Die neue UBS ist zum Gähnen gut

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 28.07.2010 2 Kommentare

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Bruno Schletti.

Das waren noch Zeiten, als die UBS-Chefs uns Journalisten im Tagesrhythmus Stoff für gute Storys lieferten. Verluste, neue Verluste, immer mehr Verluste. Nicht nur die Milliarden, die sich in Luft auflösten, machten uns schwindlig. Auch die kriminelle Energie, mit der UBS-Banker grenzüberschreitend auf Kundenjagd gingen, liess uns nach Luft japsen. Und Marcel Ospel machte uns damals die Freude, selbst dann nicht abtreten zu wollen, als ausser ihm längst keiner mehr an sein Überleben glaubte.

Und jetzt das: eine Medienkonferenz zu den Geschäftszahlen des zweiten Quartals, die so knochentrocken dahinplätschert, dass man als Zuhörer mental an einer Knäckebrotscheibe herumwürgt. Keine Hiobsbotschaft, kein Skandal, kein Rücktritt, keine Schlagzeile – nichts ausser gähnender Langeweile. Wie sagte doch gestern Konzernchef Oswald Grübel: «Wir kommen jetzt wieder in den normalen Betriebsmodus.»

Eine bessere Botschaft kann diese Bank kaum verbreiten. Es scheint wieder Normalität eingekehrt zu sein. Bankenalltag ohne Spektakel. In der UBS wird gearbeitet – im Interesse der Kunden und der Aktionäre. Die Zahlen des zweiten Quartals scheinen dies zu bestätigen.

Allerdings: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Quartalszahlen sind gut – über eine nachhaltige Entwicklung sagen sie nichts aus. Die alte Führung der UBS hat viel zu viel Schaden angerichtet, als dass man nach drei Quartalsergebnissen mit schwarzen Zahlen zur Tagesordnung übergehen könnte. Dass noch immer Kundengelder abfliessen, ist der Beleg dafür, dass das Vertrauen noch nicht wieder hergestellt ist.

Die Vertrauensfrage lässt sich aber nicht nur am Geld ablesen. Auch die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wissen noch nicht, ob sie den neuen Bankern (die in aller Regel die alten sind) trauen können. Verschiedenste Lehren aus der Krise sind erst verbal vollzogen, politisch aber noch nicht umgesetzt – etwa die Frage des staatlichen Schutzes systemrelevanter Grossunternehmen. Noch stehen die Banker im Verdacht, Regulierungen zu torpedieren. Je normalisierter ihr Geschäft wieder läuft, desto eher werden sie dieser Versuchung erliegen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2010, 22:16 Uhr

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2 Kommentare

Pat Gisi

01.08.2010, 09:12 Uhr
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Schade, dass die Journalisten das Sommerloch ohne Negativ-Schlagzeilen über die UBS überbrücken müssen ... aber weit gefehlt, schreiben können die immer ... dümmer geht's nümmer ... :-) Antworten


Marion Eve Stöckli

01.08.2010, 12:09 Uhr
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Da beginnt ein Artikel zur UBS für einmal wohltuend ruhig und überlegt - und positiv! Und gleich sind wir ggen Ende der Schreibe wieder im alten UBS Zweifeln drin: gebt den Neuen doch auch mal eine Chance, die Angestellten der UBS hätten dies verdient! Antworten