Meinung

Halter ausbilden statt Hunde verbieten

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 16.03.2010 1 Kommentar

Liliane Minor.

Liliane Minor.

Keine drei Monate nachdem das Zürcher Hundegesetz in Kraft getreten ist, will es der Ständerat bereits beschneiden: Nach dem Willen der kleinen Kammer soll es in der Schweiz kein Verbot von bestimmten Hunderassen geben.

Dieser Entscheid sorgt für Ärger. Es ist von Missachtung des Volkswillens die Rede. Das ist übertrieben. Bisher konnten sich nur die Stimmbürger von Genf und Zürich zum Thema äussern. Und zum Vorschlag des Bundes hat das Volk sowieso das letzte Wort.

Die Empörung ist auch deshalb fehl am Platz, weil die Verbotsbefürworter im Kanton Zürich ganz bewusst das Risiko eingingen, vom Bund zurückgepfiffen zu werden. Sie wussten, dass der Bund gleichzeitig wie der Kanton an einem Hundegesetz arbeitete – und sie mussten aufgrund der Vernehmlassung davon ausgehen, dass ein Rasseverbot dort einen schwereren Stand haben würde.

Letztlich hat im Ständerat die Vernunft gesiegt. Es macht einfach keinen Sinn, in jedem Kanton andere Hunderassen zu erlauben. Ein solches Wirrwarr bringt nur Vollzugsprobleme und verletzt die Rechtsgleichheit. Ein Beispiel: Jeder Auswärtige darf in Zürich mit einem Pitbull spazieren gehen. Zürcher aber dürfen dies nur noch, wenn sie das Tier vor 2010 erworben haben und eine Haltebewilligung besitzen.

Gesiegt hat im Ständerat auch die Einsicht, dass ein Rasseverbot keinen grossen Sicherheitsgewinn bringt. Die Biss-Statistik zeigt klar: Es sind nicht die Kampfhunde, die am häufigsten zubeissen, sondern Tiere anderer Rassen wie Schäfer- und Sennenhunde. Scharf abrichten lässt sich jeder Hund.

Wer wirklich etwas gegen Beissunfälle tun will, der muss dafür sorgen, dass alle Hundehalter wissen, wie sie mit ihrem Tier umzugehen haben. Das geht nur über eine Pflicht zu einer Ausbildung, die mehr ist als die heutige Schnellbleiche. Das hat der Kanton Zürich erkannt. Der Bund aber zögert: Im Gesetz steht bis jetzt erst ein Kann-Paragraf.

Das könnte sich als Fehler erweisen. Denn dem Stimmbürger lässt sich eher erklären, dass ein Rasseverbot nicht sinnvoll ist, wenn er eine vernünftige Alternative auf dem Tisch hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2010, 15:48 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Thomas Müller

16.03.2010, 13:47 Uhr
Melden

"Nur Genf und Zürich" sind immerhin 1.8 Mio Menschen, sprich nicht ganz ein Viertel der Schweizer Bevölkerung. Und natürlich braucht es in Städten wie Genf und Zürich andere Hundegesetze als in Hinterpfupfikon wo jeder weiss dass der Schäfer dem Hansueli gehört. Schade das nicht einmal Ständerat Gutzwiler zu der Mehrheit der ZH-Stimmbevölkerung steht. Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre