Meinung

Bubenschule ist nicht nötig

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 30.06.2009 5 Kommentare

Liliane Minor

Liliane Minor

Seit Jahren geistert die Klage herum: Die Schule werde den Bedürfnissen der Buben nicht gerecht, sie könnten ihre Stärken zu wenig einbringen. Nun scheint eine neue Studie dies zu bestätigen. Sie zeigt, dass von der Intelligenz her gleich viele Buben wie Mädchen ins Gymi müssten – mindestens. In der Realität sind die Mädchen aber in der Überzahl.

Deswegen eine bubengerechtere Prüfung zu fordern, ist dennoch falsch. Wer die Aufnahmeprüfung trotz genügender Intelligenz nicht schafft, für den ist eine so kopflastige Schule nicht der richtige Weg. Das gilt auch für jene, die das Gymnasium später – freiwillig oder unfreiwillig – wieder verlassen, obwohl sie klug genug wären. Daran ändert auch ein zusätzlicher Intelligenztest bei der Aufnahmeprüfung nichts.

Unnötig ist auch der Ruf nach einem bubengerechteren Unterricht. Ein Blick ins reale Wirtschaftsleben zeigt, dass die meisten Jungs als erwachsene Männer ihre tatsächlich oder angeblich schlechteren Schulchancen problemlos auszugleichen wissen: Noch immer verdienen Männer mehr als Frauen, noch immer sind weniger Frauen als Männer in Kaderpositionen.

Das liegt auch daran, dass den Schülern heute viel mehr Wege zu einer akademischen Bildung offen stehen: Neben der traditionellen Gymikarriere gibt es die Möglichkeit der Berufsmaturität, die den Weg zum gut ausgebauten Netz von Fachhochschulen ebnet. Gerade für schulmüde Jugendliche ist dies die bessere Option als eine vermurkste, erzwungene Zeit am Gymnasium.

So gesehen ist unser Bildungssystem bereits bubengerecht: Es öffnet heute auch jenen einen Weg, die nicht mehr nur büffeln mögen, sondern lieber etwas Konkreteres anpacken. Und das sind, wie die Studie zeigt, in der Regel die Buben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2009, 23:18 Uhr

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5 Kommentare

Christian Heier

02.07.2009, 10:44 Uhr
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Dass Männer mehr verdienen als Frauen und häufiger in Führungspositionen zu finden sind, kann doch kein Grund sein, Jungen in der Schule nicht stärker zu fördern. Die können doch nichts dafür, dass Frauen weniger Lust haben, Karriere zu machen und sich mit schlecht bezahlten Berufen zu begnügen. So etwas überhaupt zu äußern, ist zynisch und im Kern sogar sexistisch. Antworten


Werner Müller

01.07.2009, 22:01 Uhr
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Je grösser der Lehrerinnenanteil in der Schule, desto geringer ist der Bubenanteil am Abitur. Das sollte den feministischen Müttern von Söhnen zu denken geben. Und wer mir erklären kann, wozu eine Frauenbeauftragte in der Grundschule (99 Prozent Frauenanteil) nötig ist bekommt sicher den Gender-Nobelpreis am Bande. Antworten


Elmar Elmar Bertschinger

01.07.2009, 18:53 Uhr
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Der Artikel geht meiner Meinung nach nur auf intellektuelle Fähigkeiten und Berufswege ein. Ich finde, der erzieherische Umgang zu Themen wie Raufen, Erobern und Probleme lösen ist bei Lehrerinnen anders als bei Lehrern. Wenn da Lehrerinnen nur ihre - oft sehr harmonische und friedfertige Sichtweise - einbringen, wird dies den Knaben nicht gerecht. Entsprechend umgekehrt natürlich auch. Antworten


Fredy Rüegg

01.07.2009, 14:45 Uhr
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Der Titel über dem Kommentar ist falsch. Ich gehe mit der Textaussage einig, es braucht keine "bubengerechtere Prüfung". Aber die Bubenschule ist überfällig. Der grosse Teil der Knaben vertrödelt die Schuljahre der Oberstufe, verliert die Lernmotivation und hat am Ende der Schulzeit das Lernen satt. DIe Klage über Disziplinlosigkeit hat auch mit diesem Gefühl der Leere zu tun. Antworten


Marcel Zufferey

01.07.2009, 07:11 Uhr
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Ein guter Artikel- unser Bildungssystem lässt eine vergleichsweise entspannte Lebensplanung für alle zu, sowohl für Buben als auch Mädchen; für solche, die erst spät den Knopf aufmachen- und solche, die's erst später raffen. Was die unterschiedelichen Löhne und die Untervertretung der Frauen in Führungspositionen anbelangt- da sind die Gründe wohl vielfältiger, als uns dieser Artikel impliziert. Antworten



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