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Brillen statt Globuli!

Von Hugo Stamm. Aktualisiert am 14.01.2011 3 Kommentare

Hugo Stamm.

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Bundesrat Didier Burkhalter ist für die Anhänger alternativer Heilmethoden ein Held. Gegen den Willen seiner Expertenkommission hat er fünf Disziplinen wieder in den Katalog jener Therapien aufgenommen, die von der Grundversicherung übernommen werden müssen. Burkhalter ritzt damit das Gesetz, wonach Therapien wirksam sein müssen. Denn einen wissenschaftlichen Nachweis dafür konnten die Alternativmediziner bis heute nicht erbringen.

Ob der Entscheid aus gesundheitspolitischen Gründen sinnvoll ist, muss auch bezweifelt werden. Er hat den Wildwuchs im 60 Milliarden teuren Gesundheitswesen weiter verschärft. Es mutet inzwischen willkürlich an, welche Leistungen die Krankenkassen erbringen müssen.

Ein Beispiel: Vor wenigen Wochen hat Burkhalter verkündet, der Kostenbeitrag an Brillen werde ab sofort gestrichen. Fehlsichtigkeit sei keine Krankheit, sondern beeinträchtige lediglich eine Körperfunktion.

Das ist absurd. Wer unter Kurz- oder Weitsichtigkeit leidet, ist mehr als nur etwas beeinträchtigt. Nimmt man Personen schon bei einer mittleren Sehschwäche die Brille weg, wird das Leben zur Qual. Ohne klaren Blick lässt sich der Alltag nicht bewältigen.

Ausserdem ist die Argumentation fadenscheinig, denn Sehhilfen sind die effizientesten Präventionsgeräte – sie helfen Unfälle verhindern. Nach burkhaltscher Lesart wäre auch die Hörbehinderung lediglich eine Beeinträchtigung einer Körperfunktion. Doch die Kosten für Hörgeräte übernehmen die Krankenkassen anstandslos.

Gesundheitspolitiker verteidigen die alternativen Heilmethoden weiter mit dem Argument, die Kosten seien mit 50 Millionen Franken gering. Bei den Brillen ist es nicht anders: Konservative Einschätzungen gehen von lediglich 40 Millionen aus.

Das Gesundheitsdepartement sollte dringend differenziertere und nachvollziehbare Grundlagen schaffen, um zu entscheiden, nach welchen Kriterien die Kassen Leistungen übernehmen müssen. Sonst verschärft sich der Zorn der prämiengeplagten Konsumenten weiter. Denn es kann nicht sein, dass homöopathische Kügelchen, deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist, bezahlt werden – Brillen hingegen nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2011, 22:37 Uhr

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3 Kommentare

Martina Näf

14.01.2011, 11:25 Uhr
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So sehe ich das auch. Einfach absurd. Als stark kurzsichtige Frau - der erste Griff am Morgen ist zur Brille - kann ich diesen Entscheid einfach nicht nachvollziehen. Antworten


Claude Gütlin

16.01.2011, 15:44 Uhr
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Sie haben ja soo Recht! Aber Rechthaben nützt einem bekanntlich nicht viel. Wir Brillenabhängige sollten unsere gebrauchten Etuis überall liegen lassen und alte Mütterleins auf dem Kirchgang überfallen! Antworten