Achtung, Computer am Steuer!
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 12.02.2010 1 Kommentar
Philipp Löpfe.
Schon vor mehr als zehn Jahren hat Mercedes in Inseraten damit geworben, wonach die Modelle seiner E-Klasse über ein Vielfaches an Computerkapazität verfügen als die Rakete, die die ersten Menschen zum Mond und zurück gebracht haben. Das war keine Prahlerei. In der Informationstechnologie gilt nach wie vor das Mooresche Gesetz. Gordon Moore, der Mitbegründer des Chip-Herstellers Intel, hat bereits 1965 festgestellt, dass sich die Anzahl Transistoren, die man auf einem Chip unterbringen kann, alle zwölf Monate verdoppelt. Das Gesetz ist auch heute noch gültig und von mehr als akademischem Interesse: Immer leistungsfähigere und immer kleinere Chips bestimmen den menschlichen Alltag im 21. Jahrhundert.
Das gilt speziell für das Auto; und das ist mit ein Grund, weshalb Toyota derzeit in grossen Schwierigkeiten steckt. Bei den Prius-Modellen, die jetzt wegen Bremsproblemen zurückgerufen werden, muss nämlich Software ersetzt werden. Software? Was hat Software mit Gas- und Bremspedal zu tun? Jeder, der sich für einen potenziellen Michael Schumacher hält, rühmt sich doch, besonders viel Gefühl in seinen Füssen zu haben.
Moderne Autos werden nicht mehr mit Gefühl, sondern mit künstlicher Intelligenz gesteuert. Die Mercedes E-Klasse verfügt über eine per Radar kontrollierte, automatische Geschwindigkeitssteuerung, über elektronisch gesteuerte Bremsen und Lenkhilfen, die automatisch einen Wagen stoppen, wenn der Fahrer einen Fehler macht. Volvo wirbt sogar mit dieser IT-gesteuerten Notbremse. Die neuen 7er-Modelle von BMW können Geschwindigkeitssignale lesen, und es wäre ein Kinderspiel, sie so zu programmieren, dass sie die gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeiten automatisch einhalten. Nur verträgt sich das schlecht mit der Werbung von der «Freude am Fahren».
Die roboterverrückten Japaner gehen noch einen Schritt weiter. Toyota hat schon 2002 damit begonnen, seine Mittelstandslimousine Camry mit Gaspedalen auszurüsten, die nicht mehr per Kabel direkt mit dem Motor verbunden sind, sondern die Treibstoffzufuhr mit Sensoren regeln. In japanischen Städten wird mit Systemen experimentiert, die es ermöglichen sollen, dass Autos direkt mit Verkehrssignalen kommunizieren. So wird es unmöglich, bei Rot über die Kreuzung zu fahren, der Lenker wird überflüssig. An der Weltausstellung 2005 in Japan verkehrten auf dem Expo-Gelände vollautomatisch gesteuerte Busse.
Isaac Asimovs Roman «Ich, der Roboter» gehört zu den Science-Fiction- Klassikern, 2004 wurde er mit Will Smith in der Hauptrolle verfilmt. Er handelt von einer Welt, in der die Roboter dank des Mooreschen Gesetzes immer intelligenter geworden sind. So intelligent, dass sie die Macht über die inzwischen dümmeren Menschen übernehmen wollen. Fantasievorstellungen von hyperintelligenten Autos sind in der Filmbranche ebenfalls weit verbreitet. Hollywood machte den VW Käfer zu einem knuddeligen Helfer im Kampf gegen das Böse. In den 80er-Jahren wurde das sprechende und denkende Wunderauto K.I.T.T in der TV- Serie «Knight Rider» zum Kultsymbol.
Wenn Autos auch in der Realität immer intelligenter werden, hat das sehr vernünftige Gründe. Dank neuer Informationstechnologie verbrauchen sie weniger Treibstoff und werden sicherer. Aber sie wachsen uns auch über den Kopf, beschleunigen wie von Geisterhand und reagieren nicht mehr, wenn wir auf die Bremse treten. Die Bremsprobleme von Toyota weisen auf diese dunkle Seite des technischen Fortschrittes hin. Sie lassen uns ahnen, dass es auch ein «Ich, das Auto» geben könnte. Und sie lassen uns fürchten, dass sich intelligente Autos eines Tages nicht mehr an die Gesetze der Robotik halten könnten, wonach kein Roboter dem Menschen je Schaden zufügen darf.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.02.2010, 04:00 Uhr
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Der Mensch ist der grösste Risikofaktor. Das gilt sicher für den Menschen als wagemutigen Autofahrer. Das gilt aber sogar für den gut trainierten Piloten. Flugzeuge machen deshalb nicht mehr jede Steuerbewegung des Piloten mit, sondern interpretieren die menschliche Absicht so, dass alles im "vernünftigen" Bereich bleibt. Die Kontrolle geht vom Piloten an den Techniker im Hinterkämmerchen über. Antworten





