Cisalpino ist gescheitert
Von René Lenzin. Aktualisiert am 15.07.2009 2 Kommentare
Der neue Neigezug, den die Cisalpino AG heute offiziell vorstellt, ist ein komplexes Produkt: Er muss schnell durch enge Kurven fahren, die unterschiedlichen Stromsysteme der Schweiz und Italiens bewältigen und mit 250 Stundenkilometern über das italienische Hochgeschwindigkeitsnetz flitzen.
Inzwischen muss man nüchtern feststellen: Für eine Gesellschaft wie Cisalpino ist dieses Projekt zu komplex. Seit fast zwei Jahren sollten 14 dieser neuen Züge Fahrgäste von Basel, Bern, Genf und Zürich nach Italien bringen. Nun fahren endlich die ersten zwei auf der Strecke Genf–Mailand, aber auf der Gotthardlinie werden sie vermutlich gar nie zum Einsatz kommen. Für viele Bahnkunden geht der Ärger also weiter. Statt in modernen und zuverlässigen Zügen zu reisen, müssen sie weiter mit pannenanfälligen Neigezügen und einem improvisierten Betrieb mit unvorhergesehenen Umsteigehalten vorliebnehmen.
Für einen Teil dieser Probleme muss die Cisalpino AG die Verantwortung übernehmen. Sie hat den Betrieb der bisherigen Neigezüge nie in den Griff bekommen. Und sie hat zu früh hohe Erwartungen an die neuen Züge geweckt.
Aber sie ist auch das Opfer einer unmöglichen Konstruktion. Cisalpino kann nicht besser sein, als es die gleichberechtigten Muttergesellschaften SBB und Trenitalia zulassen. Solange die beiden Bahnen national denken, können solche internationalen Kooperationen nicht funktionieren. In Italien hat Cisalpino sowieso nur dritte oder vierte Priorität. Aber auch den SBB ist im Zweifelsfall der eigene Fahrplan wichtiger als der internationale Verkehr.
Zur mangelnden Kooperationsbereitschaft kommen die unterschiedlichen Betriebskulturen. Bereits beim Güterverkehr hat sich gezeigt, dass geteilte Verantwortung zwischen SBB und Trenitalia nicht funktionieren kann. Wollen die SBB internationale Verbindungen aus einem Guss und nach ihren Qualitätsvorstellungen anbieten, gibt es nur eine Lösung: Sie müssen in Eigenregie nach Italien fahren, sobald es die Öffnung des Schienenverkehrs zulässt. Selbstverständlich wird ihnen Trenitalia alle möglichen Steine in den Weg legen. Aber schlimmer als heute kann es nicht werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.07.2009, 23:49 Uhr
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2 Kommentare
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So, jetzt reichts mit dem Theater! Jetzt gibts nur noch eines: Cisalpino auflössen, alten Züge verkaufen, die neuen Schrottzüge Alstom in den Hof stellen, bereits geleistete Zahlungen zurückfordern, eine Schadenersatzklage für die Umtriebe einreichen und dem Fahrgast als Ersatz IC-Verbindungen mit guten Anschlüssen in Chiasso anbieten. Lieber einen langsamen Zug, dafür einen der funktioniert. Antworten
Die Verantwortung trägt die SBB. Sie hat die Züge gekauft, sie hat die miserablen Verträge mit Trenitalia unterzeichnet. (keine SBB Züge dürfen nach Italien fahren). Das SBB Management ist verstaubt andere Bahnen der TEE vereinigung sind da viel weiter. Antworten





