Bürokratie frisst zu viel Energie
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 04.01.2010 9 Kommentare
Daniel Schneebeli.
Und wieder liegt eine Studie auf dem Tisch, welche die Überlastung der Lehrerinnen und Lehrer aufzeigt. Wirklich überraschen kann das Resultat nicht, denn es basiert auf der Befragung von betroffenen Lehrpersonen. Ähnliche Umfragen in anderen Berufen ergäben ähnliche Ergebnisse. Also, kein Grund zur Panik – überlastet ist heute jeder, der danach gefragt wird.
Dennoch wäre es falsch, achtlos über die Studie hinwegzusehen. Die Volksschule steht in einem Veränderungsprozess wie nie zuvor. Das verlangt den Lehrpersonen alles ab. Die Einzelkämpfer von früher müssen Teamplayer werden. Sie sind gleichzeitig Motivatoren, Vorbilder, Beurteiler und Erzieher. Und sie sollen die modernen Kommunikationsmittel beherrschen und nutzen, sobald sie auf dem Markt sind. Um diese Herkulesaufgabe zu meistern, ist bei den Lehrkräften nicht unendlich Energie vorhanden. Die Schulverantwortlichen sollten diesen Hinweis ernst nehmen, immerhin vertrauen wir den Lehrpersonen unsere Kinder an.
Abstand nehmen sollten wir auch vom alten Vorurteil, Lehrer würden ihren Beruf nur wegen der 13 Ferienwochen ausüben. Solche Unterstellungen setzen ihnen zu. Ausserdem ist es gemäss deutschen Studien bewiesen, dass Menschen in anderen Berufen tendenziell fauler sind als Lehrerinnen und Lehrer. Doch wie soll man sie entlasten? Sie selber verlangen weniger Unterrichtszeit. Doch das Hauptproblem ist die Bürokratisierung der Schule. Befragungen, Konzepte, Projekte, Absprachen. Sie fressen zu viel Energie. Administrative Tätigkeiten müssen auf ein Minimum beschränkt werden, und anspruchsvolle Schulreformen dürfen nicht ständig von neuen Projekten überlagert werden. Die Forderung nach tieferen Unterrichtspensen ist zwar nachvollziehbar, aber angesichts der Finanzlage unrealistisch – und sie behebt das Hauptproblem nicht.
Die wirksamste Entlastung wird sich jede Lehrperson am besten selber verschaffen, indem sie mehr Prioritäten setzt und Aufgaben zweiter Priorität im Notfall zurückstellt. Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner, empfiehlt der österreichische Starautor Josef Kirschner. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.01.2010, 04:00 Uhr
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Mir kommen die Tränen !! Die armen Lehrer müssen pro Woche 28 Lektionen à 50 Minuten geben und haben dabei nur 13 Wochen Ferien und verdienen nur ca. CHF 100'000 pro Jahr !! Alle diese unzufriedenen Lehrer sollten während 2 Jahren einem handwerklichen Beruf nachgehen, danach können sie sich wieder in ihren Elfenbeinturm zurückziehen, die armen, geplagten, unverstandenen und überlasteten Lehrer. Antworten
@ Heinz Butz: Sie haben wohl recht für eine kleine Minderheit der Minimalisten. Der Mehrheit jedoch tun Sie Unrecht. Denken Sie denn, die Vorbereitung der 28 Lektionen benötige keine Vorbereitung?Und die vielen Debatten mit Eltern, über Schulreformen, Fortbildung,? Die psychische Belastung wegen Gewalt, schwieriger Schüler und Eltern? Ich bin kein Lehrer, kenne aber die Situation. Antworten





