Meinung

Die Besten nicht bremsen

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 23.09.2009 2 Kommentare
Liliane Minor.

Liliane Minor.

Unter Lehrbetrieben galt bis jetzt pro forma eine freiwillige Vereinbarung: Vor dem 1. November wird kein Lehrvertrag unterschrieben. Jetzt ist die Vereinbarung vom Tisch. Und schon fürchten Politiker einen unerwünschten Run auf die besten Sek-Schüler.

Das ist Populismus pur. Denn die Vereinbarung wird seit Jahren unterlaufen – aus guten Gründen. Es ist legitim, dass Lehrbetriebe sich jene Jugendlichen aussuchen, die ihren Anforderungen entsprechen. Schliesslich investieren sie einiges in deren Ausbildung. Und es ist nicht sinnvoll, jene zu bremsen, die diese Anforderungen erfüllen.

Auch die Befürchtung, dass die Schüler sich nun noch früher auf Lehrstellensuche machen müssen, ist kaum gerechtfertigt. Es ist schon lange üblich, dass die Schüler in der zweiten Sek schnuppern gehen. Wer sich gut verkaufte, der erhielt bisher keinen Lehrvertrag, aber eine Zusicherung dafür. Letztlich läuft das aufs selbe hinaus. Diese frühe Selektion werden die Firmen wohl nicht noch weiter nach vorne schieben. Das würde ihnen nicht viel bringen, denn Teenager verändern sich schnell. Und die Firmen wollen wissen, wen sie einstellen.

Auf der anderen Seite zeigt die Praxis schon heute, dass die frühe Selektion nicht zwingend bedeutet, dass die schwächeren Schüler auf der Strecke bleiben. Sie haben Zeit genug, eine Stelle zu finden. Auch kurz vor Lehrbeginn werden noch Verträge unterschrieben.

Wer Schwachen helfen will, der muss sie gezielt und individuell fördern. Dafür ist das vom Kanton neu initiierte Case Management der bessere Ansatz. Einem freiwilligen Abkommen nachzuweinen, das nicht eingehalten wird, die Guten bremst und den Schwachen nichts bringt, ist hingegen verfehlt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2009, 08:54 Uhr

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2 Kommentare

Yves Mundorff

23.09.2009, 09:31 Uhr
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Finde ich gut. Das ist doch einfach Belohnung für die sehr gute Leistung gewisser Teenager. Wer sich seinen Arbeitgeber und den Beruf aussuchen möchte, der muss sich in der Schule mehr anstrengen. Meiner Meinung nach ist der Erfolg in der Schule meistens direkt proportional zum Arbeitsaufwand, der Zusätzlich erbracht wird. Weniger Fernsehen und Computer-Spiele und mehr für die Schule = gute Lehre. Antworten


Caroline Tschäppät

23.09.2009, 10:51 Uhr
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Die Guten werden ja auch im November noch belohnt. Die werden ja nicht schlechter. Aber der November würde den "Schlechteren" noch ein wenig Zeit geben sich schulisch zu verbessern und so evt. doch noch eine von den Super-Lehrstellen zu finden. Antworten