Meinung

Boni-Regeln bitter nötig

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 03.06.2009 1 Kommentar
Bruno Schletti.

Bruno Schletti.

Politisch verständlich, aber unnötig – kommentiert der Schweizerische Versicherungsverband das Regelwerk, mit dem die Finanzaufsichtsbehörde Finma den Bonusirrsinn in vernünftige Bahnen lenken will.

Politisch verständlich und bitter nötig – muss dem entgegengehalten werden. Auch einige Schweizer Banken haben den Beweis erbracht, dass sie nicht willens oder nicht fähig sind, die Geister, die sie riefen, zu kontrollieren.

Sie haben Vergütungssysteme konstruiert, die Anreize mit verheerenden Auswirkungen schafften – nämlich Risiken, die nicht mehr beherrschbar waren. Sie haben damit nicht nur die Finanzkrise mitausgelöst, sondern einen der schlimmsten Wirtschaftseinbrüche überhaupt.

Kritik an diesen Anreizsystemen fegten die Banker vom Tisch. Die Kritiker stempelten sie als Neider ab. Zwei Jahre dauert nun die Krise. Ein ernst zu nehmender Selbstregulierungsvorschlag, um das Problem anzugehen, wurde von der Branche nicht einmal geprüft.

Die Finma tut jetzt das, was sie in dieser Situation tun musste: Sie verpasst der Schweizer Finanzgemeinde jene Anstandsregeln, welche diese nicht willens war zu befolgen. Wer schamlos abkassiert, was er nicht nachhaltig erwirtschaftet hat, muss irgendwann dafür geradestehen.

Der Finma zu unterstellen, sie gebe dem politischen Druck nach, zielt daneben. Genau dem widersteht die Behörde, indem sie nicht – populistisch auf die Strasse schielend – eine obere Vergütungsgrenze festlegt. Stattdessen schreibt sie vor, was jede Bank längst hätte verinnerlichen müssen: Sie verknüpft die Auszahlung von Boni mit dem langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Und mindestens so wichtig: Sie stellt das Anreizsystem vom Kopf auf die Füsse. Fahrlässig hohe Risiken sollen nicht mehr belohnt werden. Wer (zu) hohe Risiken eingeht, soll das am entsprechend tieferen Bonus zu spüren bekommen.

Die Stunde der Wahrheit kommt aber erst. Die Unbelehrbaren liegen auf der Lauer, um das Regelwerk der Finma zu zerzausen. Jetzt wird sich zeigen, wie standfest und unabhängig der viel kritisierte Finma-Präsident Eugen Haltiner wirklich ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.06.2009, 23:48 Uhr

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1 Kommentar

Hans Otto Luternauer

06.06.2009, 12:54 Uhr
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Herr Schletti sieht das richtig. Für die Finma ist es die Nagelprobe. Die Bevölkerung schaut genau hin. Banker werden momentan als Volkschädlinge angesehen. Dass diese beruflichen Pfeifen die Welt in ein Chaos stürzen und sich auch noch daran bereichern können, schafft Raum für eine Radikalisierung der Basis. Antworten