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Es bleibt noch Munition

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 02.07.2010

Robert Mayer

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Investoren wissen eine Menge Gründe aufzulisten, warum sie ihr Geld in Franken anlegen: Die Schweizer Wirtschaft hat die Rezession schneller überwunden und wächst stärker als die der meisten Länder Europas, die Staatsfinanzen sind solid, und gegenüber dem Ausland sind wir Nettogläubiger. Ebenso leicht fällt es den Marktakteuren derzeit, aufzuzählen, weshalb sie der Eurozone den Rücken kehren. Am schwerwiegendsten: Die Schuldenkrise hat gravierende strukturelle und institutionelle Mängel in der Währungsunion offengelegt, und niemand kann absehen, ob die Euroländer diese Defizite auszumerzen vermögen.

Im Run auf den Franken widerspiegelt sich zu einem ansehnlichen Teil die Robustheit der Schweizer Wirtschaft, sein Höhenflug auf den Devisenmärkten ist der Preis unseres Erfolgs. Hinzu kommen aber die Schwäche des Euro und die Marktdynamik, die bestehende (Wechsel-)Kurstendenzen spekulativ anzuheizen pflegt. All dies bildet den Nährboden für den rasanten Anstiegdes Franken-Aussenwerts, der unseren Exporteuren schlicht keine Zeit lässt,sich den neuen Realitäten anzupassen.

Wie soll sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) da verhalten? Sie steht vor einer äusserst schwierigen Güterabwägung: Die volkswirtschaftlichen Kosten, die bei einem aufwertungsbedingten Produktionsrückgang im Inland anfallen, sind den Risiken gegenüberzustellen, die mit Interventionen am Devisenmarkt verbunden sind.

Diese Risiken mögen inzwischen überwiegen angesichts der Ende Mai explosionsartig auf die gewaltige Summe von 245,7 Milliarden Franken angeschwollenen Devisenreserven der SNB. Abgesehen vom Bewertungsrisiko solch immenser Anlagebestände droht die Nationalbank die Kontrolle über die inländische Geldmenge zu verlieren, wenn sie weiterhin derart aggressiv Eurokäufe tätigt wie im Mai.

Kurzum: Der SNB sind (vorerst) die Hände gebunden. Abschreiben sollte man sie aber nicht. Einen frankenbedingten Konjunktureinbruch mit deflationären Gefahren wird sie keinesfalls zulassen. Die «Munition» in Form unlimitierter Frankenbeträge hat sie, und die soll sie in einem solchen Fall auch einsetzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.07.2010, 22:17 Uhr

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