Meinung

Dumm und unnütz

Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 13.04.2010 11 Kommentare

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Stefan Hohler.

Auch dieses Jahr will das 1.-Mai-Komitee auf Provokation nicht verzichten. Mit dem Slogan «Moneypulation – Verlieren wir die Beherrschung» spielt es ganz klar mit dem Feuer. Natürlich wird ein Aufruf zur Gewalt empört zurückgewiesen, der Bezug ist aber offensichtlich. Der Slogan ist politisch dumm, er provoziert lediglich und nützt niemandem. Kein Novum: Das 1.-Mai-Komitee hatte schon in früheren Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Etwa als es 2001 die palästinensische Flugzeugentführerin Leila Khaled auf dem Helvetiaplatz sprechen liess und ein Jahr zuvor die deutsche Kommunistin und SED-Sympathisantin Sahra Wagenknecht. Oder als es 1997 einen kolumbianischen Farc-Guerillero einladen wollte.

Aber machen wir uns nichts vor. Die Chaoten am 1. Mai hören weder auf das 1.-Mai-Komitee und noch viel weniger auf andere linke Stimmen wie beispielsweise die der Gewerkschaften oder der Sozialdemokraten. Ein Blick in die Vergangenheit lässt erahnen, dass das auch im Jahr 2010 nicht anders abläuft. So verlief in den letzten zwei Jahrzehnten einzig der 1. Mai im Jahr 2005 friedlich, ansonsten waren es jeweils die sattsam bekannten Bilder von Tränengasschwaden, Gummischrot und viel Scherben.

Warum eigentlich immer Zürich? Eine Antwort fällt schwer. Doch dass in unserer Stadt die Drogenszene in den Achtziger- und Neunzigerjahren am schlimmsten war, Sektengurus hier am meisten Opfer finden, die Street-Parade neben Berlin am meisten Leute mobilisiert, die Partyszene immer exzessivere Auswüchse hat und der Sexmarkt und das Rotlichtmilieu am stärksten boomen, scheint ein Hinweis zu sein, dass Zürich in gesellschaftlichen Entwicklungen stets eine Vorreiterrolle spielte und spielt – und dabei jeweils das Augenmass verliert. Vermutlich nur so können die jährlich wiederkehrenden Gewaltrituale am Tag der Arbeit erklärt werden. Auch wenn dieser Erklärungsansatz für die betroffenen Gewerbler ein schwacher Trost ist. Zumindest haben die im Einsatz stehenden Polizisten aus der langjährigen Erfahrung viel gelernt und die Situation meist im Griff – auch wenn es «chlöpft und tätscht». ()

Erstellt: 12.04.2010, 23:55 Uhr

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11 Kommentare

Daniel Signer

13.04.2010, 10:51 Uhr
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Es sind ja nur normale Bürger und Steuerzahler betroffen, die bösen Banken und geldgierige Geschäftsleute. Es wohnen ja keine Politiker oder höhere Beamte in den verwüsteten Quartieren. Wer Sarkasmus findet darf ihn sich einrahmen und an die Wand hängen. Antworten


Manuel Käppler

13.04.2010, 11:03 Uhr
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Liebe Frau Kaufmann. Vielleicht sollten sie ein wenig differenzieren? Wer legt denn Brände, zündet Bomben? Auf alle Fälle nicht jene Tausende, die jeden 1. Mai aufs neue hoffen, friedlich gegen Ausbeutung der Arbeiter und Herrschaft der Kapitalinhaber zu protestieren. Die Polizei hat eben noch genau nie ihre Aufgabe wahrgenommen: die "Chaoten" einzupacken und die Demo weiterlaufen zu lassen Antworten