Falsche Lösung für das Problem

Es ist keine gute Lösung, Sterbewilligen aus dem Ausland eine «Suizidgebühr» aufzuerlegen, wie dies der Zürcher Kantonsrat verlangt.

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Auf den ersten Blick leuchtet es ein: Wer sich mithilfe von Dignitas das Leben nimmt, der soll die Untersuchung durch Polizei und Staatsanwalt berappen, die nach einem Suizid fällig wird. Heute muss die öffentliche Hand die Kosten tragen. Das heisst: Wer zwecks Freitod in die Schweiz kommt, stirbt auf Kosten der hiesigen Steuerzahler.

Das ist zweifellos stossend. Dennoch ist es keine gute Lösung, Sterbewilligen aus dem Ausland eine «Suizidgebühr» aufzuerlegen, wie dies der Zürcher Kantonsrat verlangt.

Eine solche Gebühr ist nur schon aus grundsätzlichen Überlegungen widersinnig. Es liegt nun einmal in der Natur von staatlichen Dienstleistungen, dass sie auch von Personen genutzt werden, die keine Steuern bezahlen. Das gilt nicht nur für Ausländer, sondern auch für Inländer, die bloss minimale Steuern zu entrichten haben. Deshalb ist auch die Unterscheidung zwischen Ausländern und Einheimischen nicht haltbar.

Wenn schon, müsste jeder assistierte Freitod kostenpflichtig sein. Das aber ist aus ethischen Gründen abzulehnen. Wer sich mithilfe von Dignitas oder Exit das Leben nimmt, tut dies nach einer tragischen Vorgeschichte. Es wirkt grotesk, von diesen Menschen auch noch eine Gebühr zu verlangen.

Höchst problematisch ist überdies, dass die vom Kantonsrat nun angestrebte Regelung eine Unterscheidung zwischen begleitetem und unbegleitetem Suizid macht. Warum soll die eine Art des Freitods etwas kosten, die andere aber nicht?

Will man wirklich die Folgekosten von begleiteten Suiziden senken, gäbe es einen besseren Weg: klare Richtlinien für Sterbehilfeorganisationen. Dann könnten die Behörden davon ausgehen, dass nach einem begleiteten Freitod keine Untersuchung nötig ist  ausser es gäbe klare Hinweise, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

Nur: Die organisierte Sterbehilfe widerstrebt vielen Kantonsräten grundsätzlich. Offen sagen sie das nicht. Lieber verstecken sie sich hinter einer fragwürdigen Scheinlösung. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.02.2010, 10:20 Uhr)

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