Gegen das eigene Land

Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 05.02.2010 30 Kommentare

Es ist so banal, dass man es fast nicht zu erwähnen wagt: Eine Aussenministerin vertritt die Interessen ihres Landes. Welche Interessen? Die eigenwillige Micheline Calmy-Rey polarisiert mit ihrer Interpretation einer aktiven Aussenpolitik und provoziert immer mal wieder die Bürgerlichen.

Aber kein Kritiker kann behaupten, die Sozialdemokratin hätte bisher jemals krass das Landesinteresse verletzt. Auch als sie das für sie schwer verdauliche Minarettverbot im Ausland zu erklären hatte, tat sie es loyal, engagiert und erfolgreich. Das Verdikt hat unserem Land entgegen düsteren Prophezeiungen keine nennenswerten Probleme bereitet.

Das Schweiz-Bild trüben vielmehr, wir wissen es, die Querelen um die Bankgeschäfte, welche die neidbesetzten Vorurteile gegen den Kleinstaat nähren. Die Konkurrenten der Schweiz haben unterdessen sämtliche Hemmungen fallen lassen. Anscheinend gelten weder Recht noch Treu und Glauben mehr viel im Wirtschaftskonflikt mit Staaten, die bis vor kurzem als berechenbare Nachbarn auftraten.

In diesem Kampf müssen alle Bundesräte das Landesinteresse durch maximalen Einsatz vertreten. Doch dem ausländischen Pressing hat die Schweiz wenig entgegenzusetzen: keine Taktik, kein Selbstbewusstsein, kein Zusammenspiel, die Abwehr steht falsch.

Mitten in dieser Verwirrung zeigt Calmy-Rey lächelnd sogar Verständnis dafür, dass Deutschland gestohlene Bankdaten kaufen und verwenden will. Dass sie das am selben Tag tut, an dem der Bundesrat den Datenklau «aufs Schärfste» verurteilt hat, ist fixer Kollegialitätsbruch. Und was schwerer wiegt: Die Landesinteressen sind verletzt. Da banalisiert eine Aussenministerin die Straftat und ihre Folgen für Banken und Kunden und solidarisiert sich faktisch mit dem deutschen Finanzminister gegen das eigene Land.

Warum tut sie das bloss? Bisher hat sie das Bankgeheimnis eisern verteidigt. Als Genferin ist sie sich dessen Bedeutung bewusst. Auf alle Fälle sind ihre Worte mehr als ein Ausrutscher, mehr als eine flapsige Bemerkung: ein Rückenschuss in einer Zeit, da die Schweiz schon schwach genug ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2010, 04:00 Uhr

30 KOMMENTARE

Marcel Peier

10.02.2010, 09:57 Uhr

Auch der Appenzeller-Käse verrät sein Geheimnis nicht für € 2,5 Mio. Wieso dann der Bund? Marcel Peier


Romano Bigi

05.02.2010, 17:11 Uhr

Liebe "Kommentärler" Wo glaubt ihr eigentlich wo der ganze Reichtum der Schweiz herkommt. Seit bald einem Jahrhundert sind ausländische Gelder in die Schweiz geflossen, und da wir nie einen Krieg hatten, haben wir auch mit diesem Geld uns in der obersten Klasse halten können. Es ist scheinheilig, jetzt Alles auf andere (inkl. Banken) abwälzen zu wollen. Wir als Bürger sind auch in der Pflicht.


Marianne Gautschi

05.02.2010, 16:09 Uhr

Bravo, Frau Calmy-Rey! Ein Sonnenschein in einer, für die Schweiz, eher dunklen Geschichte. Die Banken tragen die ganze Schuld, sollen sie sich doch selber aus dem Sumpf ziehen. Unsere Regierung und wir als Steuerzahler halfen genug. Nun bewahrheitet sich der Spruch "wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein"


Fritz Geissbühler

05.02.2010, 15:28 Uhr

Ein Angestellter mit Lohnausweis hat nichts und auch gar nichts vom Bankgeheimmnis, uns wird doch das Geld genommen bevor wir es auf die hohe Kante legen können, wir können froh sein wenns ende Monat aufgeht, ich wäre für die rigorose auflösung dieses schutzgeheimnisses der Reichen und superreichen und möchte sehen was da im Inn-und im Ausland alles zu Tage käme....


Richard Lauber

05.02.2010, 12:09 Uhr

Wenn ich einige Kommenater lesen, muss ich feststellen, das man so tut, als ob die CH das einzige Steuerparadies ist. Bitte recherchiert mal, was die anderen getan haben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich andere Paradiese so verhalten wie unser BR. Die SVP und das Volk muss es dann wieder mal sagen.


Hans Meier

05.02.2010, 11:56 Uhr

Zwei Fehler in einem Satz: Es sind keine Vorurteile und sie sind nicht neidbesetzt. Nein, es sind verärgerte, auf Fakten basierte Urteile, die die Menschen in Europa über das Land der Rosinenpicker fällen. Und das Beste, was die Aussenministerin für die Schweiz leisten kann, ist, zu demonstrieren, dass doch nicht alle Schweizer das Stockholmsyndrom haben und die Banken vorbehaltlos verteidigen.


Markus Schumacher

05.02.2010, 11:13 Uhr

Jeder Schweizer, der nicht im Finanzsektor schafft befindet sich in Geiselhaft der Banken! Die Banken verstecken illegales Geld, bezahlen riesige Bonis an ihre Banker und als natürliche Firewall manipulieren Sie die Schweizer Bevölkerung, die sich (noch) schützend vors Bankgeheimnis stellt.


David Zehnder

05.02.2010, 11:12 Uhr

Sehr geehrte Frau Vonarburg, Ich bin stolz auf Frau Calmy-Rey, sie hat sich richtig verhalten. Die Schweiz befindet sich in Geiselhaft von kriminell handelnden Banken und willfährigen Politikern. Das muss ein Ende haben. Die Banken und die mit ihnen eng verbundenen bürgerlichen Politikern haben die Bankengesetze beschlossen und damit unser Land in die momentan sehr ungemütliche Lage geführt!!


Armin Bolliger

05.02.2010, 10:57 Uhr

Eine solche Aussenministerin wie Calmy- Rey gehört dringend abgewählt. Sie weiss es für sich selbst nicht so genau.. Einmal schwarze, dann wieder blonde Strähnen lassen grüssen. Mein Vorschlag: Daten zurückkaufen und eine Mio mehr bieten. Deutschland müsste aufstocken bis beiden der Schnauf ausgeht.


Peter Schwab

05.02.2010, 10:47 Uhr

Wie lange müssen wir uns die dümmlichen Durchhalteparolen und Landesverratsvorwürfe noch anhören? Es braucht nicht viel Rechtsempfinden, um einzusehen, dass die eigentlichen Hehler in den Schweizer Banken sitzen. Die umliegenden Länder werden sich jetzt die Daten kaufen, die ihnen nach deren Gesetzen eigentlich zustünden. Der Tagesanzeiger im Chor mit dem SVP-Geheul: ungeniessbar!


Adrian Zimmermann

05.02.2010, 10:44 Uhr

Die Empörung über Micheline Calmy-Reys Verständnis für das deutsche Finanzministerium zeigt klar: Für bürgerliche Politiker und bürgerliche Journalistinnen ist das „Landesinteresse“ gleichzusetzen mit dem Interesse reicher deutscher Steuerhinterzieher! Die hart arbeitende Mehrheit des Schweizervolks hat eine andere Auffassung vom "Landesinteresse".


Ruedi Brunner

05.02.2010, 10:36 Uhr

Die scheinheilige Empörung über das Vorgehen der Deutschen ist unerträglich. Die Schweiz hat jahrzehntelang viel Geld unrechtmässig verdient mit Steuerhinterziehern, Steuerbetrügern, Diktatoren und Gaunern jeglicher Art.. Rücksichtloser Diebstahl! Das Ausland hat ein Recht auf Steuergeld, das diesen Ländern rechtmässig zusteht.


Walter Kunz

05.02.2010, 10:09 Uhr

Ja hat man im Ernst von MCR mehr erwartet als auf zu unseren Freunden in der EU.


Patrick Tigri

05.02.2010, 09:58 Uhr

Aber Verena, die Schweiz hat sich schwach gemacht! Die ganze Schweiz? Mitnichten, nur die wirtschafts- und bankenhörige offizielle Schweiz. Und zu der gehört Frau Calmy-Rey glücklicherweise nicht! Mir hat sie nicht in den Rücken geschossen, nein, sie hat den Ospels, den Rohners, den Villigers in den Rücken geschossen, wenn überhaupt, und die haben es verdient. *Die* machen unseren Namen schlecht!


Fred Büchi

05.02.2010, 09:58 Uhr

Wer behauptet, eine Bundesrätin müsse entgegen ihrem Gewissen handeln, qualifiziert sich selbst.


Kaspar Elmer

05.02.2010, 09:09 Uhr

Warum tut Sie das bloss? Tja, wenn man die Karriere von Frau Calmy-Rey betrachtet, gibt es dafür nur ein Antwort: Ihr ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung und ihr unermüdliches Streben sich ein Denkmal zu setzen, wofür sie auch gerne bereit ist, die Interessen des Schweizer Volkes zu opfern. Der gestrige Auftritt war ja nicht der erste, der für Kopfschütteln gesorgt hat.


Pierre Lauper

05.02.2010, 09:02 Uhr

Wie kommt der Tagi dazu, seinen Hauptkommentar für eine Aesserung von Frau Calmy-Rey zu missbrauchen, welche sie auf eine hypothetische Frage gemacht hat? Und lesen Sie Ihre Antwort nochmals genau! Man will doch nur davon ablenken, dass es unsere Banken sind, die diesen ganzen Schlamassel zu verantworten haben? Ich bin überzeugt, dass aber bisher nur die Spitze des Eisbergs zum Vorschein kam.


Yves Mundorff

05.02.2010, 08:45 Uhr

Aus der Perspektive der deutschen Landesregierung (Merkel und co.) war das die Gelegenheit, die innenpolitische Stimmung zu verbessern und von den eigenen Problemen und Unfähigkeiten abzulenken. Die Beziehungen zur Schweiz sind hier klar den innenpolitischen Interessen geopfert worden. Warum strebt die Schweiz keine Klage gegen Deutschland und den Politikern an? Anstiftung zur Hehlerei etc.


Peter Müller

05.02.2010, 08:44 Uhr

Wie wäre es mit ein bisschen weniger Verbissenheit?


Ruth Chartrand

05.02.2010, 08:36 Uhr

Man darf doch eigentlich erwarten dass unsere BR für die Schweiz eintreten. Das haben alle bei der Wahl geschworen, bzw. versprochen. Was sich aber Frau MCR geleistet hat ist einfach nur noch peinlich. Und fies dazu den Kollegen im BR so in den Rücken zu fallen.


rolf SPINNLER

05.02.2010, 08:19 Uhr

Mit diesem Bunderrat wird es für uns alle ein böses Erwachen geben. Die Regierung sollte nicht vergessen, dass die meisten Schweizer nicht bereit sind, ihr Land und ihre Freiheit für die bankrotte EU- Diktatur aufzugeben. Was das heisst, sollte jedem klar sein. Also endlich aufwachen.


Werner N. Staub

05.02.2010, 07:34 Uhr

Was soll einem bei BRätin MCR noch wundern. Immer lächeln, ja fast grinsend, doch meist immer ins Fettnäpfchen tretend, wohlwissend dass sich dann ihre Partei streng hinter sich stellt. Mit so einer Politik kommen wir Schweizer leider nicht mehr auf einen grünen Zweig, wie Bundesbern es uns Bürgern in letzter Zeit zur Genüge vorführt. Schade um unser Image, das so immer mehr den Bach runter geht.


Beat Schneider

05.02.2010, 07:13 Uhr

Vielleicht ist Calmy-Rey in der Realität angekommen. Das Bankgeheimnis existiert nur noch auf dem Papier. Zu versuchen, das Handeln der deutschen Regierung zu akzeptieren muss gestattet sein, vorallem dann, wenn es tatsächlich um weit mehr als die genannten 100 Millionen Euro an Steuerhinterziehung geht, die deutsche Bürger ihrem Staat und damit dem deutschen Gemeinwohl rechtswidrig entziehen.


rolf müller

05.02.2010, 07:08 Uhr

dieses verhalten von einer aussenministerin ist ganz einfach nicht akzebtabel.die daten sind gestohlen,es ist also diebesgut.wer diebesgut kauft macht sich strafbar.das steht auch so im gesetz.steuersünder müsste man auf legalem weg suchen.so zerstört man den glauben an unsere demokratie,wo wir doch so stolz WAREN darauf.heute hat jeder angst,seine meimumg zu vertreten,.


Benjamin Herter

05.02.2010, 06:44 Uhr

Einmal mehr werden die Früchte reif: "La Suisse n'existe pas!".... Die "Chefs" verraten ihre eigene Firma!


Ulrich Baumann

05.02.2010, 06:44 Uhr

Man muss sich die Frage stellen, ob nicht Calmy-Rey später, wenn dieses leide Bankgeheimnis einmal Geschichte ist, als einzige weitsichtige und vorausschauende Bundesrätin aus dieser Krise herausgehen wird! Das Verharren auf den alten Positionen der bürgerlichen Spitzenpolitiker erinnert mich sehr an die Geschichte um die Holocaust-Gelder! Lernt doch endlich etwas dazu!


Philipp Stegmann

05.02.2010, 06:25 Uhr

Ist es nicht traurig, dass die Schweiz sich über den Rechtsbruch beim Kauf von gestohlenen Bankdaten echauffiert und sich dabei kaum darüber aufzuregen scheint, dass es offenbar unzählige Reiche gibt, welche Steuerflucht begehen und die Schweiz als Versteck für ihr Geld brauchen? Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Steuern schön brav zahlen, warum verlangen wir das nicht von allen andern auch?


Marin Zeller

05.02.2010, 06:13 Uhr

Wenn schon jemand "banalisiert" hat, dann sicher nicht BR Calmy-Rey, sondern die CH-Banker, die während Jahrzehnten im vollen Bewusstsein der Ausländer-Kunden-Betrügereien deren Geld entgegen genommen und gebunkert haben, Hehlerei im Grossmasstab, die nun langsam ans Tageslicht kommt und die ganze Schweiz in einem schiefen Licht erscheinen lässt!!!


Peter Matzinger

05.02.2010, 04:42 Uhr

Warum tut sie das bloss? Ganz einfach, weil sie die einzige ist, die Rückgrat beweist. Das Bankgeheimnis hilft Steuerbetrügern. Und wer Betrüger schützt, macht sich selbst strafbar. Erstaunlich, dass selbst unsere Medien ihre Leserschaft über diese Tatsache nur ungenügend informieren. Wir sind ein Volk von Heuchlern geworden. Niklaus von der Flüe würde sich im Grab umdrehen.


karl stöcklin

05.02.2010, 04:05 Uhr

die schweizer banken haben im ausland immer den ruf des schwarzgeldempfänger . ich bin da nicht bereit den verteidiger zu spielen auch wenn ich den schweizer pass habe !




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