Meinung

Der Polemiker ging zu weit

Von René Staubli. Aktualisiert am 30.08.2010 11 Kommentare

René Staubli.

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Bis Samstag konnte man sich für den deutschen SPD-Politiker und Bundesbanker Thilo Sarrazin verwenden, dessen Buch «Deutschland schafft sich ab» heute erscheint. Er vergriff sich zwar im Ton, wenn er sagte, muslimische Migranten produzierten nichts als «ständig neue kleine Kopftuchmädchen». Irritierend war aber auch, wie viele Deutsche sich entsetzten, ohne sich mit Sarrazins Vorschlägen zur Integration inhaltlich auseinanderzusetzen.

Was sagte Sarrazin? Es sei das Recht einer jeden Gesellschaft, selbst zu entscheiden, wen sie aufnehmen wolle. Neuankömmlinge mit legalem Aufenthaltsstatus seien in Deutschland willkommen – vorausgesetzt, dass sie die Landessprache lernen, sich um Arbeit bemühen, ihre Kinder zur Schule schicken, sich an die Gesetze halten und die üblichen Sitten und Gebräuche respektieren.

Sarrazin legte den Finger auf den wunden Punkt: Migranten mit einer niedrigen beruflichen Qualifikation hätten reduzierte Chancen auf eine ausreichend bezahlte Arbeit. Je geringer die Chancen auf dem Arbeitsmarkt aber seien, umso attraktiver werde es, Sozialleistungen zu beziehen. Wer in Deutschland einen legalen Aufenthaltsstatus erreiche, sichere sich allein durch die Sozialleistungen «ohne Arbeit ein Einkommen, das weit über dem liegt, was er im Herkunftsland mit Arbeit erreichen könnte». Das sei ein falscher Anreiz.

Sarrazin schlug unter anderem zwei Massnahmen vor: Erwerbsfähige, die vom Staat finanzielle Unterstützung erhalten, leisten gemeinnützige Arbeit oder besuchen, falls nötig, Sprachkurse. Wer schwänzt, bekommt weniger Arbeitslosengeld. Und: Kinder ab dem dritten Lebensjahr müssen den Kindergarten besuchen, wo ausschliesslich Deutsch gesprochen wird. Dies dient ihrer Integration. Nichtbesuch führt zu Abzügen beim Kindergeld.

Das sind bedenkenswerte Überlegungen. Doch der Mann, der sie anstellt, hat seine Glaubwürdigkeit verspielt. Gestern sagte er in einem Interview mit der «Welt am Sonntag»: «Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.» Sarrazin schob nach, er sei kein Rassist. Für jemanden, der auf dieser Ebene provoziert, kann man sich nicht mehr verwenden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2010, 23:09 Uhr

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11 Kommentare

Abdel Thuma

30.08.2010, 09:28 Uhr
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Das Skandalöse an der ganzen Sache ist nicht der eine Satz mit dem Gen, sondern die Hexenjagd, mit der versucht wird, Herrn Sarrazin mundtot zu machen. Ob der Schuss der politisch Korrekten nicht nach hinten losgeht? Bessere Werbung für sein Buch kann sich Sarrazin auf jeden Fall nicht erhoffen. Antworten


Hans Müller

30.08.2010, 10:56 Uhr
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Die Tatsache in Sarrazins Satz wird zum Beispiel benutzt bei der genetischen Ahnenforschung. Igenea wirbt damit. Wer aus der Aussage etwas Negatives heraushört, der hört Stimmen und sagt etwas über seinen eignen Antisemitismus. (Hat der Autor das Original gelesen? Wohl kaum.) Antworten