Die Bedrohung spricht gegen neue Kampfjets
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 12.10.2009 7 Kommentare
Patrick Feuz
Der rasche Kauf neuer Kampfflugzeuge verliert bis ins bürgerliche Lager hinein an Schub. Manche Politiker verweisen seufzend auf den Sparzwang im Zuge der Wirtschaftskrise und äussern mit ernster Miene Bedauern. Es ist zwar erfreulich, wenn Volksvertreter sorgsam mit unserem Steuergeld umgehen. Aber eigentlich ist das knappe Geld ein schlechtes Argument gegen neue Kampfjets. Denn wer nur finanziell argumentiert, drückt sich um die Kernfrage, ob die Schweiz überhaupt neue Flugzeuge braucht.
Zuerst sagte die Luftwaffe, sie brauche 33 neue Maschinen, um die Sicherheit des Landes zu garantieren. Später legte sie die unterste Grenze bei 22 fest. Jetzt sagen der Luftwaffe wohlgesinnte Politiker, auch 11 seien ein vertretbares Minimum. Spätestens hier spielt unfreiwillige Ironie mit: Wer für den Kauf so weniger Flugzeuge eintritt, liegt näher bei den Vorstellungen der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) als bei der Anfangsforderung der Luftwaffe.
Die dehnbare Haltung jener, die einen raschen Jet-Kauf befürworten, verstärkt den Eindruck, dass die Diskussion bisher zu stark von den Wünschen der Luftwaffe geprägt war: Eine grössere Flotte bedeutet bessere Karriereperspektiven; neues Fluggerät lässt die Herzen der Piloten höherschlagen. Jetzt ist es aber an der Zeit, die Frage der Notwendigkeit ehrlich zu beantworten. Nach menschlichem Ermessen reichen die vorhandenen 33 F/A-18-Kampfjets noch viele Jahre aus, damit die Luftwaffe den Luftpolizeidienst seriös erfüllen kann. In absehbarer Zeit ist kein plausibles Szenario vorstellbar, in dem die Luftwaffe feindliche Kampfjets abwehren und monatelang rund um die Uhr einsatzfähig sein muss – EU und Nato müssten auseinanderbrechen und Europa im Chaos versinken. Über die Bedrohungslage sollte die Politik jetzt also reden statt nur übers Geld. Auch wer für eine Schweiz mit Armee ist, kann dabei für einmal zu gleichen Schlüssen kommen wie die GSoA. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.10.2009, 08:33 Uhr
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7 Kommentare
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Es gibt viele Ereignisse, die nicht voraussehbar sind und eine einsatzfähige Armee bedingen. Der Ausbruch eines Supervulkans, Meteoriten, plötzliche Nahrungsmittelknappheit etc. etc. Bedrohung als Ganzes ist nicht berechenbar. Und es kam schon oft vor, dass man aus gefühlter Sicherheit beim Militär sparte. Völker sind so zugrunde gegangen. Antworten





