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Ein einsamer Mann hat einen Fehler gemacht

Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 31.07.2010 2 Kommentare

Walter Jäggi.

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Viel mehr als beschleunigen und bremsen kann ein Lokomotivführer nicht an seinen Schalthebeln. Die Signale und Weichen werden von anderen Leuten bedient, und eine raffinierte Technik wacht darüber, dass nichts passieren kann. So stellt man sich als Laie die Welt im Führerstand ungefähr vor. Von der Wirklichkeit kann man sich ein Bild machen, wenn man in einem ganz einfachen Simulator im Verkehrshaus versucht, einen Zug von A nach B zu führen. Es ist schwierig. Natürlich macht das ein Profi mit seiner Erfahrung locker richtig. Aber auch ein Routinier kann Fehler machen. Täglich passieren auf dem umfangreichen Eisenbahnnetz der Schweiz solche Fehler: Ein Zug überfährt ein geschlossenes Signal, hält an einem Bahnhof nicht an, überschreitet unterwegs die Höchstgeschwindigkeit.

Die Annahme, irgendein Sicherheitssystem im Hintergrund werde die Fehler dann schon ausbügeln, ist falsch. Es gibt nicht für jeden Fehler eines Lokomotivführers ein eingebautes Korrektur-programm, er selber trägt die Verantwortung. Technisch wäre es allerdings möglich, die Geschwindigkeit eines Zuges präziser zu überwachen.

Warum der Lokomotivführer des Glacier Express zu schnell nach dem Signal beschleunigt hatte, weiss er selber auch nicht. Vielleicht war er zerstreut, vielleicht abgelenkt, vielleicht müde oder gestresst, vielleicht wollte er seine Sache besonders gut machen und eine Verspätung vermeiden.

Der einsame Mann an der Spitze des Zuges hat offensichtlich einen schweren Fehler gemacht. Dass die Strecke schwierig ist, der Fahrplan eng und das Gleis wohl nicht im allerbesten Zustand, das alles kann seinen Fehler nicht entschuldigen. Die Folgen waren schrecklich.

Wahrscheinlich wird der Lokführer für seinen Fehler vor Gericht kommen. Möglicherweise wird ihm dort vorgeworfen werden, er habe fahrlässig die Verkehrsvorschriften der Bahn verletzt. Bestraft ist er bereits durch das Ereignis, Albtraum jedes Lokomotivführers.

Unfälle wie dieser zeigen, dass es Sicherheit nur gibt, wenn alle Regeln stur eingehalten werden. Risiken dürfen hier weder bewusst noch unbewusst eingegangen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.07.2010, 22:36 Uhr

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2 Kommentare

Nadine Binsberger

01.08.2010, 12:50 Uhr
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Mit dem Artikel bin ich einverstanden, ausser mit der Schlussfolgerung. Ich halte es für sehr gefährlich, Regeln prinzipiell absolut stur einzuhalten. Der gesunde Menschenverstand oder das Bauchgefühl können in konkreten Situationen oft richtig signalisieren, dass gerade die sture Einhaltung von Regeln in eine Katastrophe führen könnte. Keine Regelfülle kann jemals das Selber-Denken ersetzen. Antworten


Bruno Neidhart

03.08.2010, 10:23 Uhr
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Es wäre einfach, die Geschwindigkeit und andere Faktoren zumindest an kritischen Stellen elektronisch zu überwachen. Nur kämen dann diverse Züge wohl oft zu spät am Bestimmmungs- oder Kreuzungsort an. Für den Lokführer bleibt es also beim täglich Restrisiko, um sein Pensum zu erfüllen. Entsprechend kann es dann tatsächlich auch einmal schief gehen. Antworten