Meinung

Die falsche Lösung

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 09.07.2010 3 Kommentare

Daniel Schneebeli

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In der Schweiz ist eben der Notstand ausgerufen worden, weil die Schulen keine Lehrer mehr finden können. Nun fordern die Lehrerverbände fast zeitgleich einen Mastertitel für Kindergärtnerinnen und Primarlehrer, was deren Ausbildung um bis zu zwei Jahre verlängern würde. Eine Massnahme gegen den Lehrermangel ist das wahrlich nicht, im Gegenteil. Die Akademisierung würde den Notstand mittelfristig verschärfen.

Lehrpersonen bezeichnen sich gerne als Schulpraktiker. Sie noch länger in die Schulbank zu zwingen, passt nicht zu ihrem Naturell und würde die Interessenten eher abschrecken als anziehen. Das Prestige des Lehrerberufes muss gehoben werden, vor allem, um wieder mehr Männer in den Beruf zu locken. Das ist unbestritten. Falls akademische Titel dabei tatsächlich helfen, müsste man den Lehrpersonen für drei Praxisjahre einen Master abgeben. Aber nur jenen, die sie erfolgreich bestanden haben.

Eines der Probleme in den Schulen ist, dass viele Lehrpersonen nicht fürs Unterrichten und Erziehen geeignet sind. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen: Die Qualität des Unterrichts korreliert besonders stark mit der Qualität des Lehrers. Wie viel ein Schüler lernt, hängt also wesentlich von seinem Lehrer ab. Weiter zeigen die Studien, dass die Unterschiede zwischen dem Unterricht schlechter und guter Pädagogen riesig sind, obwohl alle die gleichen Ausbildungen absolviert haben. Um die Schule zu verbessern, ist deshalb die Verlängerung der Ausbildung die falsche Lösung.Viel wichtiger wären gute Eignungstests und Verfahren, um ungeeignete Lehr-personen aus dem Schuldienst zu entfernen. Solche fehlen in den allermeisten Kantonen. Wegen überlanger Bewährungsfristen für umstrittene Lehrpersonen bleibt oft nichts anderes übrig, als schlechte Lehrer jahrelang weiterzubeschäftigen. Das darf nicht sein.

Auch darum ist das Bemühen der kantonalen Bildungsdirektoren, mit Quereinsteigern frisches Blut in die Schulenzu bringen, absolut richtig. Diesen werden oft überdurchschnittliche Leistungen attestiert. Vielleicht, weil Lebenserfahrung nirgends so zentral ist wie im Lehrerberuf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.07.2010, 21:31 Uhr

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3 Kommentare

Rolf Bleiker

09.07.2010, 11:53 Uhr
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Wir haben einen generellen Notstand im Ausbildungsunwesen. Zu lange Ausbildungen. Zu wenig Praxis. Zuviel Pseudo-Akademisierung und -Wissenschaftlichkeit. Zum Vorteil von Hochschuladminstratoren, Planern, Qualitätssicherern, Heerscharen von Dozenten, die die "Front" scheuen. Primarlehrer brauchen a)Persönlichkeit, b)wie früher 1-2 Jahre Seminar c) (neu) lebenslang Weiterbildung/Supervision. Antworten


Alexandre Blatter

09.07.2010, 12:58 Uhr
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Mir war schon immer schleierhaft, warum ein Lehrer der 1-3 Klasse eine höhere Ausbildung absolviert haben muss. Hier spielen doch Einfühlungsvermögen und Verständis für die Belange der Kinder eine viel grössere Rolle, als bei einer Gymi-Stuffe. Ich würde eher für eine 4 Jahrige Ausbildung ab 16 Jahren (analog zur Lehre) mit Praktikum und begleitem Unterricht vorschlagen... Antworten