Besser als ihr Ruf

Von Daniela Decurtins. Aktualisiert am 18.02.2009 2 Kommentare

Daniela Decurtins

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Die Versicherer sind Gauner, die künftigen Rentner die Betrogenen, und die Aufsicht in Bern schläft: So sahen viele nach den 2002 angekündigten Rentenkürzungen die Lage in der beruflichen Vorsorge, besonders bei den Sammelstiftungen der Versicherer. Und auch jetzt spricht die Linke wieder von «Rentenklau». Doch die Entrüstung über die Sammelstiftungen verstellt den Blick auf die Fakten.

Denn so übel wie ihr Ruf ist ihr Leistungsausweis nicht, wie die vom «Tages-Anzeiger» zusammengestellten Zahlen belegen. Über die letzten acht Jahre haben die Sammelstiftungen das Kapital der Versicherten mit jeweils 3,3 Prozent verzinst. Das ist sogar leicht mehr als die autonomen Pensionskassen, die als leistungsfähiger gelten.

Die Art, wie die berufliche Vorsorge in der Schweiz organisiert ist, gibt dafür den Ausschlag. Die Lebensversicherer garantieren eine hundertprozentige Deckung und legen entsprechend extrem aktienscheu an. So liegt etwa der Aktienanteil bei der Axa-Winterthur unter 4 Prozent. Das führt bei den Renditen zu viel weniger Auf und Ab und zahlt sich gerade in einer Börsenbaisse aus.

Ganz im Unterschied zu den Pensionskassen, die Aktienanteile von 30 und mehr Prozent aufweisen. Sie sind viel grösseren Schwankungen ausgesetzt, was bisher gut zu verkraften war, weil die berufliche Vorsorge eine langfristige Angelegenheit ist. Versicherte zahlen im Schnitt während 40 Jahren ihre Beiträge ein und beziehen während 20 Jahren eine Rente. Kurzfristige Schwankungen sind da nicht wirklich von Belang.

Das Umfeld für die Pensionskassen hat sich aber in zweierlei Hinsicht verändert. Zum einen ist der Renditedruck in den letzten Jahren gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass in der Schweiz immer weniger Kinder geboren werden, die Menschen länger leben und die Ansprüche zumindest geblieben sind. Zum anderen sprechen gewisse Experten von einer Zäsur an der Börse und schlechten Aussichten auf längere Zeit hinaus. Gerade deshalb werden die Pensionskassen nicht darum herumkommen, ihre Renditeziele zumindest zu überprüfen, und sich wohl stärker an der Deckung von Verpflichtungen orientieren. So wie es die Sammelstiftungen machen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.02.2009, 13:57 Uhr

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2 KOMMENTARE

Philipp Aregger

20.02.2009, 19:56 Uhr

Leider steht in der Kolumne nicht, wo die Pensionskassen ihr Geld hauptsächlich anlegen. Darüber würde ich auch gern aufgeklärt. Tanke vilmol.


Gion Saram

18.02.2009, 21:14 Uhr

Ich dachte bis jetzt immer das Pensionskassen die nach dem Anlageverfahren und nicht nach dem Umlageverfahren operieren, vom Geburtenrückgang nicht betroffen sein werden. Schliesslich erspart jeder Versicherte sein eigenes Alterskapital, nicht wie bei der AHV. Die längere Lebenserwartung kann mit einer Senkung des Umwandlungssatz gelöst werden und hat mit der Rendite nichts zu tun.






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