Meinung

Die Schule ist auf Kurs

Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 08.12.2010 7 Kommentare

Antonio Cortesi

Umfrage

Teilen Sie die Meinung des Autors?

Ja

 
52.9%

Nein

 
47.1%

70 Stimmen


Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten? Die Leistungen der Schweizer Schülerinnen und Schüler haben sich, wie die neuste Pisa-Studie zeigt, seit 2007 auf relativ hohem Niveau eingependelt, mit leichten Fortschritten in den drei Test-Disziplinen. Sorgenkinder bleiben aber die Söhne und Töchter von Emigranten. Und die Schüler aus tiefen sozioökonomischen Schichten.

Dass immer noch jeder sechste Teenager bei der Lektüre eines einfachen Textes nur Bahnhof versteht, ist gravierend – für die Betroffenen und für die Gesellschaft. Diese jungen Menschen werden kaum eine qualifizierte Arbeit finden, und viele werden früher oder später bei den Sozialämtern anklopfen. Das verursacht Kosten zulasten der Allgemeinheit. Und vermindert die Innovationskraft des Landes.

Neu ist hingegen, dass seit 2007 das SVP-Sünneli über der Volksschule aufgegangen ist. Die Partei hat die Schule als Kampfzone entdeckt, erheischt damit viel Aufmerksamkeit und bei den nächsten Wahlen vielleicht mehr Stimmen. Dabei ist der SVP zugutezuhalten, dass sie auch wunde Punkte aufgreift: Der Reformeifer von Bildungsbürokraten hat tatsächlich überbordet und behindert das Kerngeschäft der Lehrer.

Ansonsten bringt die SVP-Sonne aber keine Wärme in die Schulstuben. Mit ihrer Forderung nach mehr Disziplin und Drill zwingt die Partei vorab schwache Schüler in einen Zustand von Angst und Schrecken – wie er in der Paukerschule von anno dazumal herrschte. Das wäre letztlich eine neue Form des Sozialdarwinismus. Die schwachen Schüler, zumeist Emigrantenkinder, würden dabei auf der Strecke bleiben.

Die neue Pisa-Studie zeigt klar: Der Rückfall in die Anker-Stube, mit einem Lehrer, der den Rohrstock schwingt, ist das falsche Rezept. Die Studie bestätigt zwei Konzepte, welche die SVP erbittert bekämpft. Erstens ist der individualisierende Unterricht keine Kuschelpädagogik, sondern führt bei Schülern der Risikogruppe zu besseren Leistungen. Zweitens lesen Kinder besser, die mehr als ein Jahr im Kindergarten waren – eine zentrale Forderung des Harmos-Projekts. Kurzum: Unsere Schule befindet sich auf dem richtigen Kurs. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2010, 22:53 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

7 Kommentare

Roland Stuber

08.12.2010, 07:57 Uhr
Melden

Unserer Scheinregierungspartei geht es ja auch eigentlich gar nie um konstruktive Lösungen von anstehenden Problemen. Sie mögen als korrektives Element nötig sein, nur bei der Umsetzung von fortschrittlichen und gemeinschaftichen Lösungen sind SIE die wahren Analphabeten. Aber vielleicht möchten Sie ja schlecht ausgebildete Unterklassenmenschen? Die könnten Ihnen dann andersweitig nützlich sein... Antworten


Bruno Schnider

08.12.2010, 05:38 Uhr
Melden

Der Begriff "Paukerschule" ist absolut unangebracht. Es scheint leider immer noch trendy, Menschen die Illusion zu vermitteln, dass Wohlstand, aber auch persönliche Zufriedenheit, ohne Anstrengung zu erreichen sei. Der Mensch ist von Natur aus träge: Vor allem Unterschichten-Jungs in der Pubertät "leiden", weil kaum einer sie mit wohlwollendem Druck zur Leistung führt. Habe lange Erfahrung... Antworten