Meinung

Europas Deponie für Giftmüll

Von Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 07.10.2010 6 Kommentare

Bernhard Odehnal

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«Lecke Fässer vergiften Fluss», «Tote bei Pipeline-Explosion», «Giftige Dämpfe nach Chemieunfall». Wir haben die Schlagzeilen gelesen und sie schnell abgelegt: tragisch, aber Gott sei Dank weit weg. In China, wo der Arbeitsschutz so schwach ist wie der Umweltschutz.

Aber jetzt – Überraschung! Die ökologische Katastrophe ist ganz nahe, mitten in der Europäischen Union. Ein Damm bricht, giftiger Schlamm aus der Aluminiumproduktion ergiesst sich über Dörfer, Felder, in Flüsse. Mindestens vier Menschen sterben, 120 werden verletzt, Tausenden wird die Existenzgrundlage entzogen. Der Schlamm könnte die Donau vergiften, Europas längsten Fluss.

Ausgelöst hat die Katastrophe ein vor 15 Jahren privatisiertes Unternehmen, das modern auftritt und weiss, wie es sich westlichen Kunden zu präsentieren hat. Die Reinheit von Wasser und Luft werde durch moderne Technologie gesichert, versichert es auf der Homepage.

Mit der Realität hat dies nichts zu tun. Ein ordentlich gewarteter, überwachter Damm kann nicht so schnell bersten. Eine Katastrophe dieses Ausmasses wird erst durch eine Reihe menschlicher Versagen möglich. Doch unter welchen Bedingungen im Osten Europas tatsächlich produziert wird, das wollen weder Behörden noch Kunden genau wissen. Schon gar nicht die Importeure in westlichen Staaten, die von niedrigen Produktionskosten in Ungarn, Rumänien oder Bulgarien schwärmen und sich über hohe Umweltauflagen in den eigenen Ländern beklagen. Was wir gerne vergessen: Die neuen Mitgliedsstaaten sind nicht nur Europas Werkbank, sie sind auch Europas Giftmülldeponie.

Natürlich beteuert jedes Unternehmen, Umweltnormen und höchste Standards einzuhalten. Aber wer im Osten produzieren lässt, weiss genau, wie Behörden bestochen und Vorschriften umgangen werden. Nur so können die Kosten derart niedrig gehalten werden.

Bis jetzt ist das gut gegangen, nun ist etwas wirklich Schlimmes passiert. Die Schäden sind noch nicht einmal im Ansatz abschätzbar, der Streit um Wiedergutmachung könnte Jahrzehnte dauern. In Ungarn zahlen jetzt Tausende Menschen einen hohen Preis – für unseren Wohlstand und unsere Sorglosigkeit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2010, 21:21 Uhr

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6 Kommentare

michael klein

08.10.2010, 08:05 Uhr
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Wenn man die Aussage des Chefs des Alu-Werkes liest Zitat: >>> Das Unternehmen werde sich nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn es für schuldig befunden werde, versicherte er. <<< weiss man schon wie es laufen wird. Unglücklicher Zufall etc wird es sein und er wird nur ein Minium davon zahlen von dem was nötig wäre. Geld regiert die Welt. Macht Hoffnung auf eine saubere Zukunft Antworten


Geni Beck

08.10.2010, 18:59 Uhr
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Wirklich tragisch. Das Konsumentenverhalten steuert den Markt. Nicht nur die Qualität der Produkte hat seinen Preis, auch der Umweltschutz und die Lebensqualität. Billigprodukte können letztere nicht wirklich garantieren. Jeder Schnäppchenjäger sollte sich mal darüber Gedanken machen. Antworten