Bitte mehr Gelassenheit
Von Res Strehle. Aktualisiert am 12.12.2009 2 Kommentare
Res Strehle
Zehn Tage nach dem Ja zum Minarettverbot dreht die Diskussion in der Schweiz im roten Bereich. Die neuste Drehung: Die Behörden verbieten einem deutschen Islamprediger die Einreise zu einer Kundgebung, weil sie Ausschreitungen befürchten. Der Prediger nimmt das Verbot zum Anlass, seine Anhänger zu mobilisieren und die Schweiz zu provozieren.
Dabei wäre dieses – und manch anderes – kleine Problem mit mehr Gelassenheit einfacher zu lösen. Wenn der Islamprediger tatsächlich keine Hassbotschaft verbreitet, ist gegen seine Einreise nichts einzuwenden. Der Mann mag ein Hardliner sein, aber er scheint eher Eiferer zu sein denn Hassprediger: Bis zum Beweis des Gegenteils ist ihm in einem Rechtsstaat zu glauben. Zwar sieht er seinen Glauben als allein selig machenden Weg. Aber diese Überzeugung teilt er mit radikalen Anhängern anderer Religionen.
Solange von ihm keine Gewaltaufrufe bekannt sind, scheint das Einreiseverbot unverhältnismässig und einzig dazu angetan, die Stimmung aufzuheizen. Die Botschaft des Predigers an die Muslime, mehr auf die Kultur des Landes zuzugehen, können auch andere überbringen, und wenn sie denn darin besteht, ist sie so unvernünftig nicht. Es ist schwer einzusehen, warum deswegen gleich die innere Ordnung gefährdet sein sollte. Dass Hardliner der Sache aktuell wenig nützen, ist eine andere Geschichte.
Es bleiben Probleme, die gross genug sind. Hat die Mehrheit jener, die das Minarettverbot vor zehn Tagen befürworteten, damit bloss ein Zeichen gegen den Machtanspruch von Fundamentalisten setzen und nicht eine ganze Glaubensgemeinschaft diskriminieren wollen? Wie erfolgt Integration ohne Gleichschaltung? Auch Schweizer Städte leben von der Differenz. Neben dem Weihnachtsverkauf müsste im samstäglichen Bern auch Platz sein für demonstrierende Muslime, die sich durch das Minarettverbot diskriminiert fühlen. Selbst wenn Einzelne von ihnen Meinungen vertreten, die im aufgeklärten Europa des 21. Jahrhunderts skurril erscheinen. Einreiseverbote sind einzig dazu geeignet, Märtyrer zu schaffen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.12.2009, 04:00 Uhr
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Pierre Vogel hat keine radikaleren Ansichten, als was so mancher Freikirchen-Prediger von sich gibt. Zudem lehnt er Gewalt ab. Hätte man ihn auftreten lassen, wüsste man, was seine Botschaft wäre. Auch Genozid-Verharmloser Dogu Perincek konnte ohne grössere Umstände einreisen. In beiden Fällen bürgt jedoch das StGB und der Rechtsstaat dafür, dass Beleidigungen oder Volksverhetzung geahndet werden. Antworten





