Meinung

Er hat eine Idée Suisse

Von Res Strehle. Aktualisiert am 21.05.2010 6 Kommentare

Res Strehle.

Die SRG-Delegierten haben eine sehr gute Wahl getroffen. Wenn einer die Ansprüche des aus Gebühren finanzierten staatlichen Radios und Fernsehens erfüllen kann, dann der Zürcher mit Freiburger Wurzeln und dem Blick auf die Welt. Schien Service public bisher ein Zungenbrecher für die Staatskunde, Qualitätsjournalismus eine Marketingformel und SRG SSR Idée Suisse als Name ein Unding – so füllt der designierte neue Chef diesen Begriff jetzt, da er mit der Konvergenz im Namen verschwindet.

Denn de Weck hat eine Idée Suisse. Er ist diesem Land und seiner Geschichte mit Leidenschaft verbunden und lebt den feinen Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus vor. Patriot ja, in wachsender Sorge um die Zukunft dieses Landes, Nationalist nein. Daran hindert ihn schon seine Überzeugung, dass die Schweiz im Alleingang bedeutungslos wird, ein Spielball anderer. In dieser Überzeugung zwar ein glühender Befürworter der EU-Mitgliedschaft der Schweiz, wird er sich hüten, die SRG auf diesen politischen Kurs zu verpflichten. Daran werden ihn die liberale Haltung und die Debattierlust hindern.

Er sieht den feinen Unterschied zwischen Liberalismus und Neoliberalismus. Den Markt hält er für nützlich – die Exzesse der Marktwirtschaft für schädlich. Für seine künftige Aufgabe muss das heissen: Die SRG soll künftig noch stärker das tun, was Private nicht tun können oder wollen, weil es zu teuer ist oder zu wenig Quote bringt: Information mit Dossierkompetenz, Unterhaltung ohne Verblödung, Kultur – weder platt noch elitär.

Roger de Weck stand als Journalist, Chefredaktor, Kolumnist, Kommentator und Interviewer in den Medien persönlich für jenen Qualitätsjournalismus, den die SRG betreiben will. Als Direktor muss er weniger selber brillieren, als anderen die Voraussetzungen dafür schaffen. Dass er sein Amt gleich mit einer Sparvorgabe antritt, ist eine besondere Herausforderung. Gelingt sie, wird de Wecks SRG zum ermutigenden Zeichen für die ganze Schweizer Medienlandschaft. Das Schweizer Motto an der Weltausstellung in Sevilla 1992 könnte dann in diesem Punkt revidiert werden: L'idée suisse existe.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2010, 23:39 Uhr

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6 Kommentare

Carlo Lepori

19.05.2010, 16:38 Uhr
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Endlich eine gute Nachricht aus der SRG für uns alle! es war höchste Zeit. Antworten


Alexander Steinacher

19.05.2010, 12:40 Uhr
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Unterschied von Patriotismus und Nationalismus? de Weck? der mal in einer Arena gesagt hat: "da muss man ja nur wieder diese Volksabstimmung fürchten".... Kultur des reinen Zynismus. Warum wird de Weck nicht als Generaldirektor der EU-Bürokratie in Brüxelles gewählt? das würde allen passen! Antworten