Ein Zeichen von Reife
Von Monica Müller. Aktualisiert am 25.11.2009 1 Kommentar
Monica Müller.
Seit neun Tagen besetzen die Studenten den grössten Hörsaal der Uni Zürich. Jetzt besteht die Gefahr, dass sie den Bogen überspannen, ihr Protest zum Selbstzweck wird und der Inhalt im revolutionären Gehabe untergeht.
Dabei hat sich der Protest vielversprechend entwickelt. Mit ihrer Besetzung gelang es den Studenten, Öffentlichkeit für Themen zu schaffen, die vorher nur Fachgremien beschäftigten. Journalisten und Kamerateams liessen sich durch die «Revolte» ködern und fragten nach. Das Schweizer Fernsehen bot den Protestierenden drei Minuten beste Sendezeit. Doch die basisdemokratisch organisierte Gruppe «Unsereuni» sagte zu Beginn nichts – sie wollte keinen Sprecher und keine Galionsfigur, sie wollte Zeit. Zeit und Raum, um ihren Unmut und ihr Unbehagen in Worte zu fassen. Matratzen wurden herbeigeschafft, eine Küche eingerichtet. In nächtelangen Diskussionen wurde aus diffusen Feindbildern schliesslich konkrete Kritik: Bei der Bildung dürfe nicht gespart werden. Die Uni dürfe sich nicht von der Privatwirtschaft vereinnahmen lassen. Es brauche mehr Stipendien. Das Bologna-Studium produziere Punktesammler statt Denker. Studenten, Assistenten und Professoren seien zeitlich über- und geistig unterfordert.
Die Kritik an der Bologna-Reform und einem Zeitgeist, der Effizienz über alles stellt, ist berechtigt und hat sogar Zuspruch von unerwarteter Seite gefunden: der SVP. Die Protestierenden haben ihre Anliegen anständig vorgebracht, das Gespräch gesucht und Akademiker aus dem In- und Ausland eingeladen, kritische Vorträge zu Bologna zu halten. Ihr Engagement hat Sympathien geschaffen. Sympathien, die sie sich verspielen, wenn sie den besetzten Hörsaal nicht wie vom Rektor gefordert heute verlassen.
Auch wenn der Rektor den Studenten noch keine Zugeständnisse gemacht hat: Ihre Anliegen wurden gehört, die Probleme mit Bologna sind erkannt. Mit der Energie, die der Protest gebündelt hat, können die Studierenden weiter debattieren. Ihre Forderungen lassen sich mit einer Besetzung nicht erzwingen, dazu braucht es Geduld und Zeit. Diese Einsicht wäre ein Zeichen von Reife. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.11.2009, 08:15 Uhr



Thomas Läubli
Wenn nun die Bürgerlichen die Studiengebühren noch erhöhen wollen, gehe ich bald auch auf die Barrikaden. Wie Frau Aeppli schon sagte: Studiengebühren sind kein Beitrag in die Staatskasse. Nur weil die Finanzelite versagt hat, muss jetzt nicht der Mittelstand, der meistens das Nachsehen hat, dafür haften. Wir warten zuerst darauf, dass die Bürgerlichen dem Volk den UBS-Zustupf zurückerstatten. Antworten