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Es lebe der Fehler!

Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 08.03.2010 3 Kommentare

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In ihrem Communiqué vom Samstag brauchte die Fifa dafür nicht einmal eineinhalb Zeilen. Dann war die Botschaft übermittelt, so schonungslos wie schwerfällig. Sie hiess: «Was die Torlinien-Technologie betrifft, beschloss das Board, die Torlinien-Technologie würde nicht weiterverfolgt.»

So tönen also das Nein zum Fortschritt und das Ja zum Fehler. Verfasst vom International Football Association Board, bestehend aus vier Vertretern der Fifa und je einem aus England, Schottland, Wales und Irland, zuständig für das Überwachen und Ändern der Spielregeln.

Die Generalsekretäre des englischen und schottischen Verbands wollten, dass die Technologie die sensibelste Linie im Fussball überwacht, sie wollten den Einsatz von Hilfsmitteln, um den Fall auszuschliessen, dass das fehlerhafte Auge von Schieds- und Linienrichter ein korrektes Tor übersieht. Sie plädierten für die Tor- kamera («Adlerauge») oder den Chip im Ball («Cairos»). Aber sie taten es vergebens, weil sie sich der Mehrheit von sechs Stimmen gegenübersahen. «Es ist das Ende des möglichen Einsatzes von Technologie im Fussball», sagte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke. Das tönt nach halber Ewigkeit. Oder noch ein wenig länger.

Im Dezember hatte Sepp Blatter dezent einen möglichen Meinungswandel angedeutet. «Wohin gehen wir? Schlagen wir das Kapital der technologischen Lösung auf?», fragte er. Die Gemüter waren damals gerade hochgekocht, weil Thierry Henry mit einem eigentlich unübersehbaren Handspiel das Tor einleitete, dank dem sich Frankreich gegen Irland für die WM qualifizierte. Jetzt aber wird weiter nach dem Credo des Fifa-Präsidenten gelebt: Der Fussball lebe von Fehlern, man könne nicht mehr über Fussball diskutieren, wenn es keine mehr gebe. Ganz so, als ob eine kleine Kamera gleich den ganzen Platz zur fehlerfreien Zone machen würde, als wäre Fussball auf einmal frei von Versehen von Spielern, Trainern, Schiedsrichtern. Allein deshalb ist Blatters Credo absurd.

Der Generalsekretär des walisischen Verbands, Jonathan Ford, redete am Samstag ganz nach dem Herrn und kam mit der Legende vom Wembley-Tor. Darüber werde heute noch diskutiert, das Spiel sei dadurch lebendig, sagte er. Im Umkehrschluss hiesse das: Ohne Gottfried Dienst, den Schiedsrichter aus Basel, und Tofik Bachramow, seinen Linienrichter aus Baku, wäre der Fussball in seiner Entwicklung im fernen 1966 und beim 3:2 durch Geoff Hurst stehen geblieben – drei Jahre vor dem ersten Flug auf den Mond.

Valcke sagte auch: Wenn man einmal mit der Überwachung begonnen habe, sei das Feld offen, um die Technologie auch zur Klärung anderer Fragen einzusetzen: Penalty, ja oder nein? Offside, ja oder nein? Darum geht es gar nicht und auch nicht darum, Hands wie von Henry oder, noch berühmter, von Diego Maradona an der WM 1986 mit dem Videobeweis zu ahnden. Der Fussballplatz soll nicht unnötig zur Diskussionsbühne verkommen. Es geht einzig um die Frage, die gerade im bezahlten Fussball von hamletscher Grössenordnung ist: War der Ball im Tor oder nicht?

Als das Board am Zürcher Fifa-Sitz über sein Stillstehen in der Vergangenheit informierte, fiel fast gleichzeitig im Fratton Park von Portsmouth ein Treffer, der nicht zählte. Der Linienrichter erkannte nicht, was die Fernsehkamera zeigte: Der Ball von Birminghams Liam Ridgewell war hinter der Torlinie. Die Match-Offiziellen sind gegen nichts, was ihnen hilft, viele Trainer sind für die Technik. Dass darauf verzichtet wird, findet Arsenals Arsène Wenger jetzt «unverständlich» oder Felix Magath von Schalke hat unlängst gelästert: «Amateurhaft.»

Die Fifa und sein Board befassen sich an der nächsten Sitzung vom 17./18. Mai lieber mit der Einführung von zwei Torrichtern, wie sie schon in der aktuellen Europa-League-Saison ein- gesetzt werden. Frei nach dem Motto der «Süddeutschen Zeitung»: «Zehn Augen irren noch häufiger als sechs.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2010, 09:57 Uhr

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3 Kommentare

Marco Keller

08.03.2010, 11:09 Uhr
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Peinlich...in jeder anderen auf Profi-Niveau betriebenen Sportart gang und gäbe. Schade, wenn Fehlentscheidungen ganze Partien prägen..... Antworten


Daniel Bussinger

08.03.2010, 15:02 Uhr
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Und wenn's nur darum ginge, dass das Türchen offen bliebe für den Noteingriff per "menschlichem Irrtum" sollte Spiel mal ungewünscht das Geschäft verderben? Antworten