopolbetrieben vorzubeugen, wäre es somit angebracht, die Aufsicht und den Wettbewerb zu verstärken. Das könnte mit einer allgemeingültigen Absenzenregelung für Lehrkräfte beginnen. An der Volksschule werden ausfallende Stunden von Vikaren oder vom Schulleiter erteilt. Warum ist das an den Gymnasien nicht möglich?

Auch das Ende der Schulzeit könnte verbindlicher werden – etwa mit einer kantonalen Maturprüfung. Wie wirksam es ist, den Konkurrenzdruck unter den Gymnasien zu verstärken, zeigt das Mittelschulranking, das die ETH im Januar veröffentlichte: Viele Schulen haben danach begonnen, Schwachstellen zu suchen und auszumerzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2009, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Jürg Herren

03.11.2009, 22:19 Uhr
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Danke, dass Sie dieses Anliegen aufgenommen haben. Bleiben Sie dran! Die Schüler sind in einem Zwiespalt, wer will sich schon kritisch äussern, wenn eine Stunde ausfällt. Anderseits, wissen Sie, dass sie die Verlierer sind. Als Eltern dürfen wir die gleiche Transparenz über ausfallende Stunden erwarten, wie die Schule von ihren Schülern bezüglich Absenzen verlangt. Heute war ein Weckruf. Antworten


Mirjam Haefelin

04.11.2009, 17:40 Uhr
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Eigentlich finde ich die Berichterstattung über Zürcher Mittelschulen wünschenswert - sie könnte helfen, die Differenz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und den Realitäten am Gymnasium zu verkleinern. Ich lade Sie, Herr Schneebeli, deshalb herzlich ein, zwei Wochen lang meinen Alltag an einer Zürcher Mittelschule zu begleiten. Wetten, dass Ihr Artikel danach ganz anders ausfallen würde. Antworten