Meinung

Die SBB sollen für Verspätungen zahlen

«Ein verpasster Anschluss interessiert die SBB, was Entschädigungen betrifft, nicht. Damit fehlt ein entscheidender finanzieller Anreiz, damit sich die SBB mehr anstrengen, Verspätungen zu vermeiden.»

Andreas Valda.

Andreas Valda.

Jeder Fahrplanwechsel des öffentlichen Verkehrs gibt Anlass zu Änderungen. Diesmal setzen die SBB den Akzent auf Fahrgast-Erziehung. Mehr Anstand, weniger Lärm, mehr Klassendisziplin und weniger Aggressionen stehen im Fokus. Diese Ziele in Ehren, doch wann schaffen die Schweizerischen Bundesbahnen Fahrgast-Rechte?

Technisch gesehen sind Billette nach wie vor Transportgutscheine. Man darf mitfahren. Aber wie pünktlich müssen die Züge sein? Das Transportgesetz stellt in der Verordnung einzig fest: «Wer seine Reise nicht gleichentags fortsetzen kann, hat Anrecht auf Ersatz der entstandenen Unkosten, höchstens jedoch für eine Übernachtung mit Frühstück.» Wenn der Reisende den Anspruch nicht «unverzüglich» meldet, verliert er ihn.

«Hallo!?», pflegen die Deutschen zu sagen. «Diese Regelung klingt nicht gerade kundenfreundlich», bemerkt die Blogger-Seite Schweizwochen.de zu Recht und fragt: «Denn wann kommt es schon vor, dass man seine Reise nicht am selben Tag fortsetzen kann?»

In Deutschland erhält jeder Fahrgast 20 Prozent des Fahrpreises erstattet, wenn er das Fahrziel um eine Stunde zu spät erreicht. Diese Regelung gilt «über die gesamte Reisekette im Fernverkehr». Das heisst, selbst wenn ein Zug nur um 7 Minuten verspätet ankommt, aber die Anschlusszüge schon weg sind und man die Reise erst in einer Stunde fortsetzen kann, muss die Deutsche Bahn Entschädigungen zahlen. Bei ICE genügen sogar 30 Minuten Verspätung für eine Strafzahlung.

Nicht so in der Schweiz. Die SBB kennen bloss einen sogenannten Sorry-Gutschein von 10 (2. Klasse) und 15 Franken (1. Klasse) - und nur bei Verspätungen eines Zuges «von über 1 Stunde», die «vor Ort» verteilt werden. Der erprobte Fernreisende weiss, dass es selten dazu kommt. Ein verpasster Anschluss interessiert die SBB, was Entschädigungen betrifft, nicht.

Damit fehlt ein entscheidender finanzieller Anreiz, damit sich die SBB mehr anstrengen, Verspätungen zu vermeiden. Anders ist es im regionalen Netz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV). Um keinen Malus zu bekommen, müssen die vom ZVV beauftragten SBB eine gewisse, durchschnittliche Pünktlichkeit erreichen. 2006 zahlten sie für nicht erreichte Ziele 1,75 Millionen Franken Strafe. Danach strengten sie sich offenbar an. 2007 war die Pünktlichkeit zumindest «genügend». Kein Malus. Für einen Bonus reichte es aber noch nicht.

Es geht also. Wieso auch nicht im Fernverkehr? Immerhin: Die SBB signalisieren Bereitschaft: «Wir sind offen für Bonus-Malus-Systeme, wie es mit dem ZVV beispielhaft besteht. Dies kann ein wirksames Mittel sein, um uns zu noch besseren Leistungen und mehr Zuverlässigkeit anzuspornen», meint Sprecher Roland Binz. Diese Bereitschaft sollte der Bundesrat nutzen, um die Ansprüche an die SBB höherzuschrauben, sie also zu höheren Entschädigungen für Verspätungen zu zwingen.

Das würde nach der Disziplin der Fahrgäste auch jene der SBB stärken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.12.2008, 09:29 Uhr

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19 Kommentare

Rudolf Grether

15.12.2010, 16:36 Uhr
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Beerdigung verpasst, am 14.12.2010 reiste ich mit dem Zug IC 572 von Chur nach Zürich Abfahrt 10.09 Uhr ab Chur der Zug ist pünktlich abgefahren. Von Pfäffikon SZ an habe ich als Fahrgast Probleme festgestellt (Langsamfahrt). In Horgen wurde eine Bremsprobe angeortnet Frage: Warum? Dadurch erhielt der Zug 6 Min. Verspätung um genau 12.29 Uhr ist der Zug in Zch HB der Anschl. nach Olten war weg Antworten


ein Chauffeur

07.02.2009, 17:19 Uhr
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Das ist schon ein tolles System das Bonus Malus, wenn es dann nur realistisch und fair angewandt wird. Ich selbst bin Postauto Chauffeur, gebe mir jeden Tag Mühe alle Fahrgäste zufrieden zu stellen, und sicher, pünktlich und angenehm an Ihr Zielort zu chauffieren.Auch bei uns sind Testkunden unterwegs, mit dem Resultat, dass wenn das Namensschild vergessen wird, man schon im Malus ist, gerecht ? Antworten


Peter Steiner

18.12.2008, 13:08 Uhr
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Viele wichtige Ziele sind ab Basel häufig durch Umsteigen am schnellsten zu erreichen (bzw. es gibt kaum umsteigfreie Verbindungen), im Gegensatz zu Zürich. Erneut wird in erster Linie der Knoten Zürich bevorzugt behandelt. Übrigens: Zugpersonal ist sehr rar, und Schalter abends häufig geschlossen. Wie fordere ich die Entschädigung ein, wenn nicht einmal im IC Personal in Reichweite ist? Antworten


Studer Markus

18.12.2008, 10:30 Uhr
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gestern bin ich bei Schneetreiben gerne vom Auto in den Zug umgestiegen - er hatte 4 Minuten Verspätung. Im Vergleich zu den 90 Min Verspätung meines Kollegen im Stau Richtung Bern ist das eine hervorragende Leistung. Wenn die Schweizerpresse die Deutschen in Sachen Qualität (und Pünktlichkeit gehört dazu) als Referenz nimmt kriegen wir vermutlich ein Image Problem. Antworten


Immanuel Felder

17.12.2008, 23:03 Uhr
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Next: Ein Malussystem für die Verkehrsplaner. CHF x pro Minute Staustehen. Satelliten protokollieren, Google speichert, eine hochglaubwürdig-automatische Instanz verrechnet fahrerischen Leumund der Stauer, planerische Leumunde, Naturereignisfaktoren, spuckt personifizierte Planerlöhne und Fahrzeuggebühren, und: Basierend auf der Grundeinheit des Vermögens zermag es Leben zu Quantifizierbarem: CHF. Antworten


Katharina Schneider

17.12.2008, 21:58 Uhr
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Wir 'leiden' auf hohem Niveau und vergessen schnell, welche Mühen und Gelder nötig sind, uns einen solch tollen service publique zu bieten. Wen können wir eigentlich anklagen, wenn wir mit dem Auto zu spät ankommen? Uns selber als Autofahrer beschuldigen wir doch selten. Dann ist das Wetter, die Verkehrssituation, usw. Warum können wir uns nicht auch mal in den Autofahrer SBB versetzen? Antworten


Florian Rohrer

17.12.2008, 18:11 Uhr
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Ach, wer mit der SBB reist hat's wohl gut... Doch wenn man mit der BLS fahren muss weniger! Verspätungen sind an der Tagesordnung und Anschluss kennen die auch nicht. Bahn fahren in der Schweiz ist bestimmt besser als in anderen Ländern aber in der heutigen Zeit kann man es sich nicht mehr leisten später zur Arbeit zu kommen. Die Bahn hat eben keine Konkurrenz. Antworten


Georges Müller

17.12.2008, 18:05 Uhr
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Vor Jahren war ich per Bahn von Sevilla nach Madrid unterwegs. Der Zug hatte einen knappe halbe Stunde Verspätung. ALLE Passagiere erhielten den GANZEN Fahrpreis bar auf die Hand zurück. Das sei so, wenn der Zug mehr als zehn Mnuten Verspätung hatte (und das auf eine Fahrzeit von etwa vier Stunden), wurde mir erklärt. Ich war ziemlich baff. Die Renfe als Vorbild für die SBB? Antworten


Fabian Müller

17.12.2008, 16:01 Uhr
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Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich kenne kein anderes Land der Welt in dem die Züge so pünktlich Fahren wie in der Schweiz. Ein Bonus-Malus System finde ich ausserdem eine schlechte Idee zumal die Kosten dafür auf den Konsumenten überwälzt werden und die Züge kaum pünktlicher fahren würden... Antworten


Armin B Schweizer

17.12.2008, 15:16 Uhr
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Mir waere lieber, wenn vor jeder Abfahrt wieder die im frueheren Staatsbetrieb obligatorische Bremsprobe gemacht wuerde, als einen Zugbegleiter anzuklagen, der die falsche Stellung eines der vielen Bremslufthahnen uebersehen hat, wenns knallt. Die SBB wurde 1902 verstaatlicht, weil neben der Misswirtschaft auch die Sicherheit verluderte. Jetzt wird wieder Profit auf Kosten der Sicherheit maximiert Antworten


Brigitte Walder

17.12.2008, 14:35 Uhr
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Finde ich gemessen am internationalen Standard äusserst übertrieben-im Vergleich zu den angebotenen Verbindungen denke ich, dass die SBB eine sehr gute Leistung zustande bringt ... aber wir leben nunmal in einer absoluten Wohlstandsgesellschaft wo viele mit immer weniger zufrieden sind. Schade, denn es lebt sich wahrscheinlich nur in sehr wenigen Ländern so unbeschwert wie hier in der Schweiz. Antworten


Christoph Alexander

17.12.2008, 14:28 Uhr
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Hat sich mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie umständlich eine Entschädigungsauszahlung wäre? Der administrative Aufwand für die SBB/ZVV ist sicher höher als der Nutzen für den Kunden. Die Entschädigung müsste schon 100% des Billetpreises sein, um interessant zu sein. Dies ist aber unrealistisch. Antworten


Hans Graf

17.12.2008, 13:55 Uhr
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Anstatt einer Entschädigung wäre mir lieber, die SBB würden nicht ständig und happig die Preise erhöhen. Antworten


Bernhard Koye

17.12.2008, 10:52 Uhr
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Prinzipiell ist ein Bonus-/Malus-System eine gute Sache. Was man sich im internationalen Vergleich aber auch vor Augen führen muss, ist die hohe Qualität und überdurchschnittliche Pünktlichkeit der Schweizer Bahnen. Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass wir eine sehr höhe Qualität als normal und einforderbar betrachten - vielleicht sollte man sich über den Status Quo auch einfach mal freuen. Antworten


Markus Huber

17.12.2008, 10:16 Uhr
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Cisalpino > da gibt es ANDERE Gesetze & Standards! schon Jahre der massivsten Verspaetungen - auch die Sicherheit der Zuege ist mangelhaft, der Dreck unvergleichlich, selbst in den SBB-Kompositionen ! wenn Cisalpino den Kunden und wie dem ZVV einen Malus bezahlen muesste, waere Cisalpino schon laengstens total pleite - was fuer die Kunden das BESTE waere ! Antworten


Michi Mahrer

17.12.2008, 09:59 Uhr
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Ein Problem sind natürlich auch die Passagiere selbst. Wie oft halten irgend welche lange die Türen offen, damit noch jemand einsteigen kann. Oder alle möchten am selben Ort einsteigen, obwohl der Zug viele Türen hat. Da kann der Lokführer nicht viel machen und der Zug kann so leicht ein paar Minuten verspätet ankommen. Antworten


Joschi Grün

17.12.2008, 09:55 Uhr
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Ist das nicht ein bisschen hart?Ich benutze viel den Zug und ich stelle immer wieder fest, dass die SBB (im Gegensatz zu anderen internationalen Eisenbahn,schnell mal einen Ersatzzug bereit stellt. Selbst wenn in der naechsten halben Stunde wieder ein Zug fährt. Wir haben ein gutbefahrenes und funktionierendes Streckennetz. Für höhere Gewalt können die Bahnen nichts! Gute Fahrt +frohe Weihnachten! Antworten


Alfred Escher

17.12.2008, 09:48 Uhr
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Das Risiko einer Malus-Lösung müsste schlussendlich miteinkalkuliert werden = höhere Preise. Und hier im Wallis ist es wohl oft möglich, dass man wegen Verspätungen nicht mehr gleichentags nach Hause kommt. Die letzen Verbindungen gehen ja meist um 2100. Die SBB organisierte und zahlte mir sogar eine CHF 150 Taxifahrt, weil ich das letzte Postauto wegen 10 Min Verspätung des ICs verpasste. Bravo! Antworten


Hans Müller

17.12.2008, 09:39 Uhr
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Es nützt mir als Kunde wenig wenn der ZVV einen Malus bekommt. Ich als Kunde ärgere mich und habe die Verspätung. Antworten



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