Meinung

Ein Hauch von Versöhnung bei der UBS

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 15.04.2009 4 Kommentare

Der neue UBS-Präsident Kaspar Villiger ist bescheiden, der neue Konzernchef Oswald Grübel nüchtern und knorrig. Beide kommen gut an. Ein Kommentar.

Philipp Löpfe.

Philipp Löpfe.

Ein nicht beantworteter Telefonanruf von Marcel Ospel an Kaspar Villiger sorgte einst für landesweite Empörung. Jetzt haben sich die Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt: An einer ausserordentliche GV haben die UBS-Aktionäre den ehemaligen Bundesrat zum neuen Präsidenten gekürt. Eine Wahl mit starkem Symbolcharakter: Ein Unternehmer aus der Provinz ersetzt einen ehemaligen Herrscher des Universums.

Dabei heisst der starke Mann der neuen UBS gar nicht Kaspar Villiger sondern Oswald Grübel. Der aus dem Ruhestand zurückgeholte frühere Credit-Suisse-Chef ist zum grossen Hoffnungsträger der UBS geworden. Und der knorrige Sanierer kommt an. Seine Rede im gut besetzten Hallenstadion erhielt warmen Beifall, obwohl er alles andere als gute Nachrichten zu verkünden hatte: Erneut ein Verlust von rund zwei Milliarden Franken im ersten Quartal, und was vor allem weh tut, ein Abbau von 8700 Stellen, 2500 davon in der Schweiz.

Grübel setzt auf Pragmatik pur. Er spricht von einem Paradigmenwechsel in der Finanzbranche und meint damit, dass sich der Einfluss der Politik stark erhöht hat. Er weiss, dass dies längere Zeit so bleiben wird, und er weiss vor allem auch, dass er überhaupt keinen Grund hat, darüber zu jammern. «Ich kritisiere es nicht, den die entsprechenden Institutionen, auch die UBS, haben sich dies selbst zuzuschreiben.»

Sich selbst zuzuschreiben haben sich die UBS und andere Banken auch, dass sie ihr Geschäftsumfeld stark verändert hat. Strukturierte Produkte lassen sich heute nicht mehr verkaufen, der Kunde will wieder «direktere Anlageformen und mehr Sicherheit». Der ganze Wahnsinn der verbrieften Kredite ist vorbei, die institutionellen Anleger machen nicht mehr mit.

Das Investmentbanking, bis vor kurzem noch die Königsdisziplin, wird zwar nicht verschwinden, aber stark eingeschränkt: Investmentbanker der UBS werden künftig Unternehmen beraten, aber nicht mehr mit Milliardenbeträgen an den Finanzmärkte auf eigene Rechnung zocken, und zwar nicht nur kurzfristig. «Gehen Sie von 15 Jahren aus», sagte Grübel trocken auf die Frage, wie lange das so bleiben werde.

Der scheidende Präsident Peter Kurer hat sich mehrmals für Fehler des alten UBS-Management entschuldigt. Der neue Präsident Kaspar Villiger hat die Verantwortung der Bank gegenüber Land und Volk betont. Zusammen mit dem knochentrockenen Pragmatismus von Oswald Grübel zeigte dies im Hallenstadion eine unerwartete Wirkung: Zum ersten Mal seit Ausbruch der UBS-Krise war ein leiser Hauch von Versöhnung zu spüren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2009, 18:03 Uhr

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4 Kommentare

jules Bonhomme

15.04.2009, 19:05 Uhr
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Alt-Bundesrat Villiger ist heute glanzvoll gewählt worden,gratuliere. Aber was kann der Mann bewegen? Schon gut,er arbeitet ja grosszügigerweise für die lächerliche Summe von CHF 850 000. Meiner Meinung nach ist das eine teure Dekoration für die neuen Gremien der UBS. Lieber hätte ich 10 junge Banker.die Ihre Zukunft vor sich haben, behalten für das Geld. Herr Villiger, kein schlechtes Gewissen? Antworten


Schrott Raoul

15.04.2009, 19:17 Uhr
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Traurig, traurig: Herr Löpfe nervt wieder mit seinen unpräzisen Stimmungsbildern, seinen Deutschfehlern und seiner Oberflächlichkeit. Leider war ich nicht dabei, aber leider vertraue ich Herrn Löpfes Einschätzungen schon lang nicht mehr. Mir fehlt vor allem ein differenzierter Kommentar zu den Wortmeldungen der Kleinaktionäre und ev. anderer wichtiger Stimmen. Meiner Meinung nach hat die UBS auch nach dem Stellenabbau immer noch 8mal soviel Personal wie sie haben sollte. Antworten