Eine falsche Diskretion

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 18.03.2010 3 Kommentare
Rita Flubacher.

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Nach dem Willen des Nationalrats soll das Volk entscheiden, ob es die Abzocker-Initiative oder einen milderen Gegenvorschlag auf Verfassungsebene bevorzugt. Die grosse Kammer empfiehlt, sowohl die Initiative anzunehmen als auch den Gegenvorschlag dazu. Bei der Stichfrage sei der Gegenvorschlag vorzuziehen. Nun fehlt nur noch das grüne Licht des Ständerats.

Dem Entscheid gebührt grosser Applaus. Ärgerlich ist hingegen, dass der Nationalrat beim wichtigen Kriterium der Transparenz eingeknickt ist. Die Bezüge von Geschäftsleitungsmitgliedern müssen, anders als jene der Verwaltungsräte, nicht offengelegt werden. Den Schleier der Diskretion in dieser Frage zieht leider auch Thomas Minder mit seiner Initiative nicht weg. Das Argument gegen diese Transparenzforderung ist unglaubwürdig: Wenn klar werde, wer was verdiene, könne dies die Gehälter in die Höhe treiben, warnte die bürgerliche Mehrheit gestern.

In den Sphären der Topbezüger herrschen ganz andere Gesetze, die dafür sorgen, dass Gehälter, Honorare, Boni und Sondervergütungen wie Antrittsgelder und goldene Fallschirme üppig ausgerichtet werden.

Der Verdacht steht im Raum, dass die bürgerliche Mehrheit sich von einer der vielen Drohungen ins Bockshorn jagen liess, die derzeit von den Wirtschaftsspitzen gezielt ausgestossen werden, um die Abzockerdebatte zu ersticken. Der Standort Schweiz könnte wegen der Minder-Initiative an Attraktivität verlieren, lautet eine eingängige Warnung. Sie wird nicht überzeugender, wenn sie von CS-Chef Brady Dougan, der selber Millionen bezieht, ausgesprochen wird. Debatten über Abzocker werden mittlerweile in vielen westlichen Ländern – inklusive der USA – geführt. Was Transparenz bewirken kann, zeigte sich 2009 beim britisch-holländischen Erdölmulti Shell: Der Vergütungsbericht zum Management wurde von 60 Prozent der Aktionäre abgelehnt.

Nur wer informiert ist, kann als Aktionär entscheiden. Und als Bürger mitdiskutieren, wenn es um die Frage geht, welche Lohnschere man in diesem Land zur Wahrung des sozialen Friedens nicht mehr akzeptieren will.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2010, 08:23 Uhr

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3 Kommentare

Andreas Egli

18.03.2010, 10:03 Uhr
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Über Lohntransparenz in Firmen können die Aktionäre entscheiden - so sie denn wollen. Dafür braucht es keine zwingenden Vorschriften im Gesetz. Niemand muss Aktien kaufen, schon gar nicht von einer Firma, die nicht transparent kommuniziert. Die ganze Lohndiskussion hat nur einen Grund: Neid! Viel wichtiger wäre es, dafür zu sorgen, dass der Staat nicht eingreifen muss. Alles andere ist Geschwätz. Antworten


Andreas Egli

18.03.2010, 13:43 Uhr
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@Peterhans: Solange die Aktionäre ihren Managern Geld nachwerfen wollen, braucht sich niemand darüber aufzuregen; jeder soll mit seinem Geld machen dürfen, was er will; niemand MUSS Aktien kaufen. Ein Problem haben wir erst, wenn der Staat für Verluste einspringen soll. Letztlich gehts in der Diskussion um Neid im Kostüm von Gerechtigkeit und Moral; und die Probleme bleiben derweil ungelöst. Antworten