Das Gewissen hat keine Ferien
Von Res Strehle. Aktualisiert am 20.08.2009 1 Kommentar
Res Strehle
Gut zu wissen, dass sich in dieser Welt auch ein paar Dinge zum Besseren wenden. Zum Beispiel, dass Moral nicht nur ein Thema für Kirchenkanzeln ist oder für Lehrstühle in Philosophie, sondern auch für Reiseveranstalter. Kuoni und neuerdings auch Hotelplan wollen ihre Gäste künftig nicht mehr in Hotels lotsen, in denen Kinder, statt zur Schule zu gehen, sich tagelang abrackern müssen.
Das ist ein kleiner und zugleich ein grosser Schritt. Ein kleiner, weil Kinderarbeit im Tourismus nicht gänzlich geächtet wird, sondern nur in ihrer ausbeuterischen Form: Gemäss den Standards des neuen Labels müssen Kinder neben ihrer Erwerbsarbeit einen kostenlosen Zugang zu einer Schule haben. Sie müssen für ihre Arbeit angemessen entlöhnt werden. Die Kindheit darf ihnen nicht geraubt werden. Und sie dürfen durch die Arbeit keine gesundheitlichen, moralischen oder sozialen Schäden erleiden.
Ein grosser Schritt ist es für die Dienstleistungsbranche. Erstmals werden nun die Richtlinien des fairen Handels auch von ihr übernommen. Eigentlich erstaunlich, dass es so lange ging, bis die Konsumentinnen und Konsumenten nach den Hühnern, Bananen, Fussbällen und T-Shirts nun auch das Wohl des Kindes auf ihren Ferienreisen entdeckten. Dabei hat Reisen mit unbeschwerter Freizeit, Neugierde, Entdeckung und Entspannung zu tun. Hier die Augen vor Unrecht nicht zu verschliessen, müsste eine Reise nochmals zu einem ganz anderen Erlebnis machen.
Mit dem aktuellen Schritt zu einem breit abgestützten Label für nachhaltigen Tourismus ist erst der halbe Weg zurückgelegt. Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit solcher Etiketts hängen von den Details ab: Wird auch tatsächlich kontrolliert, was jetzt vereinbart wurde? Haben die Kontrolleure unangemeldet Zugang zu Hotelküchen und -wäschereien? Erst ein strenges und unabhängiges Monitoring, ähnlich wie beim Biolabel, wird den nachhaltigen Tourismus schaffen.
Der Reisende wird es mit einem guten Gewissen verdanken. Und darob den Traum nicht verlieren, es werde dereinst eine noch bessere Welt geben: eine Welt ganz ohne Kinderarbeit. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.08.2009, 22:54 Uhr




Natalie Stimac
Wie heisst das Label? Welche Organisation steht dahinter und wird die Standards überwachen? Auf der Website von Kuoni und Hotelplan steht nichts von dieser Initiative. Bei Fairtrade geht es ja nicht nur um Kinderarbeit, sondern um Arbeitsbedingungen im Generellen für alle Angestellten, die in Entwicklungsländer oft sehr prekär sind. Auch ökonomische und ökologische Aspekte sind zu berücksichtigen. Antworten