Die Stunde der Neinsager
Aktualisiert am 15.04.2010 1 Kommentar
Florian Keller.
Das Papier ist mit lächelnden Strichmännchen bestückt. Sie stehen einerseits für die Filmemacher – und anderseits für die einzelnen Experten, die ihre Gesuche um Fördergelder des Bundes beurteilen sollen. Doch Freude herrscht nur bei den Männchen auf dem Papier: Die provisorischen Vorschläge zur Schweizer Filmförderung für die nächsten vier Jahre stossen auf erbitterten Widerstand.
Hauptgrund für den Protest: Die Ideenskizze, abgefasst von einer breit abgestützten Arbeitsgruppe des Bundesamts für Kultur (BAK), regt eine Abkehr vom bestehenden Fördermodell an, bei dem die Gesuche für die Herstellung von Filmen von einem mehrköpfigen Ausschuss beurteilt werden. Die Empfehlungen, welche Filme zu fördern wären und welche nicht, sollten künftig nicht mehr in gut schweizerischer Kommissionsarbeit getroffen werden, sondern von einzelnen Experten oder Intendanten.
Neu ist sie nicht, die Idee eines solchen Fördermodells nach dänischem Vorbild. Wie ein Phantom geistert sie seit vielen Jahren durch die Schweizer Filmpolitik. Ins Spiel gebracht wird dieses Modell gerne auch von Filmemachern, die sich von den Kommissionen übergangen fühlen und sich vom System mit einzelnen Intendanten eine transparentere Verteilung der Fördergelder erhoffen. Die Argumente gegen ein Intendantenmodell wie in Dänemark sind vor allem politischer Natur: Die Förderung über Einzelexperten, so wenden die Gegner ein, sei undemokratisch und eigne sich nicht für die föderalistische, mehrsprachige Schweiz. (Ob das demokratische Instrument der Förderkommissionen wirklich auch die bessere Filmkultur hervorbringt, steht wieder auf einem anderen Blatt.)
Bereits hat eine Mehrheit des Verbands der Autoren und Regisseure (ARF) zum Kampf gegen das neue Fördermodell aufgerufen. Befürchtet wird, dass Nicolas Bideau, der umstrittene Filmchef des BAK, dereinst noch stärker Einfluss nehmen und die Schlüsselpositionen der Experten mit Vertrauensleuten besetzen könnte. Das Misstrauen gegenüber Bideau sitzt tief in der Filmbranche. Die meisten ARF-Mitglieder trauen es dem Filmchef des Bundes nicht zu, einen so tiefgreifenden Systemwechsel mit der gebotenen Sorgfalt zu bewerkstelligen.
Die Bedenken der Autoren und Regisseure sind ernst zu nehmen. Nur: Der Aufschrei des Verbands ist voreilig. Bei dem angeregten Fördermodell für den Schweizer Film handelt es sich bislang lediglich um einen provisorischen Vorschlag, der in enger Absprache mit der Filmbranche laufend überarbeitet wird. Mit seinem präventiven Protest gegen ein Fördersystem, für das noch nicht einmal ein offizieller Entwurf vorliegt, setzt der ARF seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Das erweckt den Eindruck, als wollte man die neuen Ideen bereits abschiessen, bevor sie überhaupt auf dem filmpolitischen Parkett verhandelt werden. Die Wortführer des Protests zeigen damit genau jenen Mangel an Gesprächsbereitschaft, den sie sonst gerne dem BAK-Filmchef Bideau vorwerfen.
Wenn sich die Schweizer Filmszene in den letzten Jahren zusehends in verbandspolitischen Scharmützeln aufgerieben hat, so trägt die Reizfigur Bideau sicher eine gehörige Mitschuld daran. Jetzt aber wäre endlich die Gelegenheit, die filmpolitischen Debatten wieder auf einer sachlichen Ebene auszutragen. Die Frage, was ein Intendantenmodell der Schweizer Filmförderung bringen könnte, verdient eine vertiefte Auseinandersetzung. Es ist immerhin die spannendste filmpolitische Frage, die Bideau während seiner bald fünfjährigen Amtszeit lanciert hat.
Erstellt: 14.04.2010, 22:41 Uhr
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Man muss die Förderungsmodelle genau unter die Lupe nehmen. Es geht nicht an, dass mit dem neuen Modell nur noch Mainstream-Filme gefördert werden. Der Zweck von Förderungsgeldern liegt nicht darin, dasjenige zu fördern, was auf dem Markt ohnehin alleine bestehen kann, sondern im Ermöglichen von Experimenten und Nischenprodukten jenseits des Festgefahrenen. Antworten





